Die Wandlung des Jean Valjean

Kinotipp
Ausgabe Nr. 14
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Die Landschaftsaufnahmen der Provence-Alpes-Côte d’Azur verstärken den meditativen Charakter des Films – Jean Valjean (Grégory Gadebois) macht eine innere Veränderung durch.
Die Landschaftsaufnahmen der Provence-Alpes-Côte d’Azur verstärken den meditativen Charakter des Films – Jean Valjean (Grégory Gadebois) macht eine innere Veränderung durch. ©Radar Films/Happy Entertainment

Éric Besnards Neuverfilmung von „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ erzählt in eindrucksvollen Bildern die bewegende Bekehrung eines gebrochenen Mannes – getragen von der Güte eines Bischofs und der kraftvollen Schönheit der französischen Landschaft.

Mit seiner neuen Verfilmung „Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ wagt sich Éric Besnard an eines der größten Werke der Weltliteratur – und erzählt doch kein gewaltiges Epos. Stattdessen fokussiert er die fast verborgene Vorgeschichte von Jean Valjean und daraus entsteht ein intensives, tief spirituelles Drama über Bekehrung, Güte und die Kraft einer einzigen ausgestreckten Hand. Genau diese Reduktion auf die „fast unbekannte Vorgeschichte der Hauptfigur“ macht den Film so stark. 

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Jean Valjean: gezeichnet von Gewalt und Demütigung

Im Zentrum steht Jean Valjean, brillant verkörpert von Grégory Gadebois: Nach 19 Jahren Zwangsarbeit – für den Diebstahl eines Brotes – wird er 1815 entlassen, gebrochen, von Wut erfüllt und misstrauisch gegenüber allen. Er irrt durch das winterliche Südfrankreich, abgewiesen von jeder Tür, stigmatisiert als ehemaliger Strafgefangener. Valjean ist verhärtet und völlig desillusioniert durch die Unbarmherzigkeit der Menschen. Er wirkt wie ein Stein unter Steinen, gezeichnet von Gewalt, Hunger und Demütigung. 

Die Güte eines Bischofs ändert alles

Dann der Wendepunkt: die Begegnung mit Bischof Bienvenu (herzerwärmend: Bernard Campan), der ihn trotz aller Warnungen aufnimmt. Mit Güte, Ruhe und asketischem Ernst – in Haltung und Aussehen erinnert er an den Pfarrer von Ars – öffnet der Bischof nicht nur sein Haus, sondern sein Vertrauen. Als Valjean Silber stiehlt und von der Polizei zurückgebracht wird, folgt die berühmte Vergebung: Bienvenu nennt es ein Geschenk und schenkt ihm sogar die Kerzenleuchter. Die Szene, leise inszeniert wie ein Evangelienmoment, gehört zu den bewegendsten des Films.

Der Bischof „bringt ihn zurück ins Licht“

Besnard verankert Valjeans Bekehrung nicht in plötzlichem Pathos, sondern in psychologischer und spiritueller Tiefe. Rückblenden ins Straflager – in schroffen Steinbrüchen gedreht – zeigen das Grauen, das ihn prägte. Der Regisseur selbst sagt im Interview: Die Begegnung mit Bienvenu „durchbricht den Panzer aus Hass und bringt ihn zurück ins Licht“. Die Landschaftsaufnahmen der Provence-Alpes-Côte d’Azur, darunter der Naturpark Luberon, sind mehr als Kulisse: Weiße Steine, Olivenbäume, schroffes Winterlicht erzeugen „biblische Kulissen“ und einen kontemplativen Ton. Kameramann Laurent Dailland macht daraus eine Seelenlandschaft – kalt, rau, doch voller Möglichkeiten.  
 

Die Geschichte von Jean Valjean: Victor Hugos Universum radikal reduziert

Nebenfiguren wie Isabelle Carré (als stille Baptistine), Alexandra Lamy (als misstrauische Magloire) und die Musik von Christophe Julien verstärken die Wirkung. Besnard reduziert Victor Hugos Universum radikal – auf die ersten 150 Seiten – und schafft eine Geschichte über mutige Güte, riskantes Vertrauen und einen Neuanfang, die heute dringlicher denn je ist.

„Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean“ ist kein lautes Kino, sondern eines, das nachhallt – voller Schönheit in Bildern, Musik und Menschlichkeit. Es erinnert daran, dass Heiligkeit oft beginnt, wenn jemand einem anderen die Tür öffnet.

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Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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