Katharina von Genua

Die Umkehr einer mondänen Dame
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Die Vision der heiligen Katharina von Genua - festgehalten in einem Gemälde des Malers Marco Benefial 1747. ©Creative Commons

In unserer Serie „Die Mystikerinnen“ stellen wir einmal im Monat eine Frau vor, die aufgrund ihrer besonderen Erfahrung mit Gott Spuren in der Geschichte von Kirche und Welt hinterlassen hat. In der fünften Folge schauen wir auf Katharina von Genua (1447–1510). Die „Theologin des Fegefeuers“ konnte ein Leben als wohlsituierte Adelige nicht erfüllen. Sie lebte eine tiefe Gottesbeziehung und pflegte Kranke und Leidende.

In der Reihe der berühmten heiligen Katharinas (Katharina von Siena, …von Alexandrien, … von Bologna u. a.) wird sie bisweilen leicht übersehen. Leben und Wirken der italienischen Mystikerin Katharina von Genua sind aber mindestens genauso spannend. Katharina entstammte der obersten Gesellschaft Genuas. Ihr Vater war einst König von Neapel, starb aber früh. Wie kommt es, dass die Tochter einer Adelsfamilie – frei von jeglichen Existenzsorgen – zur „Theologin des Fegefeuers“ wurde, wie sie auch genannt wird?

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Ein spielsüchtiger Ehemann

Katharina wurde 1447 in Genua geboren, als jüngstes von fünf Kindern der Adelsfamilie Fieschi. Wie ihre große Schwester wäre sie gerne Ordensfrau geworden, musste aber im Alter von 16 Jahren den um 14 Jahre älteren „Lebemann“ Giuliano Adorno heiraten. Die Ehe verlief zunächst unglücklich und blieb kinderlos. Ihr Ehemann lebte ausschweifend dahin und verfiel dem Glücksspiel. Katharina führte über Jahre ein mondänes Leben, konnte darin jedoch keinen inneren Frieden finden. Materieller Reichtum und oberflächliche Vergnügungen konnten die junge Adelige auf Dauer nicht erfüllen. „Nach zehn Jahren spürte sie in ihrem Herzen tiefe Leere und Bitterkeit“, schilderte Papst Benedikt XVI. den Weg der Heiligen im Rahmen einer Vortragsreihe über berühmte heilige Frauen. Am 22. März 1473 erlebte Katharina eine tiefe Bekehrung im Rahmen einer Beichte. Innerhalb eines Augenblicks sei sie von der Liebe Gottes getroffen und erfüllt worden – eine Erfahrung, die ihr Leben völlig veränderte. „Sie erkannte so deutlich ihre Armseligkeit und ihre Fehler und gleichzeitig die Güte Gottes, dass sie fast ohnmächtig wurde“, so Benedikt.

Die unendliche Liebe Gottes zu ihr, einer Sünderin, hatte Katharina schwer erschüttert. „Keine Mondänität mehr und keine Sünde mehr“, lautete von nun an ihr Motto. Sie begann ein Leben der Läuterung, „das sie lange Zeit einen ständigen Schmerz empfinden ließ um der begangenen Sünden willen“, wie Papst Benedikt berichtet. Katharina begann ein Leben in Askese und im Gebet zu führen und zog in ein Haus nahe des Pammatone-Krankenhauses in Genua. Hier pflegte sie die Kranken, kümmerte sich um Notleidende, leitete und beseelte das Krankenhaus. Auch ihr Ehemann, der mittlerweile sein gesamtes Vermögen verspielt hatte, schloss sich ihr an.

Das Fegefeuer brennt im Inneren

Es war Katharinas Beichtvater Cattaneo Marabotto, der ihre mystischen Erfahrungen und Visionen zu Papier brachte, darunter den „Traktat vom Fegefeuer“ und den „Dialog zwischen der Seele und dem Leib“. Katharinas Gedanken über das Fegefeuer waren für ihre Zeit außergewöhnlich. Dieses war für sie nicht an einen „Ort“ gebunden. Bei Katharina „wird das Fegefeuer nicht als Element der unterirdischen Welt dargestellt. Es ist kein äußeres, sondern ein inneres Feuer“, erklärt Papst Benedikt XVI. „Die Heilige spricht vom Weg der Läuterung der Seele auf die volle Gemeinschaft mit Gott hin, ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung des tiefen Schmerzes aufgrund der begangenen Sünden angesichts der unendlichen Liebe Gottes.“ Dieser Weg der Läuterung sei nicht auf das Jenseits beschränkt, sondern das Fegefeuer könne schon im diesseitigen Leben im Menschen brennen.
Wenn Gott den Menschen geläutert habe, dann binde er ihn mit einer hauchdünnen goldenen Schnur, die seine Liebe ist, und ziehe ihn zu sich mit so starker Liebe, dass der Mensch gleichsam „besiegt und überwunden und ganz außer sich“ ist.  

 

Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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