Mehr als ein Stadtspaziergang

Marsch für Jesus
Ausgabe Nr. 37
  • Wien und Niederösterreich
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Schon 2016 gingen Christen in Wien beim "Marsch für Jesus" auf die Straße.
Schon 2016 gingen Christen in Wien beim "Marsch für Jesus" auf die Straße. ©Marsch für Jesus

Christinnen und Christen unterschiedlicher Konfessionen setzen am 19. September in Wien ein Zeichen für Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe. Der katholische Diakon Johannes Fichtenbauer über den „Marsch für Jesus“.

Beim "Marsch für Jesus" am 19. September 2026 ziehen zwischen 12:00 - 21:30 Uhr Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen über die Wiener Ringstraße zum Schwarzenbergplatz. Über 100 verschiedene Kirchen, Gemeinden und Organisationen sind beteiligt.  Zu den Unterstützern des Marsches zählen neben freikirchlichen und evangelischen Gemeinden auch zahlreiche katholische Einrichtungen. Dazu gehören etwa die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche, die Jugendpastoral-Koordinierungsstelle JAKOB, die Katholische Pfadfinderschaft Europas, die Schönstatt-Bewegung, Missio, der Malteserorden, einzelne Pfarren sowie das Hilfswerk „Kirche in Not“.

Der "Marsch für Jesus" in Wien

Der Marsch steht in der Tradition einer internationalen Bewegung, die 1987 in London ihren Ausgang nahm. In Österreich fanden seit Ende der 1980er Jahre Fackelläufe, Jesus-Märsche und überkonfessionelle Großveranstaltungen statt. In Wien gab es den "Marsch für Jesus" schon mehrmals: 1992 mit rund 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, 2014 mit etwa 12.000 sowie 2016 mit bis zu 18.000 Personen. Nach einer längeren Unterbrechung wird nun österreichweit für die Neuauflage im Jahr 2026 mobilisiert.

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Katholikinnen und Katholiken am "Marsch für Jesus"

Warum sollen auch Katholikinnen und Katholiken am „Marsch für Jesus“ am 19. September in Wien teilnehmen?

JOHANNES FICHTENBAUER: Unser kirchliches Leben vollzieht sich viel zu sehr hinter den Kirchenmauern. Stattdessen sollen wir hinausgehen, dorthin, wo die Menschen sind, wo sie spazieren, wo sie einkaufen, wo sich das Leben abspielt. Der Marsch für Jesus will eine fröhliche Weggemeinschaft sein, eine zeitgemäße, bunte, familienorientierte Form des Glaubenszeugnisses in der Öffentlichkeit. Wir singen unserem Gott, wir beten, wir tanzen auf der Straße und wir machen Musik. Das Evangelium von Jesus Christus wird als „Frohe Botschaft“ verkündet und an Passanten ausgeteilt. Wir gehen mit Fahnen und Transparenten auf die Straße, und es ist dennoch weder ein „Marsch“ im üblichen Sinn noch eine klassische Demonstration. Als Katholiken sind wir die Mehrheitskonfession in Österreich. Als Katholiken haben wir ein Glaubensbekenntnis und wir leisten in diesem Sinn einen segensreichen Beitrag in der Gesellschaft. Es ist wichtig, dass wir uns mit den anderen Kirchen und Freikirchen zu diesem Bekenntnis zusammentun. Der Marsch für Jesus ist seit Jahren die zahlenmäßig größte Ökumene-Veranstaltung in unserem Land. Es wäre schade, wenn wir dieses Fest als Katholiken nicht mitprägen würden.  

"Der Marsch für Jesus ist seit Jahren die zahlenmäßig größte Ökumene-Veranstaltung in unserem Land."

Johannes Fichtenbauer

"Marsch für Jesus": Glauben in der Öffentlichkeit

Haben wir manches Mal eine Scheu oder eine Zurückhaltung, wenn es darum geht, den Glauben in der Öffentlichkeit zu bekennen?

Das würde ich schon so sehen. In Mitteleuropa gibt es eine starke Neigung, Religion als Privatsache anzusehen, und deshalb haben auch viele unserer Gottesdienste diesen Charakter einer möglichst anonymen Teilnahme. Das ist schade. Das Zweite Vatikanische Konzil fordert die Gläubigen auf, sich mit konkreten Beiträgen in der Öffentlichkeit zum Glauben zu stellen. Die anderen, mit ganz anderen Überzeugungen, tun es ja auch. Wir dürfen das Angebot, das Gott in Jesus Christus der Welt gemacht hat, durchaus deutlich aussprechen. Die einladendste Form des Bekenntnisses ist das Feiern vor und mit den Menschen.
 

Der "Marsch für Jesus" oder Fronleichnamsprozessionen

Ein jährlicher „Marsch für Jesus“ sind doch auch unsere Fronleichnamsprozessionen ...

Ja, genau. Auch die Fronleichnamsprozession ist ein Akt des öffentlichen Bekennens und des öffentlichen Gebets um Segen für die Menschen der Umgebung und die Früchte ihrer Arbeit. Und genau in diesem Sinn versteht sich auch der Marsch für Jesus. Und dennoch ist der Marsch für Jesus keine Konkurrenzveranstaltung oder gar ein Ersatz, wird doch Fronleichnam auch mit anderen, traditionellen  Symbolen und Formen des Feierns begangen. 
 

"Glaube als Privatsache ist sicher nirgends so ausgeprägt wie in Mitteleuropa."

Johannes Fichtenbauer

Christen in der Öffentlichkeit sichtbarer machen

Hängt die Zurückhaltung damit zusammen, dass die Christen des angelsächsischen Raumes, wo die Idee des „Marsches für Jesus“ herkommt, in der Öffentlichkeit sichtbarer sind oder sichtbarer auftreten?

Glaube als Privatsache ist sicher nirgends so ausgeprägt wie in Mitteleuropa. Die Menschen in den USA mögen da ganz anders ausgerichtet sein. Die Briten allerdings sind auch keine religiösen Selbstdarsteller. Deshalb mussten die ersten Marsch-für-Jesus-Veranstaltungen in den 1990er-Jahren auch in London eine Schranke der Öffentlichkeitsscheu überwinden. Das schaffen wir auch. 

©privat

Zur Person


Johannes Fichtenbauer ist Mitbegründer der  ökumenischen Kommunität „Umkehr zum Herrn“.

Schlagwörter
Autor:
  • Stefan Kronthaler
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