Kühle Kirchen gegen Hitze
Klimaoasen
Über ganz Österreich hat sich in den vergangenen Tagen die erste große Hitzewelle des Jahres ausgebreitet, die nach Wetterprognosen noch bis Mitte nächster Woche andauern soll. Welche Kirchen sich besonders als kühle Rückzugsorte eignen, hängt neben der geografischen Lage von der Bauweise und der Besucherfrequenz ab, erklärte Niki Haselsteiner, Leiter des Projekts "Offene Kirche" in der Erzdiözese Wien. "Jedenfalls muss man für eine Abkühlung in der Kirche nicht gläubig sein. Wie Kardinal Schönborn einmal gesagt hat, ist es auch erlaubt, ein Buch mit zu nehmen, dem lieben Gott seien alle willkommen."
Kühle Krypta als Zuflucht vor Hitze
"Die Grundregel, die man zur Entdeckung kühler Sakralräume beachten sollte, ist, dass nur Altbauten kühlen. Moderne Beton- und Backsteinkirchen heizen sich wie Backöfen auf", so Haselsteiner. So seien gotische, frühbarocke bis hochbarocke Kirchen, die vor 1750 gebaut wurden, potenziell kühlere Kirchen. Der Stephansdom allerdings mit sechseinhalb Millionen Besuchern im Jahr gehört zu den Ausnahmen. "Die Türen sind aufgrund der vielen Besucher permanent offen. Um es wirklich kühl zu haben, muss man runter in die Krypta", so Haselsteiner. Derzeit misst die Erzdiözese 23 Grad im Stephansdom und 13 Grad Celsius in der Krypta.
Kühlste Kirchen in der Erzdiözese Wien
Kühler ist es in Kirchen, die nicht so stark frequentiert sind. So wurden etwa in den Wiener Kirchen Altlerchenfeld (7. Bezirk) und Weinhaus (18. Bezirk) sowie in der Pfarrkirche Lichtenegg in Niederösterreich rund 19 Grad gemessen, in Gaweinsthal etwa 21 Grad. Die Wallfahrtskirche am Kaltenberg in der Buckligen Welt zählt auf knapp 1.000 Metern Seehöhe zu den kühlsten Kirchen Österreichs. Dort beschäftigt die Pfarrgemeinde bis weit ins Frühjahr hinein eher das umgekehrte Problem: die Kälte in der Kirche.
In Wien laden darüber hinaus die barocke Kirche Sankt Rochus (3. Bezirk) mit ihrem Innenhof und der Lourdes-Grotte mitten im Häusermeer, die Jesuitenkirche (1. Bezirk), die Dominikanerkirche (1. Bezirk), die Annakirche (1. Bezirk), die Paulanerkirche (4. Bezirk), die Mariahilfer Kirche (6. Bezirk) und die Servitenkirche (9. Bezirk) dazu ein, der Sommerhitze für einige Zeit zu entkommen. Ein "kühler Tipp" ist auch die Kirche Maria am Gestade (1. Bezirk). "Es ist eigentlich schade, dass die Kirche eher weniger besucht wird, denn es ist eine beeindruckende gotische Kirche mit großer Geschichte, und sie beherbergt Reliquien des heiligen Clemens Maria Hofbauer", so Haselsteiner.
Hitze: Urlaub für die Seele
Nach längerer Hitzeperiode gehen aber auch die Temperaturen in den Kirchen hinauf. "Mit Ende Juli beträgt dann der Abstand der Innen- zur Außentemperatur nur noch um die drei Grad", sagte Haselsteiner. Aber im Sommer könne jede Kirche "der Ort für den kurzen Urlaub der Seele sein", berichtete er vom Projekt "Urlaub für die Seele". In Kirchen finden Besucher "Stille in einer lauten Welt" oder können zwischen Terminen durchatmen. Es gibt sogar die Möglichkeit, Urlaubsgrüße von der besuchten Kirche zu versenden. Mit einer eigens gestalteten Postkarte ihrer Pfarr- oder Lieblingskirche sind Gläubige eingeladen, Familie, Freunden oder anderen ihnen nahestehenden Menschen zu schreiben. Die Karten können persönlich überreicht, eingeworfen oder per Post verschickt werden. Weitere Informationen gibt es hier.
Hitze trifft vor allem Kinder und ältere Menschen
Besonders gefährlich sind die hohen Temperaturen für ältere Menschen, Babys und Kleinkinder, Schwangere, chronisch Kranke sowie obdachlose Menschen und Personen, die in schwierigen sozialen Verhältnissen leben. Die Caritas bietet daher in mehreren Bundesländern Klimaoasen, kühle Aufenthaltsorte und ein Hitze-Schutzpaket für Menschen in belastenden Lebenssituationen an. Zudem fordert die Hilfsorganisation einen nationalen Hitzeplan der Regierung.
Obdachlose Menschen sind der Hitze meist ausgeliefert
"Obdachlose Menschen sind der Hitze meist schutzlos ausgeliefert. Und auch Menschen mit niedrigem Einkommen leben oft in beengten, schlecht isolierten Wohnungen und können den extremen Temperaturen kaum entfliehen", so der Wiener Caritas-Direktor Klaus Schwertner. "Die Klimakrise ist längst auch eine soziale Krise", so Schwertner. Notwendig seien vor allem Maßnahmen zum Schutz besonders gefährdeter Menschen - etwa hitzebeständiger Wohnraum, mehr Grünflächen und frei zugängliche kühle Räume in Städten.
24 Klimaoasen in Wien gegen die Hitze
In den 24 Klimaoasen in Wien und Niederösterreich betreuen rund 500 Freiwillige gemeinsam mit Pfarren die kühlen Rückzugsorte. Dort werden kalte Getränke und kleine Mahlzeiten verteilt. Streetwork-Teams sind mit Hitzepaketen - bestehend aus Trinkwasser, Sonnenschutz und Sommerschlafsäcken - unterwegs und informieren über Hilfsangebote wie die Klimaoasen. Auch der Louisebus, "die rollende Ordination der Caritas", ist an fünf Tagen die Woche mit freiwilligen Ärztinnen und Ärzten unterwegs, um Menschen zu versorgen.
So können Sie helfen
Auch die Bevölkerung wird um Mithilfe und Aufmerksamkeit gebeten. Im Sommer sei es oft schwieriger, gesundheitliche Notfälle zu erkennen. "Bei der Gruft können Schlafplätze und Aufenthaltsorte obdachloser Personen auch im Sommer gemeldet werden. Im Notfall gilt immer: Bitte die Rettung unter dem Notruf 144 verständigen", informierte Lis Pichler, Leiterin der Gruft.
Ebenso appellieren die VinziWerke an die Bevölkerung: "Wenn Ihnen Menschen auffallen, die desorientiert oder schwach wirken, sprechen Sie sie an und rufen Sie bitte im Zweifelsfall immer die Rettung", so Amrita Böker, Geschäftsführerin der VinziWerke. In den mittlerweile 40 Einrichtungen der VinziWerke in der Steiermark, Wien und Salzburg finden täglich bis zu 450 Personen Unterkunft und 1.700 Personen werden mit Essen und Lebensmitteln versorgt.