Kunst und Glaube im Dialog

Wiener Künstlerhaus
Ausgabe Nr. 47
  • Kunst und Kultur
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Gott würfelt nicht: ein Kreuz aus Würfeln von Künstler Markus Wilfling zitiert Albert Einstein.
Gott würfelt nicht: ein Kreuz aus Würfeln von Künstler Markus Wilfling zitiert Albert Einstein. ©Markus Wilfling/Bildrecht Wien

Die Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“ im Wiener Künstlerhaus zeigt, wie zeitgenössische Kunst christliche Motive neu interpretiert – respektvoll, kritisch und oft überraschend.

Weiße Spielwürfel, streng zu einem Kreuz gefügt und doch in zufälliger Reihenfolge: Markus Wilflings Arbeit „O.T. (Gott würfelt nicht)“ erinnert an ein Zitat Albert Einsteins, der den Zufall nicht als letztes Prinzip akzeptieren wollte. Die 44 Würfel stehen für Ordnung und Struktur – und zugleich für das Geheimnis des Glaubens, das sich menschlicher Berechnung entzieht. Das Kreuz aus Spielsteinen ist derzeit in der Ausstellung „Du sollst dir ein Bild machen“ im Wiener Künstlerhaus zu sehen.

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Christliche Bildtradition in der Kunst

42 Künstlerinnen und Künstler nähern sich bis 8. Februar 2026 der christlichen Bildtradition mit kritischem, humorvollem und oft liebevollem Blick. „Es ist eine unglaublich sensibel und respektvoll gestaltete Ausstellung“, betont Elena Holzhausen, Diözesankonservatorin der Erzdiözese Wien, nach einer Führung mit Kurator Günther Oberhollenzer. „Die Kunstwerke regen zur Auseinandersetzung mit der eigenen Religion an.“ Die Schau lade zum Dialog zwischen zeitgenössischer Kunst und Glauben ein.

Kunst und Glauben: Putzmadonna und Kreuz aus einer Tür

Die sieben Kapitel – von „Ikone“ über „(Schein-)Heiligkeit“, „Kreuz“ und „Madonna“ bis zum „Letzten Abendmahl“ – zeigen, wie vertraute Motive neu interpretiert werden. So begegnet man VALIE EXPORTs „Putzmadonna“ und feministischen Umdeutungen des Letzten Abendmahls. Das Kreuz erscheint in vielfacher Variation – als zerlegte Altbautür bei Christian Eisenberger, als mit Latex-Noppen besetztes Objekt bei Renate Bertlmann, als religiöses Fragment in Arnulf Rainers Übermalungen oder in Form einer Türklinken-Prothese von Manfred Erjautz.

Provokantes nicht im sakralen Raum

Auch kontroverse Werke fehlen nicht wie etwa Martin Kippenbergers „gekreuzigter Frosch“, der 2008 für einen Skandal sorgte. Das Kunstwerk sei vor allem als Gesellschaftskritik und weniger als Kirchenkritik zu verstehen, sagt Elena Holzhausen. Sie betont: „Ich finde es gut, dass diese Positionen nicht in einem sakralen Raum verhandelt werden, da sie dort unsere Gottesbeziehung verletzen könnten.“
 

Religion und Kunst

„Religion wie Kunst gehören zu den Wesenszügen des Menschen“, heißt es im Begleittext zur Ausstellung. Beide suchten nach Sinn, beide lebten von Symbolen, Mythen und Bildern. Während die Religion das Unvertraute vertraut mache, stelle die Kunst der vertrauten Welt das Unvertraute gegenüber – und beide seien auf die Imagination angewiesen, um das Unsichtbare sichtbar zu machen. 

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Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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