Birgitta von Schweden

Gott ist wie eine geschickte Wäscherin
Exklusiv nur Online
  • Spiritualität
Autor:
Birgitta von Schweden entfaltete eine vielfältige Tätigkeit als Schriftstellerin und Helferin der Armen.
Birgitta von Schweden war Frau, Mutter, Ordensgründerin und bedeutende Mahnerin. ©CC/Carlston Marcks

In unserer Serie „Die Mystikerinnen“ stellen wir einmal im Monat eine Frau vor, die aufgrund ihrer besonderen Erfahrung mit Gott Spuren in der Geschichte von Kirche und Welt hinterlassen hat.

In unserer vierten Folge schauen wir auf Birgitta von Schweden (1303–1373). Die Frau mit vielen Offenbarungen und Mut zu mahnenden Worten an die Mächtigen ist heute Patronin Europas.

Birgitta wurde 1303 bei Uppsala in eine angesehene schwedische Adelsfamilie hineingeboren. Schon als Kind hatte sie Visionen. Als sie elf Jahre alt war, starb ihre Mutter. Im Alter von 14 Jahren wurde sie mit dem um vier Jahre älteren Ulf Gudmarsson verheiratet und wurde Gutsherrin in Östergötland. Das Paar war 28 Jahre verheiratet und hatte acht Kinder.

„Wegen ihres frommen und selbstlosen Lebenswandels genoss Birgitta hohe Verehrung und übte seit 1335 als Hofmeisterin bei König Magnus Eriksson bedeutenden Einfluss aus“, berichtet Ulrike Voigt in ihrem Buch „Mystikerinnen. Die Kraft spiritueller Frauen“. Mit ihrem Mann pilgerte Birgitta 1339 nach Nidaros, dem heutigen Trondheim in Norwegen, dem wichtigsten Pilgerziel in Skandinavien. 1341 folgte eine Wallfahrt des Paares nach Santiago de Compostela, die auf beide großen Eindruck machte. Nach der Rückkehr zogen sich die Eheleute jeweils in ein Kloster zurück.

Werbung

Ein Sprachrohr Christi

1344 starb Ehemann Ulf. Birgitta lebte in der Zisterzienserabtei von Alvastra in Spanien streng asketisch und übte Buße. Im Kloster hatte sie immer häufiger Visionen und fühlte sich als „Sprachrohr Christi“ berufen. Die Offenbarungen, die sie empfing, „waren ausdrücklich nicht nur für sie persönlich, sondern für die ganze Christenheit bestimmt“, betont Ulrike Voigt: „Ermutigt von zwei schwedischen Theologen, ihre Gotteserlebnisse als echte göttliche Botschaften zu verstehen, schrieb sie ihre Visionen und Auditionen auf Altschwedisch nieder (,Himmlische Offenbarungen‘), die Beichtväter übersetzten sie ins Lateinische.“ In einer ihrer Visionen bekam sie den Auftrag für eine Klostergründung, die zur Reform des Mönchswesens beitragen sollte. König Magnus stellte 1346 dafür das Gut Vadstena am Vätternsee zur Verfügung. Hier legte Birgitta den Grundstein für den Birgitten- oder Erlöserorden.

Die Mystikerin fühlte sich immer wieder dazu gedrängt, sich an Machtträger in ganz Europa zu wenden und ihnen scharf ins Gewissen zu reden.
1349 verließ Birgitta Schweden und übersiedelte nach Rom. Ihr Haus hier wurde zu einer Herberge für schwedische Pilger. „In Rom entfaltete sie eine vielfältige Tätigkeit als Schriftstellerin und Helferin der Armen. Ihre gewaltigen Strafreden an die Päpste trugen mit dazu bei, dass Urban V. 1367 von Avignon nach Rom zurückkehrte“, berichtet Ulrike Voigt. „Birgitta erhielt die göttliche Weisung, den schwedischen König als Bußprophetin zur Umkehr zu bewegen und soziale Gerechtigkeit anzumahnen.“ Nach einer Pilgerfahrt ins Heilige Land starb Birgitta 1373 in Rom und wurde 1391 heiliggesprochen.

Ihre Visionen hatten großen Einfluss auf die Frömmigkeit. Berühmte bildende Künstler wie Lucas Cranach d. Ä., Albrecht Dürer, Matthias Grünewald
u. a. folgten in ihrer Darstellung biblischer Szenen detailliert den Visionen Birgittas von Schweden. Papst Johannes Paul II. erhob Birgitta von Schweden  mit Katharina von Siena und Edith Stein 1999 zur Patronin Europas. Papst Benedikt XVI. nannte sie „eine herausragende Gestalt der Geschichte Europas“ sowie „bedeutende Mahnerin eines vereinten westlichen Christentums und ein kraftvolles Beispiel weiblicher Heiligkeit“.

Ein Zitat der Heiligen lautet: „Gott tut wie eine geschickte Wäscherin, die unreine Kleider in die Wellen legt, dass sie von der Wasserströmung reiner und weißer werden. Und gleichwohl gibt sie sorgfältig acht auf den Wellenschlag, so dass die Kleider nicht sinken. So legt Gott in der Welt seine Freunde in die Wogen der Betrübnis und Armut, worin sie für das ewige Leben gereinigt werden, und bewahrt sie behutsam, dass sie nicht vor zu viel Sorge und untragbaren Schmerzen sinken.“

Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
Werbung

Neueste Beiträge

| Wien und Niederösterreich
Klemensfest 2024

Erfahren Sie, wie 500 Kinder in einem Festprogramm in der Wiener Innenstadt den Lebensweg des Heiligen Klemens Maria Hofbauers entdeckten.

| Sonntag
Dreifaltigkeitssonntag

Gedanken zur 1. Lesung von Sr. M. Anna Pointinger

| Leben
Politik und Kirche

Was macht einen guten Manager aus? Warum ist das Image der Politik so schlecht? Über diese Themen und mehr hat der SONNTAG mit dem ehemaligen Spitzenpolitiker Thomas de Maizière gesprochen.