Josef, steh auf und geh ...
Hirtenhund
Eine Bischofsmesse im Dom zu besonderen Gelegenheiten ist immer eine große Sache: viele Mitwirkende, ein dem Anlass angepasster Ablauf, spezielle Texte.“ – Wenn es eines Beweises bedurfte, wie visionär „Der Sonntag“ ist, dann liegt dieser Beweis damit vor. Er ist vor exakt 10 Jahren erschienen und leitet einen Text ein, der erklärt, was eine „Intimatio“ ist: „Im Wiener Stephansdom nennt man das ‚Drehbuch‘ einer Bischofsmesse Intimatio. Da steht etwa, wer zelebriert, was an Gewändern vorzubereiten ist oder wer wo sitzt und wo welche Mikrofone aufzustellen sind.“ Wie ich darauf komme? Weil besagtes Drehbuch zur Weihe unseres neuen Erzbischofs nicht nur manch irritierende Formulierung wie „Dm inzensiert EB am Altar, dann EM & Kokons“ enthält, sondern auch eine eindrucksvolle Liste aller erwarteten Gäste. Ein schönes Zeichen der Wertschätzung ist dabei gerade zum Ende der „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ die starke Präsenz der Ökumene aus dem In- und Ausland.
Bischofsmesse oder wohl eher ein Schauspiel?
„Eine Messe ist ein in allen Details genau durchdachtes Schauspiel“, hieß es vor 10 Jahren im „Sonntag“. Schauspiel trifft es ganz gut, wenn ich lese: „Handshaking und Übergabe Give-Away Stimmgabel“. Und, nein, die Order „EB Grünwidl liegt zur Prostratio ganz ausgestreckt“ hat nichts mit einer urologischen Untersuchung zu tun, sondern beschreibt das demutsvolle Sichniederwerfen vor dem Altar vor der eigentlichen Bischofsweihe. Wobei ich für uns und unseren Josef hoffe, dass er danach wieder gut auf die Füße kommt, meint Prostration im medizinischen Kontext doch eine extreme Form der Erschöpfung – also genau das, was wir nun wirklich nicht brauchen können. So wollen wir unserem neuen Erzbischof gemeinsam und mit Jesu Worten aus dem Johannesevangelium zurufen: „Josef, steh auf (…) und geh!“
Das "Ja" auf der Bischofsmesse
Am Ende des 20-seitigen Drehbuchs angekommen wird mir im wahrsten Sinne etwas schwer ums Herz. Schlichtweg, weil ein Drehbuch halt genau das ist, was der „Sonntag“ schon vor 10 Jahren beschrieben hat: ein „genau durchdachtes Schauspiel, in dessen Mitte das Ernsteste steht, was es auf Erden gibt – Gott“. Ja, eh. Aber insgeheim hoffe ich auf ein wenig Leichtigkeit, Spontanität, ja, Unkalkulierbarkeit. Nicht nur auf ein Lächeln, sondern auf ein Lachen, auf wohlwollendes, unchoreographiertes Schulterklopfen und Umarmen, auf Ausbrüche der Freude darüber, dass Josef „Ja“ gesagt hat. Dann übergebe ich gern wieder an die „Intimatio“, die das Läuten der Pummerin zum Abschluss ankündigt. Und, Achtung: „Regiekammerl bitte freimachen“