Himmelnahe Heiligtümer

Fromme … Berge
Ausgabe Nr. 2
  • Spiritualität
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In 800 Metern Seehöhe auf dem Bergzug des Gargano-Vorgebirges liegt das Heiligtum von San Michele Arcangelo, das älteste Michaelsheiligtum Westeuropas.
In 800 Metern Seehöhe auf dem Bergzug des Gargano-Vorgebirges liegt das Heiligtum von San Michele Arcangelo, das älteste Michaelsheiligtum Westeuropas. ©Wikimedia Commons/Ludwig Rommel at Italian Wikipedia/public domain
Am Fuß des 2.285 Meter hohen Berges Sinai liegt das Katharinenkloster, welches im 6. Jahrhundert gegründet wurde.
Am Fuß des 2.285 Meter hohen Berges Sinai liegt das Katharinenkloster, welches im 6. Jahrhundert gegründet wurde. ©Wikimedia Commons/Tamerlan at Polish Wikipedia/public domain

Wir stellen Ihnen drei Berge, drei Landschaften, drei geistliche Räume vor, die ahnen lassen: Manchmal liegt zwischen Himmel und Erde nur ein Atemzug.

In dieser Ausgabe von Himmel & Erde führen wir Sie zu drei heiligen Höhen: in die kühlen Wälder der Sainte-Baume, wo die Grotte der Maria Magdalena seit Jahrhunderten Menschen anzieht, in die Weite der Sinai-Wüste, deren Felsmassive Zeugnis geben von einer der großen Gottesbegegnungen der Menschheitsgeschichte, und auf den Monte Gargano, wo die Felsen über der Adria vom Schutz des Erzengels Michael erzählen.

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Monte Gargano – Der Felsen des Erzengels

©wikicommons/Holger Uwe Schmitt/CC_BY-SA_4.0

Auf dem rund 800 Meter hohen Bergzug des Gargano-Vorgebirges liegt das Heiligtum von San Michele Arcangelo, das älteste Michaelsheiligtum Westeuropas und seit dem frühen Mittelalter ein bedeutender Wallfahrtsort. In der Kirche gelangt man über eine Treppe hinab in eine Höhle, in der laut Überlieferung der Erzengel Michael um 490 erschien und den Ort als ihm geweihte Stätte erwählte. Die Landschaft rund um Monte Sant’Angelo ist rau und weit: Kalkfelsen, die steil zur Adria abfallen, und ein Panorama, in dem sich Himmel und Meer begegnen. Das Heiligtum liegt auf einer natürlichen Terrasse über der Ebene – ein Ort, an dem das Licht besonders klar wirkt. Für Pilger war der Gargano seit Jahrhunderten ein Rastpunkt zwischen Erde und Himmel. Die Höhle selbst wirkt wie ein geschützter Raum im Inneren des Berges, während oberhalb der Wind über die Höhen zieht. Natur und Spiritualität ergänzen einander: Der Weg hinab in die Felsgrotte erzählt von Sammlung und Tiefe, der Blick hinaus von Schutz und Weite.

Fromme Berge: Sinai – Natur und Offenbarung

©Wikimedia Commons/Yoav Rosenberg/CC BY-SA 3.0

Am Fuß des 2.285 Meter hohen Berges Sinai liegt das Katharinenkloster, eines der ältesten dauerhaft bewohnten Klöster der Christenheit, gegründet im 6. Jahrhundert. Hier lokalisiert die spätantike Pilgertradition den biblischen Ort, an dem Mose die Zehn Gebote empfing – ein Felsberg, der in Judentum, Christentum und Islam als heilig gilt. Die Landschaft ringsum ist karg und überwältigend zugleich: rotbraune Felswände, weite Täler, gleißendes Licht. Wer in der noch kühlen Nacht auf den Gipfel steigt, beginnt in Dunkelheit, geht durch ein Band aus Felsen und Stille und erreicht im Morgengrauen jenen Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren.Die Natur des Sinai erzählt selbst von Offenbarung: das Flüstern des Windes, der Schatten des Felsens, die unendliche Weite. Das Kloster bewahrt zudem ein Dornbusch-Heiligtum, das an die biblische Gottesbegegnung erinnert. Doch es ist die Wüste rundum, die den Besucher lehrt, was es heißt, sich auf das Wesentliche auszurichten – ein geistlicher Erfahrungsraum, der bis heute Pilger aus aller Welt anzieht.

La Sainte-Baume – Der Wald, der den Himmel berührt

©Wikimedia Commons/Bjs/CC BY-SA 4.0

Im Hinterland von Marseille erhebt sich das Massif de la Sainte-Baume: ein waldreicher, feuchter Höhenzug, dessen Nordhänge von Buchen und Eichen bedeckt sind – eine kleine grüne Wunderwelt in der Provence. Tief in der Felswand liegt die Grotte Sainte- Marie-Madeleine, seit dem Mittelalter ein bedeutender Wallfahrtsort. Nach einer alten provenzalischen Legende verbrachte Maria Magdalena hier ihre letzten Lebensjahre als Einsiedlerin, nachdem sie in die Provence gekommen war. Der Aufstieg führe, wie es in Pilgerberichten heißt, durch einen kühlen, fast mystischen Wald. Licht falle wie durch Kirchenfenster zwischen die hohen Baumstämme, während hinter jeder Wegbiegung die Aussicht weiter in die Provence schweife. Wer hier unterwegs sei, spüre die Spannung zwischen Fels und Himmel: Die Grotte scheint wie ein Zwischenraum, in dem sich Erde und Transzendenz nahekommen. Die Landschaft selbst wirkt wie ein stiller Begleiter. Oberhalb der Magdalenengrotte liegt der Gipfel Saint-Pilon mit Kapelle, von der man eine weite Aussicht über die Provence hat: Der Saint-Pilon ermöglicht den Blick in ein Panorama, das die Einsamkeit der heiligen Frau in eine Weite stellt, die nach wie vor viele Pilger in ihren Bann zieht.

Autor:
  • Portraitfoto von Agathe Lauber-Gansterer
    Agathe Lauber-Gansterer
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