Mit dem Gesicht zur Wand
Anekdoten
Sie war Köchin, und das war in Österreich und in Deutschland um diese Zeit sehr schwierig, weil es nicht genug zu essen gab. Die Schwester wusste oft nicht, was sie zur nächsten Mahlzeit auf den Tisch bringen sollte.
Ein täglicher Helfer
Aber sie hatte einen Helfer. Tag für Tag wandte sie sich an den heiligen Josef, der ihr großer Vertrauter war. Wenn sie eine Kerze hatte, zündete sie sie an und redete ihrer kleinen, verräucherten Josef-Statue mit Zuckerbrot und Peitsche zu: „Kümmere dich darum, dass wir etwas zu essen bekommen, sonst drehe ich dich um und du musst den ganzen Tag mit dem Gesicht zur Wand stehen. Um meinetwillen musst du das eh nicht machen, aber für meine Mitschwestern und Mitbrüder. Die brauchen etwas, wenn sie müde von der Arbeit kommen.“ Und, o Wunder, immer war so viel da, dass es wenigstens für eine bescheidene Mahlzeit reichte. Schwester Theresia war aber auch so fair, nicht sich selbst zu loben. Ihren Mitbrüdern und Mitschwestern sagte sie: „Schaut, der heilige Josef hat uns wieder etwas geschickt!“ Und zur Belohnung musste der Heilige nicht mit dem Gesicht zur Wand stehen.
Am bevorstehenden 1. Mai wird der heilige Josef, der Arbeiter, als Vorbild für Würde, Demut und Treue im Alltag verehrt. Papst Franziskus hatte ihn einmal als „Mann des täglichen Mutes“ gewürdigt.
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