„Ich bin ein Vagabund“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 1
  • Spiritualität
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Für Rafael Meister, er kümmert sich auch um die Jugendlichen, ist die Gottesdienstfeier Liebesgeschichte, Riesenabenteuer, Mysterium und Ankommen am Hochzeitstisch des Herren. ©Privat

Seit vier Jahren leitet Rafael Meister, 23, den Jugendgebetskreis ‚Overflow‘ in Wiener Neustadt. Jeden Montagabend treffen sich rund zwanzig Jugendliche in der Katharinenkapelle.

Rafael hat sein Bachelorstudium in Physik abgeschlossen und in diesem Semester mit dem Master begonnen. 

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Jugendgebetskreis

Du lebst in Sulz im Wienerwald und studierst in Wien Physik – wie bist du zu ‚Overflow‘ in Wiener Neustadt gekommen? 

Als Jugendlicher mit achtzehn, neunzehn Jahren habe ich nach einer Gruppe gesucht, die sich regelmäßig trifft. Bei ‚Overflow‘ hat mich die Gemeinschaft angezogen. Wir sind eine schöne Mischung aus Priestern, davon Zisterzienser, Kapuziner und ein Weltpriester, und Jugendlichen zwischen 16 und 23 Jahren. Ich finde, Kirche soll wie eine Familie sein und im Gebetskreis fühle ich das besonders: Wir sind eine Familie. Ich verbringe mit meinen Brüdern und Schwestern Zeit, tanke auf, fühle mich geborgen und bin unter Menschen, die mich verstehen.

Wie sehen eure Treffen aus? 

Wir starten mit einem Gesätzchen vom Rosenkranz, dann gibt es 30–40 Minuten Lobpreis. Jede Woche wechseln wir danach zwischen Bibelbetrachtung, einem katechetischen Thema und der Heiligen Messe. Ich mag auch sehr das ‚Fürbittgebet‘, für das wir uns in kleineren Gruppen zusammenstellen. Man kann den anderen in der Gruppe ein persönliches Anliegen sagen und betet gemeinsam dafür. Das ist ein sehr intimer Akt, dazu braucht es Vertrauen, dass nichts davon nach außen getragen wird. Nach dem Gebet kommt die Agape – ein sehr wesentlicher Bestandteil von ‚Overflow‘, weil dabei die Gemeinschaft erlebbar wird.

Du leitest den Gebetskreis in Wiener Neustadt und hast mit einem Freund zusätzlich einen zweiten in Baden gegründet – einen Ableger von ‚Overflow‘. Was sind deine Aufgaben als Leiter?

Wir sind jeweils ein Team in der Leitung. Meine Aufgabe sehe ich darin, hinzuhören, was die Leute beschäftigt. Wie leben sie ihren Glauben, ihren Alltag? Ich habe eine große Faszination für Menschen, bin sehr neugierig und finde, dass jeder Gedanke eines anderen und jedes Gespräch einzigartig sind. Ich spüre außerdem eine Verantwortung für unser Leitungsteam: Ist es jemandem zu viel? Kann man einer Person mehr zutrauen? Welche Talente bringt jemand mit und wie kann er sie einsetzen?

Du bist in einer gläubigen Familie aufgewachsen und hast dich auch in der Pubertät nicht von der Kirche abgewendet. Was war dafür ausschlaggebend?

Meine Eltern sind für mich große Vorbilder, vor allem mein Vater. Mit ihm habe ich schon viele Gespräche geführt. Wir gehen regelmäßig gemeinsam spazieren und reden. Was den Glauben betrifft, haben meine Eltern uns immer eine große Freiheit gelassen. Meine Geschwister und ich konnten uns alles Mögliche anschauen und kennen lernen. So kommt es, dass meine drei jüngeren Geschwister und ich im Glauben verschiedene Wege gehen. Mein Bruder zum Beispiel ist bei den Pfadfindern und lebt den Glauben in Verbindung mit Sport. Aber am Sonntag, da gehen wir alle gemeinsam in die Messe.

„Meine Eltern sind für mich große Vorbilder.“

Rafael Meister

Wie bleibst du zwischen Physikvorlesungen, der Verantwortung in den beiden Gebetskreisen und dem Pendeln mit Gott in Verbindung?

Ich gehe mehrmals pro Woche, wenn nicht sogar jeden Tag, in die Heilige Messe. Das ist für mich sehr wesentlich. Die Messe beinhaltet für mich alles: Sie ist Liebesgeschichte, Riesenabenteuer, Mysterium und Ankommen am Hochzeitstisch des Herren. Dazu gehört für mich auch die stille Zeit, das Da-Sein vor Gott nach der Kommunion. Bei der Messe bin ich ein Vagabund: Am Nachmittag bin ich oft bei den Kapuzinern in Wien im Gottesdienst, manchmal im Stephansdom, nach dem Gebetskreis in Wiener Neustadt übernachte ich meistens im Kapuzinerkloster und gehe in der Früh dort in die Messe. Immer woanders – und doch immer Heimat. 

Schlagwörter
Autor:
  • Sandra Lobnig
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