Gaudete – Wer freut sich?

Meinung
Ausgabe Nr. 50
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Autor:
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ist emeritierte Universitätsprofessorin für Philosophie.
Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz ist emeritierte Universitätsprofessorin für Philosophie.
©kathbild.at/Franz Josef Rupprecht

Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz (80), emeritierte Universitätsprofessorin für Philosophie, stellt sich die Frage der Freude - doch findet sie die Antwort in der Bibel?

Große Frage: Wer freut sich? Wer kann sich überhaupt freuen? Eine erste Antwort: Der das erhält, was ihm gefehlt hat. Oder tiefer: Der schon erhält, was ihm bewusst noch gar nicht gefehlt hat – aber immer wieder kommen gute Dinge, löst sich ein Knäuel … Freude ist erfüllte Sehnsucht, ob bewusst oder unbewusst. Freude ist Zuversicht aus Erfahrung: Es ist schön, dazusein.

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Die Quelle der Freude

Große Frage: Wer freut sich? Wer kann sich überhaupt freuen? Eine erste Antwort: Der das erhält, was ihm gefehlt hat. Oder tiefer: Der schon erhält, was ihm bewusst noch gar nicht gefehlt hat – aber immer wieder kommen gute Dinge, löst sich ein Knäuel … Freude ist erfüllte Sehnsucht, ob bewusst oder unbewusst. Freude ist Zuversicht aus Erfahrung: Es ist schön, dazusein, 

Freude in der Bibel

Aber denken wir noch größer: Freude sieht Sinn im Leben. Sieht ein Ziel im Ganzen, und  es wird immer klarer. Was ist das Ziel? Paulus weiß es: der Herr; Er selbst. Mein Ursprung, mein Designer, meine Kraft, und auf ihn laufe ich wieder zu. „Freut euch im Herrn allezeit, und noch einmal sage ich: Freut euch! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts“ (Phil 4,4-7). Diese Worte schießen einen Pfeil der Freude ab. Seitdem sind 2.000 Jahre verstrichen, und der Herr kam nicht. Oder kam Er doch? Es gibt ein vielfaches Kommen. Klopft Er nicht oft an unsere Tür – löst sich Leid nicht immer wieder in Segen? Jemand ruft in einer verzweifelten Nacht nach ihm – und der Herr tritt ein und reißt ihn hoch? Spüren wir nicht doch seine Annäherung und lassen sie wieder versinken?

Gespannt sein auf das was kommt

Wir leben in gespannter Zeit, so wie ein Bogen gespannt ist. Für viele ist es die wachsende Spannung der Angst, seit Attentäter unter uns sind, seit sich Apokalyptisches andeutet. Aber Paulus spricht von der Spannung der Freude. Spannung meint nicht Sich-Überschlagen mit Planen und Sorgen, das uns nervös für morgen macht. Sie meint Gespanntsein auf das Endgültige. Es gibt das automatische Ablaufen der Zeit, gleichgültig und von selber nach morgen, übermorgen, zum nächsten Jahr ... Aber es gibt eine andere Zukunft; sie heißt Advent: Sie läuft nicht weg, sie kommt auf uns zu, und mit ihr kommt die Macht der Freude. 

Antwort: Mit Freude warten

Im Warten steckt Sehnsucht, Hoffnung, steckt Gewissheit, es werde gut, mehr als gut, wenn man Ihn nur endlich sehen darf. Wie eine Woge der Freude kommt der Herr auf uns zu. „Dein Gesicht meine Heimat“, sagt ein alter Satz. O göttliches Heimkommen.

Der Kommentar drückt ihre persönliche Meinung aus.

Autor:
  • Hanna-Barbara Gerl- Falkovitz
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