Maria, dich lieben ist allzeit mein Sinn
MarienjahrDas Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) bringt die Marienverehrung unserer Kirche in der Liturgiekonstitution (Nummer 103) prägnant so auf den Punkt: Bei der Feier des Jahreskreises der Mysterien Christi „verehrt die heilige Kirche mit besonderer Liebe Maria, die selige Gottesgebärerin, die durch ein unzerreißbares Band mit dem Heilswerk ihres Sohnes verbunden ist. In ihr bewundert und preist sie die erhabenste Frucht der Erlösung.“ Ein kleiner Durchgang durch das Marienjahr, beginnend im Mai und endend im Mai.
August
Am 5. August wird der Weihetag der römischen Basilika Santa Maria Maggiore begangen. Maria soll in der Nacht auf den 5. August einem Ehepaar erschienen sein und ihnen die Geburt eines Sohnes zugesagt haben, wenn dort, wo am nächsten Morgen Schnee liegt, ihr zu Ehren eine Kirche errichtet würde. Dies hatte Papst Liberius geträumt. Am Morgen des 5. August lag am Esquilin in Rom Schnee, daher auch der Name „Unsere Liebe Frau vom Schnee“. „Santa Maria Maggiore“ ist wohl die erste der Jungfrau Maria geweihte Kirche im Westen und bis heute die bedeutendste Marienkirche des Abendlandes. „Maggiore“ auch deshalb, weil sie die bedeutendste der über 40 Marienkirchen Roms ist.
Ein großes Marienfest im Kirchenjahr wird am 15. August gefeiert: „Mariä Aufnahme in den Himmel“, im Volksmund auch „Großer Frauentag“ oder „Maria Himmelfahrt“ genannt. Die Orthodoxie nennt dieses Hochfest „Entschlafung der Gottesmutter“, dementsprechend wird Maria liegend, umgeben von den Aposteln, dargestellt. Am 1. November 1950 hat Papst Pius XII. die Lehre, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, als Glaubenssatz verkündet und damit die seit alters her vorhandene christliche Glaubensüberzeugung endgültig bestätigt. Das 1950 verkündete Dogma lautet: „Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott offenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“
Im Schatten von „Mariä Aufnahme in den Himmel“ steht acht Tage später der Gedenktag „Maria Königin“ am 22. August. Zum Abschluss des Marianischen Jahres 1954 wurde das Fest eingeführt. Durch ihre Aufnahme bei Gott ist Maria die Königin des Himmels und der Erde.
September
Am 8. September wird das große Fest „Mariä Geburt“ begangen, nachdem neun Monate (!) zuvor – am 8. Dezember – das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert wurde. Wegen der heilsgeschichtlichen Rolle der Mutter Jesu feiert die Kirche auch ihr Geburtsfest wie das des Herrn selbst und des heiligen Johannes des Täufers. Im Tagesgebet der Messe heißt es, bezogen auf Jesu Geburt: „Die Geburt des Erlösers aus Maria war für uns der Anfang des Heils.“ Und erst dann: „Das Geburtsfest seiner allzeit jungfräulichen Mutter festige und mehre den Frieden auf Erden.“
Der Gedenktag „Heiligster Name Mariens“ („Maria Namen“) erinnert an den Sieg über die Türken bei Wien am 12. September 1683 durch Jan Sobieski. Der Gedenktag hat einen historischen Bezug zum deutschen Sprachgebiet, nämlich die Errettung einer Stadt, und ist bei den Gläubigen hierzulande stark verwurzelt. In der Messfeier wird gebetet: „Die Gnade deines Segens schenke uns, Herr, auf die Fürsprache der Gottesgebärerin Maria, deren ehrwürdigen Namen wir feiern. Lass uns in allen Nöten ihre Hilfe erfahren.“
Das Gedächtnis der Schmerzen Mariens am 15. September folgt auf das Fest Kreuzerhöhung (14. September) und steht zu ihm in einer inneren Beziehung. Als die sieben Schmerzen der „Mater dolorosa“ (der „schmerzhaften Mutter“) gelten: die Weissagung Simeons bei der Darstellung Jesu im Tempel; die Flucht nach Ägypten; die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus, der im Tempel geblieben ist; die Begegnung Jesu mit Maria auf dem Kreuzweg; die Kreuzigung und das Sterben Jesu; die Kreuzabnahme und die Übergabe des Leichnams an Maria sowie die Grablegung Jesu. Die christliche Kunst kennt die „Pietà“ und die Festtagssequenz mit zehn Strophen: „Stabat mater“ – „Christi Mutter stand mit Schmerzen“.
Oktober
„Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ wird am 7. Oktober geehrt. An diesem Tag im Jahr 1571 wurde bei Lepanto (Griechenland) eine Seeschlacht ausgetragen: Die christlichen Mächte mit Spanien an der Spitze errangen einen überraschenden Sieg über die Osmanen. 1716, nach einem neuerlichen Sieg über die Osmanen bei Peterwardein, nahm man den Gedenktag in den Generalkalender auf.
November
Am 21. November wird der Gedenktag „Unsere Liebe Frau in Jerusalem“ begangen. Im christlichen Osten feiert man die Darstellung Mariens im Tempel, von der das kirchlich nicht anerkannte sogenannte „Protoevangelium des Jakobus“ berichtet. Joachim und Anna hätten ihr Kind Maria mit drei Jahren in den Tempel gebracht und Maria sei dort als Tempeljungfrau aufgewachsen.
Dezember
Weil als „Unbefleckte Empfängnis“ im Volksmund bekannt, ist das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“, es wird am 8. Dezember gefeiert, einigen Missverständnissen ausgesetzt. Der Festinhalt dreht sich ausschließlich um die Gottesmutter Maria. Bei ihrer (!) Empfängnis wurde sie vor der Erbsünde bewahrt, wie das Dogma von 1854 erläutert. Am 8. Dezember 1854 hat Papst Pius IX. die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariä als Glaubenssatz verkündet. Das Dogma lautet: „Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein einzigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlechtes, von jedem Schaden der Erbsünde unversehrt bewahrt wurde, ist von Gott offenbart und darum von allen Gläubigen fest und beständig zu glauben.“ Dabei muss klar bleiben, dass Maria auf dem natürlichen Weg als Kind ihrer Eltern geboren wurde und dass auch sie alle Gnade durch Jesus Christus, durch seinen Kreuzestod, empfangen hat. Neun Monate später, am 8. September, wird ihre Geburt gefeiert.
Der Gedenktag „Unsere Liebe Frau von Loreto“ wird am 10. Dezember begangen. Das Heiligtum von Loreto in Italien ist der Ursprung einer Marienverehrung, die besonders das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi und das Beispiel der Heiligen Familie von Nazaret betrachtet. Engel sollen in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1294 das Haus von Nazaret nach Loreto in der Nähe von Ancona getragen haben. Die Lauretanische Litanei hat dort ihren Ursprung. Das Heilige Haus von Loreto wurde an vielen Orten nachgebaut.
Am 12. Dezember wird „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ gefeiert. 1531 erschien auf dem Berg Tepeyac am Rande von Mexiko-Stadt dem getauften Indigenen Johannes Dídakus (Juan Diego) die Jungfrau Maria als „dunkelhäutige junge Frau“. Sie beauftragte ihn, am Erscheinungsort ein Heiligtum errichten zu lassen. Mit diesem Auftrag ging Johannes Dídakus zum zuständigen Bischof. Durch das Rosenwunder am 12. Dezember wurde der Bischof von der Echtheit des Auftrags überzeugt, so ließ er noch im selben Jahr dort eine Kapelle bauen. Wegen der vielen Pilger war es 1695 nötig, die große Basilika zu errichten, in der das Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ verehrt wird. Guadalupe ist heute der meistbesuchte römisch-katholische Wallfahrtsort der Welt.
Jänner
Am Oktavtag („achten Tag“) von Weihnachten wird das Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Jänner begangen. Bei der bürgerlichen Feier des Neujahrstages geht dieses Hochfest fast unter. Das Tagesgebet der Eucharistiefeier bringt das Festgeheimnis auf den Punkt: „Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt. Lass uns (auch im neuen Jahr) immer und überall die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber des Lebens geboren hat, Jesus Christus.“
Februar
Als letzter Gedenktag vor dem Marienmonat Mai wird am 11. Februar „Unsere Liebe Frau in Lourdes“ gefeiert. Vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 erschien die selige Jungfrau Maria dem Mädchen Bernadette Soubirous achtzehnmal in der Grotte von Massabielle im südfranzösischen Lourdes, zu der seither unzählige Gläubige aus der ganzen Welt pilgern. Viele Kranke haben hier Heilung gefunden.
Mai
Im Marienmonat Mai, und damit schließt sich der Kreis der Marien-Feiern, wird am 13. Mai das Fest „Unsere Liebe Frau von Fátima“ begangen. Am 13. Mai 1917 erschien die „Frau“ das erste Mal den drei Hirtenkindern Lucia, Francisco und Jacinta in Fatima (Portugal). Sie ermahnte die Kinder zu intensivem Gebet und lud sie ein, in den nächsten fünf Monaten jeweils am 13. zur gleichen Stunde zur Cova da Iria zu kommen. Am 13. Oktober 1917 war das angekündigte große Sonnenwunder zu sehen. 1930 wurden die Erscheinungen durch den Bischof von Leira als glaubwürdig erklärt und die öffentliche Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima gestattet.
2018, also vor acht Jahren, hat die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung im Auftrag von Papst Franziskus die liturgische Feier der seligen Jungfrau Maria als „Mutter der Kirche“ in den Generalkalender eingefügt. Gesamtkirchlich ist dafür der Pfingstmontag (heuer am 25. Mai) vorgesehen.
Juni
Am Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest wird – heuer am 13. Juni – der Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariä begangen. Im Mittelpunkt steht wie beim Herz-Jesu-Fest das „Herz“ als biblischer Ausdruck für die Personmitte. So heißt es in der Messfeier: „Gott, du hast dem Heiligen Geist im Herzen der seligen Jungfrau Maria eine würdige Wohnung bereitet.“
Juli
Am 2. Juli – dem Fest Mariä Heimsuchung – steht der Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabet (Lukasevangelium, Kapitel 1, Verse 39 bis 56) im Mittelpunkt. Diese Begegnung wird als „Heimsuchung“ bezeichnet. Johannes hüpft vor Freude im Leib seiner Mutter Elisabet und Maria stimmt ihr Gotteslob (das berühmte „Magnifikat“) an. Das Motiv dieses Festes hat sich auch in einem Rosenkranzgeheimnis niedergeschlagen: „Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast“.
Am 16. Juli wird der Gedenktag „Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel“ gefeiert. Auf dem Karmel, wo der Prophet Elija den Glauben Israels gegen die Baalspropheten machtvoll verteidigte, siedelten schon früh christliche Einsiedler. Diese schlossen sich zur Zeit der Kreuzzüge zu einem Orden unter dem Schutz der Gottesmutter zusammen. Um 1210 bestätigte Papst Honorius III. die Ordensregel der Karmeliten. Der Gedenktag wurde 1726 – also heuer vor 300 Jahren – in den römischen Kalender aufgenommen.