Faustyna Kowalska

Im Sekretariat der Barmherzigkeit
Ausgabe Nr. 43
  • Bildung
Autor:
Sr. Faustyna Kowalska im Jahr 1931.
Sr. Faustyna Kowalska im Jahr 1931. ©Wiki commons/www.gosc.pl/public domain

In unserer Serie „Die Mystikerinnen“ stellen wir einmal im Monat eine Frau vor, die aufgrund ihrer besonderen Erfahrung mit Gott Spuren in der Geschichte von Kirche und Welt hinterlassen hat. In unserer zehnten Folge schauen wir auf Faustyna Kowalska (1905–1938). Die polnische Ordensfrau und Mystikerin wird heute in aller Welt als „Botschafterin der Barmherzigkeit Gottes“ verehrt.

Du bist die Sekretärin meiner Barmherzigkeit“, zitierte Sr. Faustyna Kowalska die Worte Jesu an sie in ihrem Tagebuch, Sechstes Heft, 1938. Es sei ihr Amt und die Aufgabe ihres ganzen Lebens, „den Seelen meine große Barmherzigkeit, die ich für sie hege, nahezubringen und sie zum Vertrauen in die Tiefe meiner Barmherzigkeit zu ermuntern.“ Ein Barmherzigkeitssekretariat ist in jedem Fall ein betrachtenswerter Gedanke.

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Visionen der Barmherzigkeit

Schwester Faustyna, mit bürgerlichem Namen Helena Kowalska, wurde am 25. August 1905 im polnischen Głogowiec geboren. Mit 20 Jahren trat sie 1925 in die Kongregation der Schwestern der Heiligen Mutter Gottes von der Barmherzigkeit ein. Erst 33 Jahre alt, starb Schwester Faustyna am 5. Oktober 1938 im Kloster Łagiewniki bei Krakau.

1934 entstand nach ihren Visionen ein Bild des Barmherzigen Jesus, oft auch Bild der Barmherzigkeit Gottes genannt. Seit 1953 findet es mit Genehmigung der polnischen Bischofskonferenz weltweite Verbreitung. Ausgehend von den Visionen der Ordensfrau begeht die katholische Kirche in Polen den Weißen Sonntag (Sonntag nach Ostern) als Barmherzigkeitssonntag. 1999 führte der Papst den Barmherzigkeitssonntag auch in Italien ein. 

Ein Tagebuch der Barmherzigkeit

Ihr gesamtes Ordensleben bis zum Tod 1938 in Krakau litt Faustyna Kowalska an Tuberkulose und hatte schwere körperliche Leiden. Noch prägender waren jedoch insgesamt 54 Visionen, in denen sie Jesus, Maria, Heilige und Engel sah und 527 Offenbarungen erhielt. Ihr Tagebuch, das sie auf Ratschlag ihres Beichtvaters führte, berichtet u. a. vom Erhalt der Aufträge, die Barmherzigkeit Gottes zu verkünden, ein Bild Jesu malen zu lassen, den „Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit“ einzuführen und einen Frauenorden zu gründen. 

Nach außen verriet nichts ihre Visionen

„Nach außen verriet nichts ihr außergewöhnlich reiches mystisches Leben“, schreibt die Ordensfrau und Autorin Sr. Elzbieta Siepak in der Einleitung zum „Tagebuch der Schwester Maria Faustyna Kowalska“.
Faustyna selbst hielt fest:
 

„Das Innere meiner Seele ist wie eine große wunderbare Welt, in der Gott und ich wohnen. Außer Gott hat hier niemand Zutritt.“

(Faustyna Kowalska)

 

Weiters schrieb sie: „Ich suche mein Glück nirgendwo, außer in meinem Inneren, wo Gott weilt.“ Zugleich war ihr wichtig zu sagen: „Weder Gnaden, noch Eingebungen, noch Entzückungen wie auch andere verliehene Gaben machen die Seele vollkommen, sondern nur die innere Vereinigung meiner Seele mit Gott.“

Quelle der Barmherzigkeit

Auch Faustyna war aufgerufen, Barmherzigkeit zu leben. „Ich verlange von dir Taten der Barmherzigkeit ... Barmherzigkeit sollst du immer und überall deinen Nächsten erweisen, du kannst dich davor weder drücken, noch ausreden oder entschuldigen“, erfuhr sie in einer Vision.

Für die Mystikerin findet die menschliche Barmherzigkeit ihre Quelle in der Barmherzigkeit Gottes. „Faustyna bemerkte die Schönheit und die Größe der christlichen Barmherzigkeit, die Anteil an der Barmherzigkeit Gottes allein ist, darum wollte sie sich damit auszeichnen“, schreibt Sr. Elzbieta Siepak.

Gebet der vertrauensvollen Hingabe

Sr. Faustyna wurde 1993 selig- und 2000 heiliggesprochen. Johannes Paul II. betete bei der Heiligsprechung: „Und du, Faustyna, Geschenk Gottes an unsere Zeit, … hilf uns, die Tiefe der göttlichen Barmherzigkeit zu erfassen ... Indem wir mit dir den Blick auf das Antlitz des auferstandenen Christus richten, machen wir uns dein Gebet der vertrauensvollen Hingabe zu eigen und sprechen mit fester Hoffnung: ,Jesus, ich vertraue auf dich!‘“.

2011 haben sich zahlreiche Bischöfe beim „Barmherzigkeitskongress“ in Krakau dafür ausgesprochen, Sr. Faustyna Kowalska zur Kirchenlehrerin zu erheben. Auch wenn es nicht so kommt, sind die Gläubigen eingeladen, sich per Anruf an die „Sekretärin der Göttlichen Barmherzigkeit“ zu wenden. 

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Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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