Der neue Kurs der Weltkirche

Erstes außerordentliches Konsistorium unter Leo XIV.
Ausgabe Nr. 3
  • Weltkirche
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Von großer Harmonie bei den Beratungen sprachen die Kardinäle nach dem ersten außerordentlichen Konsistorium unter Papst Leo XIV.
Von großer Harmonie bei den Beratungen sprachen die Kardinäle nach dem ersten außerordentlichen Konsistorium unter Papst Leo XIV. ©VATICAN MEDIA

Anderthalb Tage berieten die Kardinäle aus Kurie und Weltkirche mit Papst Leo XIV. über Zukunftsfragen. Kardinal Schönborn konnte wegen einer hartnäckigen Erkältung nicht nach Rom reisen.

Alle 245 Kardinäle waren nach Rom eingeladen, rund 170 Mitglieder des wichtigsten Beratungsgremiums des Papstes nahmen laut Vatikan teil. Vier Themen hatte der Papst vorgeschlagenen, über die er zu Beginn der Sitzung abstimmen ließ. Mit großer Mehrheit entschieden sich die Kardinäle für „Die Mission der Kirche in der Welt von heute“ und „Synode und Synodalität, Instrument und Stil der Zusammenarbeit“. Auf der Tagesordnung des ersten außerordentlichen Konsistoriums unter Leo XIV. standen damit zwei zentrale Reformanliegen: Zum einen die Frage, wie die katholische Kirche in der heutigen Zeit ihre Botschaft so verkünden kann, dass sie von den Menschen verstanden und angenommen wird. Zum anderen ging es um Möglichkeiten der Beteiligung auch ungeweihter Katholiken an kirchlichen Entscheidungsprozessen.

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Weltkirche: Erste "Kursbesprechung" mit Papst Leo XIV.

Die Themen „Der Dienst des Heiligen Stuhls“ sowie „Liturgie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“ sollen zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden. Eine Befassung mit dem Thema Liturgie hatten vor allem konservative Kreise erhofft, die mehr Raum für die Feier der alten lateinischen Messe wünschen.

Gestärkt zurück nach Hause

Nach den knapp zweitägigen Beratungen mit dem Papst haben sich mehrere Kardinäle positiv über den Verlauf und die Inhalte geäußert. Der Erzbischof von Bogotá, Kardinal Luis José Rueda Aparicio, sagte, das außerordentliche Konsistorium sei eine „wunderbare Erfahrung der Brüderlichkeit“ gewesen. Die Kardinäle kehrten gestärkt nach Hause und zu ihren Aufgaben in der Kirche zurück. Kardinal Stephen Brislin (Johannesburg) betonte, das Treffen habe dazu beigetragen, den bleibenden Wert des programmatischen Textes „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus aus dem Jahr 2013 „in seiner großen Aktualität und Frische“ neu zu entdecken. Die Kirche solle sich wieder auf den Text besinnen und ihn auch in der Priesterausbildung einsetzen. Auch das Prinzip der Synodalität (Mitsprache), das Papst Franziskus stark gemacht habe, sei auf großen Zuspruch gestoßen. Es sei dabei, zu einer Grundlage kirchlichen Handelns und Denkens auf allen Ebenen zu werden.

Der philippinische Kardinal Pablo Virgilio Siongco David zeigte sich begeistert von der Fähigkeit Papst Leos XIV., zuzuhören. Der Papst habe viel auf seinem Notebook mitgeschrieben; er habe den Eindruck, dass der Papst Ideen und Anregungen für ein größeres Dokument sammle. Der algerische Kardinal Jean-Paul Vesco sagte, Leo XIV. setze den Kurs seines Vorgängers Franziskus im Kern fort, wenn auch „auf geordnetere Weise und in einem anderen Stil“. Er rede weniger, sei aber im Handeln klar und konsistent.
 

Nächste „Runde“ zur Weltkirche im Juni 2026

Bei dem Treffen hatte es sich um ein sogenanntes außerordentliches Konsistorium gehandelt, zu dem der Papst alle Mitglieder des Kardinalskollegiums einlädt – auch die über 80-Jährigen, die rund die Hälfte aller Kardinäle weltweit ausmachen. Zwar sind sie nicht mehr papstwahlberechtigt, doch hat auch ihre Meinung Gewicht. Ein außerordentliches Konsistorium war bisher eher eine Seltenheit. Mehrmals jährlich gibt es hingegen die sogenannten ordentlichen Konsistorien, zu denen meist nur die in Rom lebenden Kardinäle eingeladen werden. Leo XIV. hat allerdings schon angekündigt, dass die Beratungen über die Zukunft der katholischen Kirche auf höchster Ebene schon bald in die nächste Runde gehen werden. Rund um das Fest Peter und Paul am 29. Juni wird erneut an zwei Tagen über Reformfragen debattiert.

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  • Portraitfoto von Andrea Harringer
    Andrea Harringer/KAP
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