Mechthild von Magdeburg

Eine Seele voller Liebe und Poesie
Ausgabe Nr. 11
  • Spiritualität
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Mechthild von Magdeburg verfasste eine bahnbrechende theologische Schrift in deutscher Sprache.
Mechthild von Magdeburg verfasste eine bahnbrechende theologische Schrift in deutscher Sprache. ©CC/Andreas Praefke

In unserer Serie „Die Mystikerinnen“ stellen wir einmal im Monat eine Frau vor, die aufgrund ihrer besonderen Erfahrung mit Gott Spuren in der Geschichte von Kirche und Welt hinterlassen hat. In unserer dritten Folge schauen wir auf Mechthild von Magdeburg (1207–1282), deren Buch „Das fließende Licht der Gottheit“ das bedeutendste literarische Werk der deutschen Frauenmystik darstellt.

Wer war Mechthild von Magdeburg, die manchmal auch Mechthild von Helfta genannt wird und deren dichterisches Werk heute verstärkt wiederentdeckt wird? Mechthilds Biografie lasse sich nur aus ihrem Werk erschließen, meint die Autorin Ulrike Voigt: „Sie wurde wohl um 1207 in der Nähe von Magdeburg geboren. Ihre Vertrautheit mit der höfischen Literatur und die Anklänge ihres Werks an den höfischen Minnesang legen nahe, dass sie zum wohlhabenden höfischen Adel gehörte.“

Mechthild berichtet, sie habe seit ihrem 12. Lebensjahr mystische Gotteserfahrungen gemacht. Das veranlasste sie, als junge Erwachsene ein Leben in Armut und Askese und im Dienst an den Armen zu führen. „Dafür wählte sie nicht den traditionellen Weg des Klostereintritts, sondern entschied sich nach dem Vorbild von Elisabeth von Thüringen um 1230 für das Leben in einer Beginen-Gemeinschaft“, so Ulrike Voigt im Buch „Mystikerinnen. Die Kraft spiritueller Frauen“. Beginen waren im Mittelalter unverheiratete Frauen, die Armut, Keuschheit und Gehorsam gelobten, jedoch nur für die Dauer ihres Aufenthalts in der Beginen-Gemeinschaft.

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Ihrem Buch drohte die Verbrennung

Viele Jahre schwieg Mechthild über ihre Erfahrungen mit Gott. Schließlich war es ihr Beichtvater, der Dominikaner Heinrich von Halle, der sie ab 1250 zur Niederschrift ihrer Visionen und Gnadenerlebnisse ermutigte. Diese wurden immer wieder in Teilen veröffentlicht.
Mechthilds Texte – später zusammengefasst unter dem Titel „Das fließende Licht der Gottheit“ – künden von den überwältigenden Erfahrungen der Gottesliebe, üben aber auch harte Kritik an der Kirche ihrer Zeit.
 
„In Magdeburg war Mechthild wegen ihrer mutigen Kirchenkritik anerkannt, aber auch Anfeindungen ausgesetzt. Ihrem Buch drohte die Verbrennung“, so Ulrike Voigt. Die Mystikerin geriet in einen inneren Konflikt: „Nun fürchte ich Gott, wenn ich schweige, und fürchte andererseits unverständige Menschen, wenn ich schreibe. Ihr lieben Leute, was kann ich dafür, dass mir dies geschieht und oft geschehen ist? In der demütigen Einfalt und in der elenden Armut und in der bedrückenden Erniedrigung hat mir Gott seine Wunder offenbart“, hielt sie fest.

Mechthild erlebte viele Anfeindungen und Krankheiten. Wohl auch deshalb trat sie um 1270 in das Zisterzienserinnenkloster Helfta ein, wo sie eine späte Heimat fand. Die großen Mystikerinnen in Helfta, Mechthild von Hackeborn und Gertrud die Große, übertrugen ihr Werk ins Lateinische. 

Niveauvollstes Visionsbuch in deutscher Sprache

Mechthild ist die erste anerkannte Mystikerin, die in deutscher Sprache (Mittelhochdeutsch) schrieb. „Das fließende Licht der Gottheit“ besteht aus sieben Teilen, die in drei Phasen entstanden. Trotz vieler Motive aus der mystischen Tradition – von Augustinus über Bernhard von Clairvaux bis zu Wilhelm von St. Thierry – handelt es sich um ein „poetisch-theologisches Werk ohne jedes Vorbild“ sowie um das „älteste und niveauvollste Visionsbuch deutscher Sprache“, wie es die Germanistin Margot Schmidt ausdrückte. „Das fließende Licht der Gottheit“ umfasst inhaltlich nicht nur zahlreiche Liebesdialoge zwischen Gott und der Seele, Zeit- und Kirchenkritik, sondern auch Visionen von Fegefeuer und Hölle sowie die Erfahrung des Fernseins von Gott. Von unerschöpflicher Vielfalt sind dabei Mechthilds Textformen. Sie reichen von Dialogen, Gebeten, Berichten, Betrachtungen in Prosa und Versen über Streitgespräche bis hin zu hymnischen Wechselreden.
Bis heute gilt „Das fließende Licht der Gottheit“ – ein Dialog zwischen Gott und der liebenden Seele – als das bedeutendste literarische Werk der deutschen Frauenmystik.

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  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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