Die Augustinerkirche

Kirchenspaziergang
Ausgabe Nr. 17
  • Kunst und Kultur
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Die gotische Kirche wurde im Barock mit der Hofburg verbunden.
Die gotische Kirche wurde im Barock mit der Hofburg verbunden. ©Commons Wikimedia/Gryffindor
Der Innenraum der Augustinerkirche wirkt nüchtern, Josef II. ließ alles Barocke aus dem Kirchenraum entfernen.
Der Innenraum der Augustinerkirche wirkt nüchtern, Josef II. ließ alles Barocke aus dem Kirchenraum entfernen. ©Commons Wikimedia/C.Stadler/Bwag

Beinahe wurde sie nicht geweiht. Später verbot der Bischof, das Kirchweihfest zu feiern. Das ignorierte unter anderem Papst Leo XIV. Noch mehr erfuhr Bernadette Spitzer bei ihrem Kirchenspaziergang von Pfarrer Pater Matthias Schlögl.

Vom Josefsplatz kommend ist sie nicht sichtbar. Nur die Aufschrift neben dem Eingang verrät sie. Pater Matthias weiß, warum: „Das hängt damit zusammen, dass die Kirche von einem Habsburger gestiftet wurde und der Familie immer nahestand, ihre Hofpfarrkirche war. Im Barock hat man das damals schon 400 Jahre freistehende Gebäude mit der Hofburg verbunden. Seither konnten die Habsburger indoor durch die Hofburg in die Kirche gehen.“ Der Pfarrer, ein Urwiener, ist in seinem Element beim Erzählen. Er unterbricht nur zwei Mal kurz, als Touristengruppen laut durch das Gotteshaus gehen. „Typisch Italiener“, seufzt er und bittet sie um Ruhe. „Wir erlauben den Reiseführern keine Führungen mehr in der Kirche, und deshalb ist es meistens ruhig, weil die Touristen nur durchgehen.“

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Der „Augustiner Dom“ oder die Augustinerkirche?

Der Bau ist schlank und hoch, typisch für die Gotik. Diese Kirche aber ist besonders: „Sie ist die einzige Kirche außerhalb des Elsass im Stil der Elsässischen Gotik. Der Ordensgeneral Thomas von Elsass war so begeistert davon, dass er sich hier sogar bestatten ließ“, erfahre ich vom Pfarrer. Die Maße sind so gewaltig – 80 Meter lang, 24 Meter hoch – dass die Wiener vom „Augustiner Dom“ sprachen. Das gefiel dem Bischof von Passau, zu dem Wien gehörte, nicht, und er weigerte sich zehn Jahre lang, die Kirche zu weihen, bis zum 1. November 1349. Pater Matthias mit einem Detail: „Der Bischof verbot die Feier der Kirchweihe; offiziell, um den Allerheiligentag nicht zu stören. Wir halten uns aber nicht daran.“ 2024 stand Ordensgeneral Robert Francis Prevost dem 675. Fest vor. Er ist heute Papst Leo XIV.

Wallfahrtsort Augustinerkirche

Die Kirche wirkt nüchtern. Die Wände waren aber ursprünglich bunt, und im Barock wurde der Raum üppig eingerichtet. 1784 aber verhängte Joseph II. zwei Maßnahmen mit großer Wirkung: Er verbot die Aufnahme von Novizen, womit der Orden wenige Jahrzehnte später ausstarb. Und er ließ alles Barocke entfernen, auch die Loretokapelle. Sie war ein Nachbau jenes Hauses in Loreto, das als Haus Mariens verehrt wird, stand 150 Jahre mitten in der Kirche und war ein Wallfahrtsort, sowohl für die Wiener als auch für die Habsburger. Diese verehrten die Gnadenstatue so sehr, dass sie ihre Herzen zu ihren Füßen bestatten ließen. Die Wiener waren über den Kaiser empört, bis er einen Raum umbauen ließ, der seither Loretokapelle genannt wird und 54 Habsburgerherzen beherbergt.  „Die Kapelle kann jeden Sonntag nach der Messe besichtigt werden“, schließt Pfarrer Pater ­Matthias. 

©kathbild.at/Rupprecht

Zur Person


Pfarrer Pater Matthias Schlögl ist seit 2011 Pfarrer der Wiener ­Augustinerkirche.

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Autor:
  • Bernadette Spitzer
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