Gefräßigkeit, Neugier und Stolz

Sommerbrief
Ausgabe Nr. 31
  • Meinung
Autor:
Alphons Maria von Liguori (1696–1787): Der Heilige gründete den Orden der Redemptoristen. ©Gisbert Greshake/Josef Weismayer

In unseren Sommerbriefen lassen wir über die Sommermonate wieder bekannte Persönlichkeiten zu Wort kommen. Diesmal ist es Alphons Maria von Liguori, der den Orden der Redemptoristen gründete.

Aus seinem Buch: „Die Kunst, Jesus Christus zu lieben“ (1768). Die Gedanken des Heiligen sind modern und decken sich mit der „Berufung aller zur Heiligkeit“, von der das Zweite Vatikanische Konzil spricht (Lumen gentium 39f.)

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Von großer Bedeutung ist der Entschluss, sich ganz Gott zu schenken. Viele sind zur Heiligkeit berufen. Angetrieben von der Gnade, fühlen sie ein sehnsüchtiges Verlangen nach ihr. Weil sie sich aber zu keinem Entschluss durchringen, leben und sterben sie im trüben Grau eines lauen und mittelmäßigen Lebens. Die bloße Sehnsucht nach Vollkommenheit reicht nicht aus, wenn diese nicht in die klare Entscheidung umgesetzt wird, sie auch erringen zu wollen.

Wie viele Menschen befriedigen sich mit bloßen Wunschgebilden, ohne einen konkreten Schritt auf Gott hin zu tun. Von diesen heißt es im Buch der Sprüche: „Den Faulen bringt sein Begehren um“ (21,25). Der Träge erträumt sich zwar das Ziel, ergreift aber nicht entschlossen die entsprechenden Mittel zur Heiligung. Er verflüchtigt sich in Ausreden: Oh, wenn ich doch in der Wüste und nicht in diesem Haus leben müsste; wenn ich in ein anderes Kloster überwechseln könnte, dann würde ich mich ganz Gott hingeben! 

Gefräßigkeit und Neugier

Derweil kann er einen Mitbruder nicht ausstehen, nimmt er kein Wort der Kritik an, geht er in vielerlei nutzlosen Sorgen auf, gibt er sich der Gefräßigkeit und der Neugier hin, lässt er dem Stolz freien Lauf und seufzt dabei: Ja, wenn ich das und jenes hätte, wenn ich das und jenes könnte, und dergleichen. Solche Träumereien richten mehr Schaden als Nutzen an. Manch einer findet darin seine Befriedigung und fährt inzwischen fort, sein gewohntes Leben weiterzuleben. 

Franz von Sales meint dazu: „Ich bin nicht damit einverstanden, wenn jemand, der in bestimmten Bindungen steht, sich eine andere Lebensform ersehnt, sollte diese seinen augenblicklichen Verpflichtungen widersprechen. Oder wenn jemand nach Aufgaben verlangt, die mit seiner gegenwärtigen Situation unvereinbar sind. Denn all das besetzt das Herz und lässt es in den notwendigen geistlichen Verpflichtungen erlahmen.“

Schlagwörter
Autor:
  • Stefan Kronthaler
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