Hier bleibst du
Glaubenszeugnis
Pater Elias hat die vergangenen drei Jahre am Päpstlichen Athenaeum Sant’Anselmo, der internationalen Hochschule der Benediktiner in Rom, verbracht und dort sein Theologiestudium abgeschlossen. An der Päpstlichen Universität Gregoriana absolvierte er ein Lizentiatsstudium im Kirchenrecht.
Pater Elias, du bist erst Ende Juni aus Rom zurückgekommen. Wie hast du deine Zeit dort erlebt?
Pater Elias: Es war eine tolle Zeit! Sehr international. Wenn ich nur daran denke, auf wie vielen verschiedenen Sprachen ich Gottesdienst gefeiert habe: auf Chinesisch, Italienisch, Spanisch, Kirchenslawisch oder Portugiesisch. Durch die Mitbrüder aus den verschiedenen Kulturen bekommt man ganz andere Zugänge zum Glauben. Für mich war das eine unglaubliche Bereicherung.
Inwiefern?
Da war zum Beispiel dieser eine Mitbruder aus Tansania, der mir an einem seiner ersten Tage in Rom erklärt hat, dass es hier unmöglich sei, nicht in den Himmel zu kommen. Warum? Weil man in Rom überall beichten gehen kann. Dort, wo er herkommt, ist das mit dem Beichten viel schwieriger. Ich habe in den Jahren in Rom auch eine besondere Beziehung zur Madonna von Guadalupe aufgebaut. Viele meiner Freunde stammen aus Mexiko. Sie haben mich mehrmals zur Prozession mitgenommen, die in Rom von einer Kirche zum mexikanischen Kolleg führt. Dabei haben ich und meine Mitstudenten das traditionelle Lied, die ‚Guadalupana‘, gelernt. So etwas prägt einen frömmigkeitsmäßig.
„Ich liebe das Chorgebet und das Gemeinschaftsleben.“
Benediktiner im Stift Seitenstetten
Du bist im Stift Seitenstetten bei den Benediktinern eingetreten. Wolltest du immer schon Ordensmann oder Priester werden?
Der Gedanke, Priester zu werden, kam mir, weil ich von außen öfter darauf angesprochen wurde. Ich habe in meiner Heimatpfarre in Deutsch-Wagram lange ministriert und da hat es immer wieder geheißen: ‚Der wird einmal Pfarrer.‘ Das hat mir nicht gefallen, ich habe mich über solche Aussagen geärgert.Bei einer Ministrantenwallfahrt nach Rom kam mir bei einer Eucharistischen Anbetung dann aber auf einmal der Gedanke: ‚Warum schließt du es eigentlich aus?‘ Und ab dem Moment habe ich es tatsächlich für mich nicht mehr ausgeschlossen, Priester zu werden. Innerlich bin ich komplett ruhig geworden. Nur als Einzelkämpfer in einer Pfarre zu wohnen, das wollte ich nicht.
Bis zu meinem Ordenseintritt bei den Benediktinern war es aber noch ein Weg. Ich habe zuerst mein Jusstudium abgeschlossen. Ein Freund hat mich am Ende des Studiums nach Seitenstetten eingeladen. Ich erinnere mich, wie ich bei einem Besuch dort bei der Mittagshore gesessen bin. Ein Mitbruder legte während des Gebets seine Ewige Profess ab und mir kam der schlichte Gedanke ‚Hier bleibst du.‘
Psalmen und Liturgie der Benediktiner
Was hat dich bei den Benediktinern angezogen?
Die Psalmen und die Liturgie. Ich liebe das Chorgebet. Und das Gemeinschaftsleben. Man ist nicht alleine. Ich war auch nicht der Einzige in meinem Alter, und die Gemeinschaft erschien mir in positiver Hinsicht so normal, wie es eine Mönchsgemeinschaft nur sein kann.
Nach deinen Studienjahren in Wien und Rom wirst du ab September als Kaplan drei Pfarren auf dem Land in Niederösterreich betreuen. Eine große Umstellung für dich?
Sicher. Ich werde wieder einmal mein komplettes Umfeld wechseln. Ich kenne die drei Pfarren aber schon ein bisschen. Als Neupriester habe ich nämlich in jeder der Pfarren, die zum Stift gehören, eine Nachprimiz gefeiert. Aufgeregt bin ich aber schon auch. Das Schöne: Das Pfarrleben dort ist sehr reich. Einmal habe ich in einer der Pfarren eine Vorabendmesse zelebriert und auf einmal waren elf Ministranten da – und das ohne Ankündigung.
Pater Elias Krexner
Alter: 32
Lebensmotto: Was du mit dem Mund singst, sollst du im Herzen glauben, und was du im Herzen glaubst, im Leben erfüllen.
Gott ist für mich: unbegreiflich.
Sonntag bedeutet für mich: der Höhepunkt der Woche.