Die Peterskirche – (k)ein Fake
Kirchenspaziergang
Es ist alles fake hier“, lacht der Hausherr, Rektor Christian Spalek. „Nur der Steinboden, auf dem Sie stehen, ist echt.“ Das verblüfft. Die Peterskirche gilt als Glanzstück, entworfen von Lukas von Hildebrandt. Der ganze Kirchenraum strahlt in üppigen barocken Farben und Formen und buntem Marmor. Aber, so der Hausherr: „Es ist alles aus Holz oder gepresstem Gips und mit der Technik des Stucco lustro aufgetragen. Das war in Österreich damals üblich, denn es war billiger. Es ist aber auf höchstem Niveau gemacht worden.“
Die drei Peterskirchen
Das „Fake“ aus der Barockzeit hat zwei Vorgängerbauten. Der Platz, auf dem die Peterskirche steht, lag während der Römerzeit innerhalb der Mauer des Lagers Vindobona. Die erste Peterskirche wurde vermutlich in Kasematten gebaut. Spalek: „Die waren nicht nach Osten orientiert, und deshalb ist die Kirche Nord-Süd orientiert.“ 2005 wurden Reste des Presbyteriums gefunden, dokumentiert und dann wieder zugeschüttet. Nur ein Stein wurde entnommen und ausgestellt.
Die Geschichte der Peterskirche
Welche Kirche ist also die älteste der Stadt, möchte ich vom Rektor wissen. „Das älteste erhaltene Gebäude ist Sankt Ruprecht, aber die erste Kirche war die Peterskirche Nummer 1.“ Was noch dafür spricht, ist das Patrozinium. Die erste Kirche in einer Stadt wurde traditionell Petrus geweiht. In der Romanik wurde Nummer 2 errichtet. Ende des 17. Jahrhunderts war sie desolat. 1661 war sie ausgebrannt. 1679 wütete die Pest. Kaiser Leopold I. gelobte einen Neubau der Kirche, Peterskirche Nummer 3. Um diesen kümmerte sich die Dreifaltigkeitsbruderschaft. Das war eine Art Verein, der aus Laien bestand. Spalek: „Deshalb ist die Peterskirche eine Gelöbniskirche wie die Karlskirche, sowie eine Bürgerkirche wie der Stephansdom.“ Natürlich mit prominenten Großspendern. 1701 war Baubeginn. Darstellungen der Dreifaltigkeit finden sich überall, und sei es in Form von drei Engerln auf den Sitzbänken. „Sie stehen dafür, dass Gott einer ist, aber nicht einsam.“
Peterskirche: Nicht-Barockes in der Barockkirche
Das barocke Programm hat sich fast bis in die Gegenwart erhalten. Eine Ausnahme ist ein Muttergottesbild am Hochaltar. Es stammt von Leopold Kupelwieser. „Da war davor ein Silberaufbau. Ein General von Napoleon hat sich den unter den Nagel gerissen. Der Kupelwieser passt aber so gut herein, dass es nicht auffällt, dass das Bild
jünger ist.“ Außerdem stehen im Kirchenraum neoromanische Leuchter. Rektor Spalek: „Das war eine Gasbeleuchtung, die uns Kaiserin Sisi geschenkt hat. Jetzt sind sie elektrisch. Die passen nicht in dieses barocke Gestühl, gehören aber inzwischen dazu.“ Sie sind definitiv kein Fake.
Infos
Die Kirche hat täglich bis 19:00 Uhr offen. Der Eintritt ist frei bei Zugang durch die ganze Kirche. Mehrmals am Tag gibt es Messen und Konzerte: ▶ peterskirche.at
Radiotipp
Spaziergänge durch Wiener Kirchen mit Bernadette Spitzer. Auf Entdeckungsreise durch die Gotteshäuser findet sie Ungewöhnliches und Kurioses. ▶ radioklassik.at