Ich liebe es, Gott zu dienen
Woran ich glaubeDie Deutschordenskirche an einem Dienstag kurz vor 9:00 Uhr: Bene Xavier zündet gerade die Kerzen für die erste Messe des Tages an. Seit Juni 2024 arbeitet sie hier als Sakristanin, eine andere Bezeichnung für den Beruf des Mesners. Zu ihren Aufgaben gehört dabei, alles für die Gottesdienste herzurichten und die liturgischen Geräte und Gewänder zu pflegen. Sie sorgt für Sauberkeit in der Kirche und unterstützt den Priester auch als Ministrantin. „Was mich in meinem Dienst immer antreibt, ist die Frage: Wie kann ich helfen, damit die Messe schön und feierlich ist?“, sagt sie. „Und wie kann ich helfen, dass die Menschen spüren, dass sie Gott hier begegnen können?“
Unterschiede zwischen Indonesien und Österreich
Sie sind in Indonesien geboren und aufgewachsen. Wie geht es den Katholikinnen und Katholiken dort? Was sind die größten Unterschiede zwischen Indonesien und Österreich?
In Indonesien sind 88 Prozent der Menschen Muslime. Wir haben etwa 280 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. 3 Prozent sind Katholiken – das klingt wenig, ist bei der Einwohnerzahl aber immer noch eine große Menge Menschen. Der größte Unterschied, den ich spüre, ist, dass es in Indonesien nicht ungefährlich ist, katholisch zu sein. Im Grunde muss man immer bereit sein, sein Leben zu geben, wenn man in die Kirche geht. Das klingt dramatisch, aber es entspricht den Tatsachen. In Österreich, aber auch in Japan, wo ich eine Zeit lang gelebt habe, ist das ganz anders. In beiden Ländern kann man in Ruhe und Frieden in die Kirche gehen. Ich glaube, das ist vielen hier gar nicht bewusst, was das für ein Glück und für ein Geschenk ist, seinen Glauben in Freiheit leben zu können.
„Es ist mir wichtig, jeden Tag Eucharistie zu feiern.
Bene Xavier
"Ich liebe es, Gott zu dienen"
Was bedeutet es für Ihren Alltag, Ihren Glauben so frei leben zu können?
Dass ich das tun kann, was mir wichtig ist. Dazu gehört zum Beispiel, jeden Tag Eucharistie zu feiern. Ich kann nicht ohne Eucharistie leben. Ich bin es schon von klein auf gewohnt, jeden Tag Eucharistie zu feiern. Nur an den Sonntagen ist mir zu wenig. Hier in Österreich kann ich das ganz ohne Angst tun. Und ich kann mich auch darüber hinaus völlig frei in meinem Glauben entfalten. Ich arbeite zum Beispiel auch ehrenamtlich bei den Domministranten, leite da auch eine Ministrantengruppe und kümmere mich um die Einteilung, wer wann ministriert. Es gibt im Dom ja sieben Messen pro Tag, neun an den Sonntagen. Das Ministrieren ist mir so ein großes Anliegen, weil ich Gott da dienen kann. Ich liebe es, Gott zu dienen.
Begegnung mit Gott
Wann fühlen Sie sich Gott besonders nahe?
Ich begegne Gott in meinen Mitmenschen und fühle mich ihm besonders nahe, wenn ich etwas für andere tun kann, denn das tue ich ja dann auch für Gott – das ist meine Einstellung. Und wenn ich sage, ich liebe Gott – was ich tue – dann muss ich auch meine Nächsten lieben und dann möchte ich auch mithelfen, dass sie sehen: Gott ist da. Jeden Tag, wenn ich die Kirche aufsperre, bete ich zuerst für alle Menschen, dass sie die Liebe Gottes finden, dass sie Gott in ihrem Alltag begegnen können.
Erfüllende Momente
Gibt es Momente in Ihren kirchlichen Diensten, die Sie besonders erfüllen?
In der Deutschordenskirche werden regelmäßig Messen mit Blinden und Gehörlosen gefeiert. Da begleite ich dann einen blinden beziehungsweise sehr schwach sehenden oder gehörlosen Ministranten und helfe, dass er oder sie den Ministrantendienst erfüllen kann – gehe also zum Beispiel mit ihm oder ihr zum Ambo. Das ist für mich eigentlich ein ganz ruhiger und unauffälliger Dienst, aber es berührt mich sehr, diese Menschen dann glücklich und zufrieden zu sehen.
"Es tut mir einfach gut, hier zu sein"
Bene Xavier
"Es tut mir einfach gut, hier zu sein"
Es klingt, als wären die Dienste, die Sie in der Kirche erfüllen, bei weitem nicht nur Arbeit, sondern auch liebgewonnene Freizeitbeschäftigung. Was macht Ihnen in Ihrem Leben darüber hinaus Freude?
Ich reise wirklich gerne und entdecke Neues. Wenn ich in einer fremden Stadt bin, an einem fremden Ort, dann besuche ich immer die Kirchen. Wobei ich sagen muss, Kirchen zu besuchen ist auch in Wien eine meiner liebsten Beschäftigungen. Meine beiden Lieblingskirchen hier sind der Stephansdom und die Deutschordenskirche. Ich kann mich erinnern: Ich war erst ein paar Tage in Wien und habe den Stephansdom besucht und mein erster Gedanke war sofort: Hier würde ich mich gerne einbringen und mithelfen. Mit der Deutschordenskirche ging es mir ähnlich: Auch das war Liebe auf den ersten Blick. Die ruhige, stimmige Atmosphäre, die hier herrscht, hat mich begeistert. Es tut mir einfach gut, hier zu sein.