Damit Priester nicht immer „kalt“ essen
Pfarrhaushälterinnen
Im Interview mit dem SONNTAG räumt Brigitte Weiss-Rath sofort mit einem hartnäckigen Klischee auf. „Die ,klassische‘ Pfarrhaushälterin, welche ihr ganzes Leben lang im Dienste eines Priesters gestanden hat, die gibt es heute nicht mehr“, sagt die Vorsitzende der Pfarrhaushälterinnen in der Erzdiözese Wien. Heute definiert die „Berufsgemeinschaft der Pfarrhaushälterinnen“ die „Pfarrhaushälterin“ als „die Privatangestellte eines Geistlichen, meist eines Pfarrers, die ihm in erster Linie den Haushalt führt, sich also um seinen persönlichen Lebens- und Wohnbereich kümmert“.
„Bin gerne Pfarrhaushälterin“
Acht Mönche kulinarisch versorgen
Brigitte Weiss-Rath ist „gerne Pfarrhaushälterin“. „Wegen der Kombination aus selbstständiger Haushaltsführung und der persönlichen Nähe zur Kirche“, unterstreicht sie. Denn: „Neben meiner täglichen Arbeit habe ich sehr viel Kontakt zu den aktiven Kirchenbesuchern beziehungsweise ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.“ Wie sie selbst dazu kam? „Im Jahr 2009 gaben wir unsere elterliche Gastwirtschaft auf“, sagt sie. „Seither bin ich hier im Neukloster, dem Priorat der Zisterzienser in Wiener Neustadt, tätig.“ Das Kochen erlernte sie im elterlichen Gasthaus. Weiss-Rath, bis heute eine leidenschaftliche Köchin, sorgt in der Pfarre Neukloster für das leibliche Wohl der acht Zisterziensermönche. Manchmal sind auch noch Gäste am Mittagstisch im schönen Refektorium.
Aufgaben der Pfarrhaushälterin: Kochen, Wäsche, Reinigung
Was eine Pfarrhaushälterin eigentlich so macht? „Die Arbeit einer Pfarrhaushälterin umfasst die Führung des Haushaltes im Pfarrhaus. Diese teilt sich in drei Bereiche auf: Kochen, Wäschepflege und die Reinigung des Pfarrhauses“, zählt Weiss-Rath auf. Und: „Darüber hinaus hilft man auch bei Pfarrveranstaltungen wie Pfarrfesten und Jugendveranstaltungen mit. Man könnte die Pfarrhaushälterin der Gegenwart auch als einen Dreh- und Angelpunkt im Pfarralltag sehen.“ Brigitte Weiss-Rath sieht sich „zum Beruf Pfarrhaushälterin berufen“. Warum es gut ist, dass Priester nicht nur „kalt“ essen aus dem Kühlschrank? „Ein warmes Mittagessen ist ein Teil unserer Lebenskultur, zudem stärkt es Körper und Seele“, weiß Weiss-Rath: „Gerade hier im Kloster ist das gemeinsame Mahl so wichtig, da sich die Priester untereinander austauschen und gegenseitig stärken. Kurz gesagt: sich eine kurze, aber bewusste Pause vom Arbeitsalltag gönnen. Nach dem Mittagessen haben die Priester auch manchmal ein offenes Ohr für persönliche Anliegen oder Probleme.“
99 aktive Pfarrhaushälterinnen
„In der Erzdiözese Wien wirken gegenwärtig 99 aktive Pfarrhaushälterinnen, davon sind zwei für 43 Stunden und weitere neun für 40 Stunden beschäftigt“, weiß Weiss-Rath: „Dazu kommen 140 pensionierte Pfarrhaushälterinnen, von denen fünf noch immer einen Priester betreuen.“
Geistliche Häuser
Die ersten Treffen für Pfarrhaushälterinnen gehen in die 1940er-Jahre zurück, initiiert von Pastoralamt und Exerzitiensekretariat. Viele Pfarrhaushälterinnen waren Mitglieder des „Verbands christlicher Arbeitnehmer im hauswirtschaftlichen Dienst“. 1967 wurde in diesem eine eigene Gruppe „Beschäftigte in geistlichen Häusern“ eingerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Verband richtete die Diözese ein eigenes Referat ein. 1986 kam es dann zur Gründung der Berufsgemeinschaft in der Erzdiözese Wien mit Zuordnung zum Pastoralamt.