Es lebe der Friedhof

Ihnen gesagt
Ausgabe Nr. 44
  • Meinung
Autor:
Der Friedhof ist Lebensraum für viele Tierarten, wie auch für diesen Waldkauz.
Der Friedhof ist Lebensraum für viele Tierarten, wie auch für diesen Waldkauz. ©Daniel Einsiedler
Auf vielen Friedhöfen, wie dem Wiener Zentralfriedhof, tummeln sich auch Rehe.
Auf vielen Friedhöfen, wie dem Wiener Zentralfriedhof, tummeln sich auch Rehe. ©istock

Chefredakteurin Sophie Lauringer schreibt über den Friedhof und wie dieser oft Lebensräume für verschiedene Pflanzen und Tiere darstellt.

Das Vertrauen in die (katholische) Kirche steigt leicht auf minus 30 – ja, das „katholisch“ wurde in Klammer gesetzt. Das sind die Meldungen, die wir doch gerne hören. Wir sind unbeliebt wie fast nie zuvor, aber immerhin steigern wir uns um drei Punkte. Der APA-OGM-Vertrauens­index zeigt jährlich, wie schlecht es der (Amts-)Kirche geht im Vergleich zu anderen Institutionen. Dazu wurden 1.047 repräsentativ ausgewählte österreichische Wahlberechtigte im Oktober 2026 befragt. 

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Der Friedhof als Naturinsel

In diesen Tagen haben wir bereits zwei Gräber unserer Familien besucht. Rituale, die wir mögen: Jedes Mal schauen wir genau, ob nicht schon wieder ein Grabstein umgelegt wurde – ein Akt der Sicherheit und ein Ausdruck dessen, dass die Grabbetreuung nicht in alle Ewigkeit oder zumindest auf Friedhofsdauer selbstverständlich ist. Und dann finden wir immer wieder oft erstaunlich artenreiche Lebensräume. Alte Bäume, Hecken, Wiesen, Mauern, offene Bodenstellen und bepflanzte Gräber schaffen auf engem Raum viele kleine Oasen für Tiere und Pflanzen. So sind unsere Friedhöfe zu wichtigen Naturinseln geworden. 

Lebensraum Friedhof

Der Naturschutzbund macht auf dieses geheimnisvolle Leben aufmerksam – so haben wir auch ein Reh für unser Titelbild ausgewählt, das auf einem Friedhof seinen Lebensraum gefunden hat. Alte Bäume bieten Höhlen für Vögel, Fledermäuse und Insekten, Hecken dienen als Nistplätze und Verstecke und blühende Wiesen versorgen Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten mit Nahrung. Auch Mauern und Grabsteine werden besiedelt (ja, das führt das auch dazu, dass wir extra reinigen müssen oder die Grabeinfassung jetzt prüfen lassen müssen). 

Der Friedhof und unsere Umwelt

Zudem sind viele Bereiche auf Friedhöfen störungsarm und ruhig. Davon profitieren Arten, die in intensiv genutzten Siedlungsräumen keine geeigneten Rückzugsorte mehr finden. Haben Sie schon Vögel, Schmetterlinge, Wildbienen, Pflanzen oder andere Arten am Friedhof entdeckt? Dann heißt’s fotografieren, hochladen und teilen: Und zwar auf der Citizen-Science-Plattform des Naturschutzbundes auf der Website naturbeobachtung.at. Damit wird das Projekt „Biodiversität am Friedhof”unterstützt. Wer hätte gedacht, dass ein Besuch auf dem Friedhof auch unsere Umwelt beeinflussen kann?

Autor:
  • Sophie Lauringer
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