Die Franziskanerkirche
Wiener KirchenspaziergängeDie Franziskanerkirche zählt zu den überraschendsten Gotteshäusern der Wiener Innenstadt. Hinter ihrer Fassade verbergen sich Kunstschätze, ungewöhnliche Legenden und viele Geschichten, die selbst langjährige Wien-Kenner erstaunen.
Franziskanerkirche mit idyllischem Platz
Die Franziskanerkirche ist ohne den idyllischen Platz, dem sie den Namen gibt, nicht denkbar. Im Zentrum steht ein Brunnen, den der Guardian des Klosters, Pater Oliver Ruggenthaler, sehr schätzt: „Ich brauche mich nur in meinem Ordenskleid herstellen und komme sofort ins Gespräch mit Leuten.“ Bereits im 13. Jahrhundert stand hier eine Kirche, die dem heiligen Hieronymus geweiht war. Das ist sie noch heute und nicht, wie man annehmen würde, dem heiligen Franziskus. 1589 erhielten die Franziskaner die Kirche, ein leerstehendes Kloster und angrenzende Liegenschaften und begannen dank Großspender einen radikalen Umbau und Neubau. Die Kirche wurde im Stil der Renaissance erweitert. Für die Innenausstattung brauchte man aber noch weitere 100 Jahre. Deshalb findet man außen Renaissance und innen Barock. 1630 wurde das Kloster fertig, das Platz für 200 Brüder bot.
Hochaltar und älteste Orgel Wiens
Wer die Kirche zum ersten Mal betritt, dem stockt der Atem angesichts der Pracht. Pater Oliver spricht es aus: „Das ist keine typische Bettelordenskirche, denn die Ausstattung wurde vor allem von Adeligen aus der Umgebung finanziert.“ Herzstück ist der Hochaltar von Andrea Pozzo. Dahinter verstecken sich der Betchor und die 1641 errichtete Wöckherl-Orgel, die älteste bespielbare Orgel Wiens. Über dem Tabernakel steht die Gnadenmadonna Maria mit dem Beil. Das Beil steckt in ihrem Arm. Der Legende nach versuchten Protestanten vergeblich, die gotische Figur zu zerstören. Über Umwege gelangte sie in die Franziskanerkirche. Sie wurde auch sehr verehrt als „Türkenschreck“, erzählt Pater Oliver: „Prinz Eugen hat sie zu Schlachten gegen Osmanen mitgenommen. Man hat ihr neben dem Feldherrenzelt ein eigenes Zelt als Kapelle aufgestellt.“
Prager Jesulein und Grabstätten in der Franziskanerkirche
In einem Seitenaltar ist eine Kopie des Prager Jesulein aus Olivenholz, ein Geschenk von Mitbrüdern aus dem Heiligen Land. Pater Oliver: „Es hat 43 Kleider, darunter eines, das Kaiserin Maria Theresia selbst genäht hat.“ Weiter Richtung Ausgang ist die Grabstätte von Pater Petrus Pavlicek (1902–1982). Für ihn läuft ein Seligsprechungsprozess. P. Oliver, voller Respekt: „Er wird immer noch sehr verehrt.“
Was man in der Franziskanerkirche NICHT findet: Kerzen zum Anzünden und ein Trenngitter.
Katakombenheilige: Hilaria und Felix
Auch Katakombenheilige dürfen nicht fehlen: Hilaria und Felix. Ihre wenigen Knochenreste sind in prachtvoll glitzernden Puppen verpackt. Auf dem Kopf von Felix liegt ein Tuch. Pater Oliver: „Der Kopf wurde nämlich gestohlen, das Tuch als Notlösung aufgelegt. Jetzt ist es eine Dauerlösung.“
Radio-Tipp
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