Gemeinsam am Tag der Fahne
Meinung
Aus Dankbarkeit für die Befreiung von den Besatzungsmächten wurde in der Zweiten Republik ein zusätzlicher nationaler Feiertag eingeführt. Er hieß zunächst Tag der Fahne und wurde am 25. Oktober gefeiert, dem Tag der Übergabe der letzten Kaserne durch die Besatzungstruppen. Später verlegte man den Tag auf den 26. Oktober, weil man den ersten grundlegenden Akt des freien Staates in den Mittelpunkt rücken wollte: die Verabschiedung des Neutralitätsgesetzes.
Das Bundesheer und der Nationalfeiertag
Es ist kein Zufall, dass gerade das Österreichische Bundesheer diesen Tag zum Anlass nimmt, der Bevölkerung seine Aufgaben und Fähigkeiten in einer umfangreichen Leistungsschau mitten in der Bundeshauptstadt zu präsentieren. In der Präambel des Bundesgesetzes über den Nationalfeiertag heißt es, dass Österreich mit dem Neutralitätsgesetz „seinen Willen erklärt hat, für alle Zukunft und unter allen Umständen seine Unabhängigkeit zu wahren und sie mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen“.
Krieg in Europa
Seit einigen Jahren ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt, und auch bewaffnete Konflikte in seiner Nachbarschaft, insbesondere im Nahen Osten, stellen eine vielschichtige Bedrohung dar. Vor diesem Hintergrund freut es mich besonders, dass die Religionsgemeinschaften in Österreich auch im Bereich der Militärseelsorge freundschaftlich und konstruktiv zusammenarbeiten und so Zeugnis geben für die Möglichkeit des friedlichen Miteinanders von Menschen verschiedener religiöser, ethischer und kultureller Traditionen. Bei der Leistungsschau am Heldenplatz werden sie wieder mit einem gemeinsamen Zelt vertreten sein: Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Juden, Muslime und Aleviten.
Nationalfeiertag: Eine Kultur gegen Lüge und Gleichgültigkeit
Papst Leo XIV. zeigt sich in seiner Enzyklika davon überzeugt, dass wir alle einen Beitrag leisten können, gegen eine Kultur der Macht, gegen Lüge und Gleichgültigkeit am Aufbau einer „Zivilisation der Liebe“ zu arbeiten: durch die Entwaffnung der Worte, die Förderung von Gerechtigkeit und Frieden, die Einnahme der Perspektive der Opfer, durch Dialog, Gebet und einen gesunden Realismus. In dem kleinen, aber sehr wichtigen Bereich der Soldatenseelsorge wollen wir mit allen unseren Kräften daran mitarbeiten.
Der Kommentar drückt seine persönliche Meinung aus!
Zur Person
Andreas Guganeder ist Militärkurat und Generalvikar der österreichischen Militärdiözese.