Bejahung der Vergänglichkeit

Bilderreise zu einem wachen Leben
Ausgabe Nr. 44
  • Spiritualität
Autor:
Stefanie und Gerald Grüssl führt mit dem Buch „Was trägt“, erschienen im Wiener Dom-Verlag, zu dem großen Thema des gelingenden Menschseins hin.
Stefanie und Gerald Grüssl führt mit dem Buch „Was trägt“, erschienen im Wiener Dom-Verlag, zu dem großen Thema des gelingenden Menschseins hin. ©Wiener Dom-Verlag

Stefanie und Gerald Grüssl legen mit dem Buch „Was trägt“, erschienen im Wiener Dom-Verlag, eine bebilderte Hinführung zu den großen Themen des gelingenden Menschseins vor.

Wir sind nicht auf Vergangenheit und Gewohnheiten festgelegt“: Allein dieser Satz (auf Seite 98) ist wie ein Körnchen Gold im aufreibenden Getriebe unserer hektischen und taumelnden Welt. Dieser Satz wird vielen Leserinnen und Lesern einfach guttun. Stefanie Grüssl, sie fotografiert seit ihrem zwölften Lebensjahr, trägt die im wahrsten Sinn des Wortes schönen Fotos zum Buch bei. Seit den 1990er-Jahren widmet sie sich verstärkt auch der Malerei – das bezeugen auch die Malereien/Zeichnungen in diesem Buch. Gerald Grüssl, er arbeitet als Wirtschaftscoach, diplomierter Lebens- und Sozialberater und als Meditations- und Achtsamkeitslehrer, steuert die Texte bei. Am Schluss des Buches finden sich noch kurze „Achtsamkeitsübungen“ für den Morgen und den Abend sowie eine kleine „Übung“ zur „Wertschätzung“, eine auch innerkirchlich leider nicht immer gelebte Praxis.

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"Was trägt": Ein behutsamer Dialog

Das Buch ist ein behutsamer Dialog mit dem Christentum und mit dem Buddhismus, um das eigene Leben bewusst und wach zu gestalten. Oft ist von „Achtsamkeit“ die Rede. Bisweilen schimmert auch die Psychologie des Wirtschaftscoaches und Lebensberaters durch, wenn Gerald Grüssl beispielsweise von den vier Stufen der „Kompetenzentwicklung“ oder vom „Konstruktivismus“ schreibt. Das heimliche und berührende Herz des Buches ist das Kapitel „Vergänglichkeit und Wandlung“ (Seiten 86 bis 99). Wer wagt es denn heute noch zu schreiben, dass Vergänglichkeit auch „Weiterentwicklung fördert“? Ja, dass es einfach darum geht, im Leben des Menschen „Vergänglichkeit anzunehmen“ und „das Beste daraus zu machen“?

Vom Schicksal

Eine kleine Anmerkung: Auf Seite 16 wird von „Schicksalsschlägen“, auf Seite 26 von „schicksalhaften Brüchen“ gesprochen. Die christliche Theologie lehnt seit fast zweitausend Jahren die Rede vom sogenannten „Schicksal“, wie sie die Philosophie, etwa die Stoa pflegte, mit gutem Grund ab. Denn diese vermeintlichen (göttlichen oder ungöttlichen) „Mächte“ wirken schlicht nicht, sie beeinflussen nichts. Christlich gesehen gibt es also kein „Schicksal“. Es ist also daher auch kein „Schicksal“, sondern wohl eine Fügung, dass diese Buchbesprechung mit dem so wichtigen Herzkapitel „Vergänglichkeit“ ausgerechnet zu Allerheiligen/Allerseelen im SONNTAG erscheint. 

©Wiener Dom-Verlag

Buchtipp


Was wir wirklich brauchen

Stefanie und Gerald Grüssl, Was trägt? Wege zu einem wachen und verbundenen Leben, 128 Seiten, Wiener Dom-Verlag,  ISBN 978-3-85351-344-6, EUR 27 ,-

 

Buchpräsentation und Signierstunde 

Wann: 12.11., 18:30 Uhr,
Wo: Jesuitenkeller, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz 1, 1010 Wien
Anmeldung:  anmeldung@domverlag.at


Alle Infos auf ▶ domverlag.at

©David Kassl

Radiotipp


In der Sendung Lebenswege “ am 30.10. hören Sie die Autorin Stefanie Grüssl im Interview mit Veronika Bonelli über ihr neues Buch "Was trägt". 


▶ Zum Nachhören auf radioklassik.at

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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