Das Gebetbuch Israels und der Kirche

Bausteine für eine alltagstaugliche Spiritualität
Ausgabe Nr. 43
  • Spiritualität
Autor:
David mit Harfe: Sehr viele Psalmen werden König David zugeschrieben (Stiftskirche Heiligenkreuz).
David mit Harfe: Sehr viele Psalmen werden König David zugeschrieben (Stiftskirche Heiligenkreuz). ©Stift Heiligenkreuz/Elisabeth Fürst

Die 150 biblischen Psalmen spiegeln die oft widersprüchliche Vielfalt des Lebens wider. Sie sind Gebete für fast alle Situationen – und damit auch für uns heute.

Die berühmtesten Psalmen

Psalm 23 über den guten Hirten zählt zu den berühmtesten Psalmen. „Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser“, so lauten die ersten Verse. Die Sehnsucht nach Gott bringt Psalm 63 schon in den Anfangsversen zum Ausdruck: „Gott, mein Gott bist du, dich suche ich, es dürstet nach dir meine Seele.“ Mit den Psalmen erreicht das biblische Beten seine Hochblüte. Es ist unmöglich, auf wenigen Zeilen diese Sammlung von Gebeten zu beschreiben, die seit Jahrtausenden die Beterinnen und Beter anregt. Sie prägen das Stundengebet der Kirche und den Gottesdienst (etwa mit dem Antwortpsalm nach der ersten Lesung) und sie sind bis heute die Grundlage vieler Lieder. 150 poetische Texte unterschiedlicher Gattungen, Herkunft und Zeit umfasst das Buch der Psalmen.

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David, der Psalmendichter und -sänger

Bemerkenswert ist der Umstand, dass in der Hebräischen Bibel 73 Psalmen durch die Überschrift „Von David“ auf König David zurückgeführt werden. In der griechischen Übersetzung („Septuaginta“) sind es sogar 83 Psalmen. David wird oft mit einer Leier oder Harfe dargestellt. Als König Saul von einem quälenden Geist geplagt wurde, spielte David für ihn: „Sooft nun ein Geist Gottes Saul überfiel, nahm David die Leier und spielte darauf. Dann fühlte sich Saul erleichtert, es ging ihm wieder gut und der böse Geist wich von ihm“ (Erstes Buch Samuel, Kapitel 16, Vers 23). David gilt als Dichter und Sänger vieler Psalmen, er wird daher im zweiten Buch Samuel (Kapitel 23, Vers 1) auch als „Lieblingsheld der Lieder Israels“ bezeichnet. Das Wort „Psalm“ („Saitenspiel, Lied“) verweist auf das Zupfen auf einem Saiteninstrument – daher die beliebte Darstellung Davids mit Leier oder Harfe.

Das Buch der Psalmen

Das Buch der Psalmen ist das Gebet- und Lebensbuch des Volkes Israel und eine Antwort auch in Angst und Leid auf Gottes Wirken in der Schöpfung und in der Geschichte. Es ist eine Art „Spiegel der widersprüchlichen Vielfalt des Lebens“, betonte der Alttestamentler Erich Zenger. Daher sind auch die Gattungen durchgemischt und nicht thematisch angeordnet: Dank, Bitte, Lob, Klage, Zeugnis und Reflexion wechseln sich ab. Das Buch der Psalmen ist ein hervorragendes Zeugnis des Betens im „Ersten“ (Alten) Testament. Das Judentum betet bis heute die Psalmen, Jesus hat die Psalmen gebetet und auch wir Christen dürfen – mit Jesus – die Psalmen beten in der großen Hoffnung auf das Kommen des Reiches Gottes. Etwa ein Drittel aller Zitate aus dem Ersten Testament, die sich im Neuen Testament finden, stammen aus dem Buch der Psalmen. Nicht vergessen werden darf, dass weder das Neue Testament noch die frühkirchliche Literatur eine neue eigene Gebets- und Liedersammlung geschaffen haben. Denn: „Mit keinem anderen Teil ihres Ersten Testaments waren die Christen in gleicher Weise vertraut“, unterstreicht Erich Zenger. Anders gesagt: Die Psalmen machen Ernst damit, „dass man im Gebet alles, wirklich alles sagen darf, wenn man es nur Gott sagt“.  

Das Lob und die Lobgesänge in Psalmen

Im „Katechismus der Katholischen Kirche“ (Nr. 2.586) heißt es über das Psalmengebet: „Dieses Gebet ist zugleich persönlich und gemeinschaftlich: Es betrifft die Betenden selbst und alle Menschen. Es erhebt sich aus dem Heiligen Land und den Gemeinden der Diaspora und umfängt doch die ganze Schöpfung. Die Psalmen erinnern an die Heilsereignisse der Vergangenheit und weisen auf die Vollendung der Geschichte hin. Im Gebet der Psalmen gedenkt das Volk der schon in Erfüllung gegangenen Verheißungen Gottes und erwartet den Messias, der sie endgültig vollenden wird.“ Der Grundzug des Psalmengebetes ist das Lob, und der Titel dieser Sammlung entspricht dem, was sie uns bietet: „Lobgesänge“. 

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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