Maria, dich lieben ist allzeit mein Sinn

Marienjahr
Ausgabe Nr. 2
  • Spiritualität
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©David Kassl / iStock
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So heißt der Titel eines der schönsten Marienlieder im „Gotteslob“, dem Gebets- und Liederbuch unserer Kirche. Zum Marienmonat Mai und zum Rosenkranzmonat Oktober kommen größere Marienfeste und kleinere Gedenktage im Laufe eines Kirchenjahres, die die Facetten des Lebens von Maria feiern.

Das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) bringt die Marienverehrung unserer Kirche in der Liturgiekonstitution (Nummer 103) prägnant so auf den Punkt: Bei der Feier des Jahreskreises der Mysterien Christi „verehrt die heilige Kirche mit besonderer Liebe Maria, die selige Gottesgebärerin, die durch ein unzerreißbares Band mit dem Heilswerk ihres Sohnes verbunden ist. In ihr bewundert und preist sie die erhabenste Frucht der Erlösung.“ Ein kleiner Durchgang durch das Marienjahr, beginnend im Mai und endend im Mai.

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August

Die Aufnahme Marias in den Himmel von Luca Giordano.
Die Aufnahme Marias in den Himmel von Luca Giordano. ©Wikimedia Commons/Luca Giordano

Am 5. August wird der Weihetag der römi­schen Basilika Santa Maria Maggiore began­gen. Maria soll in der Nacht auf den 5. August einem Ehepaar erschienen sein und ihnen die Geburt eines Sohnes zugesagt haben, wenn dort, wo am nächsten Morgen Schnee liegt, ihr zu Ehren eine Kirche errichtet würde. Dies hatte Papst Liberius geträumt. Am Morgen des 5. August lag am Esquilin in Rom Schnee, daher auch der Name „Unsere Liebe Frau vom Schnee“. „Santa Maria Maggiore“ ist wohl die erste der Jungfrau Maria geweihte Kirche im Westen und bis heute die bedeutendste Marien­kirche des Abendlandes. „Maggiore“ auch des­halb, weil sie die bedeutendste der über 40 Marienkirchen Roms ist.

Ein großes Marienfest im Kirchenjahr wird am 15. August gefeiert: „Mariä Aufnahme in den Himmel“, im Volksmund auch „Großer Frau­entag“ oder „Maria Himmelfahrt“ genannt. Die Orthodoxie nennt dieses Hochfest „Ent­schlafung der Gottesmutter“, dementspre­chend wird Maria liegend, umgeben von den Aposteln, dargestellt. Am 1. November 1950 hat Papst Pius XII. die Lehre, dass Maria mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit auf­genommen wurde, als Glaubenssatz verkün­det und damit die seit alters her vorhandene christliche Glaubensüberzeugung endgültig bestätigt. Das 1950 verkündete Dogma lautet: „Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott offenbartes Dogma, dass die unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“

Im Schatten von „Mariä Aufnahme in den Him­mel“ steht acht Tage später der Gedenktag „Maria Königin“ am 22. August. Zum Abschluss des Marianischen Jahres 1954 wurde das Fest eingeführt. Durch ihre Aufnahme bei Gott ist Maria die Königin des Himmels und der Erde.

September

Maria mit dem toten Christus: Die Pietà im Petersdom ist das stärkste Glaubensbekenntnis der Kunstgeschichte, das Michelangelo in Rom geschaffen hat. Es ist mehr als 525 Jahre alt. ©Panoramio upload bot/ Wikimedia Commons

Am 8. September wird das große Fest „Mariä Geburt“ begangen, nachdem neun Monate (!) zuvor – am 8. Dezember – das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria gefeiert wurde. Wegen der heilsgeschichtlichen Rolle der Mutter Jesu fei­ert die Kirche auch ihr Geburtsfest wie das des Herrn selbst und des heiligen Johannes des Täufers. Im Tagesgebet der Messe heißt es, bezogen auf Jesu Geburt: „Die Geburt des Erlö­sers aus Maria war für uns der Anfang des Heils.“ Und erst dann: „Das Geburtsfest seiner allzeit jungfräulichen Mutter festige und mehre den Frieden auf Erden.“

Der Gedenktag „Heiligster Name Mariens“ („Maria Namen“) erinnert an den Sieg über die Türken bei Wien am 12. September 1683 durch Jan Sobieski. Der Gedenktag hat einen histo­rischen Bezug zum deutschen Sprachgebiet, nämlich die Errettung einer Stadt, und ist bei den Gläubigen hierzulande stark verwurzelt. In der Messfeier wird gebetet: „Die Gnade deines Segens schenke uns, Herr, auf die Fürsprache der Gottesgebärerin Maria, deren ehrwürdigen Namen wir feiern. Lass uns in allen Nöten ihre Hilfe erfahren.“

Das Gedächtnis der Schmerzen Mariens am 15. September folgt auf das Fest Kreuzerhöhung (14. September) und steht zu ihm in einer inne­ren Beziehung. Als die sieben Schmerzen der „Mater dolorosa“ (der „schmerzhaften Mut­ter“) gelten: die Weissagung Simeons bei der Darstellung Jesu im Tempel; die Flucht nach Ägypten; die Suche nach dem zwölfjährigen Jesus, der im Tempel geblieben ist; die Begeg­nung Jesu mit Maria auf dem Kreuzweg; die Kreuzigung und das Sterben Jesu; die Kreuz­abnahme und die Übergabe des Leichnams an Maria sowie die Grablegung Jesu. Die christli­che Kunst kennt die „Pietà“ und die Festtags­sequenz mit zehn Strophen: „Stabat mater“ – „Christi Mutter stand mit Schmerzen“.

Oktober

"Die Jungfrau mit dem Rosenkranz" (La Virgen del Rosario) von Luis Salvador Carmona.
"Die Jungfrau mit dem Rosenkranz" (La Virgen del Rosario) von Luis Salvador Carmona. ©Wikimedia Commons

„Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“ wird am 7. Oktober geehrt. An diesem Tag im Jahr 1571 wurde bei Lepanto (Griechenland) eine Seeschlacht ausgetragen: Die christlichen Mächte mit Spanien an der Spitze errangen einen überraschenden Sieg über die Osmanen. 1716, nach einem neuerlichen Sieg über die Osmanen bei Peterwardein, nahm man den Gedenktag in den Generalkalender auf.

November

Der Gedenktag Unserer Lieben Frauen in Jerusalem - früher das Fest Mariä Tempelgang oder Mariä Opferung - erinnert an die Erzählung im apokryphen Jakobus-Evangelium, wonach Maria im Alter von drei Jahren von ihren Eltern, Joachim und Anna, in den Tempel nach Jerusalem gebracht wurde, wo sie unter den Tempeljungfrauen erzogen werden sollte.
Der Gedenktag Unserer Lieben Frauen in Jerusalem - früher das Fest Mariä Tempelgang oder Mariä Opferung - erinnert an die Erzählung im apokryphen Jakobus-Evangelium, wonach Maria im Alter von drei Jahren von ihren Eltern, Joachim und Anna, in den Tempel nach Jerusalem gebracht wurde, wo sie unter den Tempeljungfrauen erzogen werden sollte. ©Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon

Am 21. November wird der Gedenktag „Unsere Liebe Frau in Jerusalem“ begangen. Im christ­lichen Osten feiert man die Darstellung Mariens im Tempel, von der das kirchlich nicht anerkannte sogenannte „Protoevangelium des Jakobus“ berichtet. Joachim und Anna hätten ihr Kind Maria mit drei Jahren in den Tempel gebracht und Maria sei dort als Tempeljungfrau aufgewachsen.

Dezember

Das Fest unserer Lieben Frau von Guadalupe in Mexiko-Stadt zieht jährlich Millionen Pilgerinnen und Pilger an. ©iStock, Wikimedia Commons

Weil als „Unbefleckte Empfängnis“ im Volks­mund bekannt, ist das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Got­tesmutter Maria“, es wird am 8. Dezember gefeiert, einigen Missverständnissen ausge­setzt. Der Festinhalt dreht sich ausschließlich um die Gottesmutter Maria. Bei ihrer (!) Emp­fängnis wurde sie vor der Erbsünde bewahrt, wie das Dogma von 1854 erläutert. Am 8. Dezember 1854 hat Papst Pius IX. die Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariä als Glau­benssatz verkündet. Das Dogma lautet: „Die Lehre, dass die seligste Jungfrau Maria im ers­ten Augenblick ihrer Empfängnis durch ein ein­zigartiges Gnadenprivileg des allmächtigen Gottes, im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erretters des Menschengeschlech­tes, von jedem Schaden der Erbsünde unver­sehrt bewahrt wurde, ist von Gott offenbart und darum von allen Gläubigen fest und bestän­dig zu glauben.“ Dabei muss klar bleiben, dass Maria auf dem natürlichen Weg als Kind ihrer Eltern geboren wurde und dass auch sie alle Gnade durch Jesus Christus, durch seinen Kreu­zestod, empfangen hat. Neun Monate später, am 8. September, wird ihre Geburt gefeiert.

Der Gedenktag „Unsere Liebe Frau von Loreto“ wird am 10. Dezember begangen. Das Heiligtum von Loreto in Italien ist der Ursprung einer Marienverehrung, die besonders das Geheimnis der Menschwerdung Jesu Christi und das Beispiel der Heiligen Familie von Naza­ret betrachtet. Engel sollen in der Nacht vom 9. auf den 10. Dezember 1294 das Haus von Naza­ret nach Loreto in der Nähe von Ancona getra­gen haben. Die Lauretanische Litanei hat dort ihren Ursprung. Das Heilige Haus von Loreto wurde an vielen Orten nachgebaut.

Am 12. Dezember wird „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ gefeiert. 1531 erschien auf dem Berg Tepeyac am Rande von Mexiko-Stadt dem getauften Indigenen Johannes Dídakus (Juan Diego) die Jungfrau Maria als „dunkelhäutige junge Frau“. Sie beauftragte ihn, am Erschei­nungsort ein Heiligtum errichten zu lassen. Mit diesem Auftrag ging Johannes Dídakus zum zuständigen Bischof. Durch das Rosenwunder am 12. Dezember wurde der Bischof von der Echtheit des Auftrags überzeugt, so ließ er noch im selben Jahr dort eine Kapelle bauen. Wegen der vielen Pilger war es 1695 nötig, die große Basilika zu errichten, in der das Gnadenbild „Unsere Liebe Frau von Guadalupe“ verehrt wird. Guadalupe ist heute der meistbesuchte römisch-katholische Wallfahrtsort der Welt.

Jänner

Es ist wohl das beliebteste Marienbild Wiens: Seit über 300 Jahren pilgern täglich Menschen zur Ikone der Muttergottes von Mariapocs nahe dem Eingang des Stephansdoms. ©Rupprecht/kathbild

Am Oktavtag („achten Tag“) von Weihnachten wird das Hochfest der Gottesmutter Maria am 1. Jänner begangen. Bei der bürgerlichen Feier des Neujahrstages geht dieses Hochfest fast unter. Das Tagesgebet der Eucharistiefeier bringt das Festgeheimnis auf den Punkt: „Barmherziger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria hast du der Menschheit das ewige Heil geschenkt. Lass uns (auch im neuen Jahr) immer und überall die Fürbitte der gnadenvollen Mutter erfahren, die uns den Urheber des Lebens geboren hat, Jesus Christus.“

Februar

Heilende Erscheinung 1858 in der Grotte von Massabielle. ©iStock/Wikimedia Commons

Als letzter Gedenktag vor dem Marienmonat Mai wird am 11. Februar „Unsere Liebe Frau in Lourdes“ gefeiert. Vom 11. Februar bis zum 16. Juli 1858 erschien die selige Jungfrau Maria dem Mädchen Bernadette Soubirous achtzehn­mal in der Grotte von Massabielle im südfran­zösischen Lourdes, zu der seither unzählige Gläubige aus der ganzen Welt pilgern. Viele Kranke haben hier Heilung gefunden.

Mai

„Die Ausgießung des Heiligen Geistes“ (auch als Pfingsten bekannt, entstanden um 1596–1600) ist eines der faszinierendsten Spätwerke des griechisch-spanischen Meisters El Greco.
„Die Ausgießung des Heiligen Geistes“ (auch als Pfingsten bekannt, entstanden um 1596–1600) ist eines der faszinierendsten Spätwerke des griechisch-spanischen Meisters El Greco. ©Museo del Prado, Madrid / Wikimedia Commons

Im Marienmonat Mai, und damit schließt sich der Kreis der Marien-Feiern, wird am 13. Mai das Fest „Unsere Liebe Frau von Fátima“ begangen. Am 13. Mai 1917 erschien die „Frau“ das erste Mal den drei Hirtenkindern Lucia, Francisco und Jacinta in Fatima (Portugal). Sie ermahnte die Kinder zu intensivem Gebet und lud sie ein, in den nächsten fünf Monaten jeweils am 13. zur gleichen Stunde zur Cova da Iria zu kommen. Am 13. Oktober 1917 war das angekündigte große Sonnenwunder zu sehen. 1930 wurden die Erscheinungen durch den Bischof von Leira als glaubwürdig erklärt und die öffentliche Verehrung Unserer Lieben Frau von Fatima gestattet.

2018, also vor acht Jahren, hat die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenord­nung im Auftrag von Papst Franziskus die litur­gische Feier der seligen Jungfrau Maria als „Mutter der Kirche“ in den Generalkalender eingefügt. Gesamtkirchlich ist dafür der Pfingstmontag (heuer am 25. Mai) vorgese­hen. 

Juni

Das Gemälde "Maria mit flammendem Herz" entstand vermutlich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Das Gemälde "Maria mit flammendem Herz" entstand vermutlich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. © Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon.

Am Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest wird – heuer am 13. Juni – der Gedenktag des Unbe­fleckten Herzens Mariä begangen. Im Mittel­punkt steht wie beim Herz-Jesu-Fest das „Herz“ als biblischer Ausdruck für die Personmitte. So heißt es in der Messfeier: „Gott, du hast dem Heiligen Geist im Herzen der seligen Jungfrau Maria eine würdige Wohnung bereitet.“

Juli

Das französische Gemälde "La Visitation avec Marie-Jacobie et Marie-Salomé" (Die Heimsuchung mit Maria-Jakobe und Maria-Salome) wurde 1491 von dem italienischen Meister Domenico Ghirlandaio geschaffen und hängt heute im Musée du Louvre in Paris.
Das französische Gemälde "La Visitation avec Marie-Jacobie et Marie-Salomé" (Die Heimsuchung mit Maria-Jakobe und Maria-Salome) wurde 1491 von dem italienischen Meister Domenico Ghirlandaio geschaffen und hängt heute im Musée du Louvre in Paris. ©Public Domain

Am 2. Juli – dem Fest Mariä Heimsuchung – steht der Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabet (Lukasevangelium, Kapitel 1, Verse 39 bis 56) im Mittelpunkt. Diese Begegnung wird als „Heimsuchung“ bezeichnet. Johannes hüpft vor Freude im Leib seiner Mutter Elisabet und Maria stimmt ihr Gotteslob (das berühmte „Magnifikat“) an. Das Motiv dieses Festes hat sich auch in einem Rosenkranzgeheimnis nie­dergeschlagen: „Jesus, den du, o Jungfrau, zu Elisabet getragen hast“.

Am 16. Juli wird der Gedenktag „Unsere Liebe Frau auf dem Berge Karmel“ gefeiert. Auf dem Karmel, wo der Prophet Elija den Glau­ben Israels gegen die Baalspropheten macht­voll verteidigte, siedelten schon früh christli­che Einsiedler. Diese schlossen sich zur Zeit der Kreuzzüge zu einem Orden unter dem Schutz der Gottesmutter zusammen. Um 1210 bestä­tigte Papst Honorius III. die Ordensregel der Karmeliten. Der Gedenktag wurde 1726 – also heuer vor 300 Jahren – in den römischen Kalen­der aufgenommen.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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