Churchflix für 5 Euro

Ausgabe Nr. 12
  • Hirtenhund
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©TanyaRuza/Shutterstock

Über die immer höher werdenden Eintrittskosten in Kirchen und ob diese gerechtfertigt sind.

Bei Ihrem nächsten Rom-Besuch sollten Sie ein paar Euro mehr für Eintritte einkalkulieren. Denn seit Neuestem kostet die Kirche „Sancta Maria ad Martyres“ 5 Euro Eintritt. „Pfft, dann gehen wir da eben nicht hin“, höre ich Ihren Einwand. „Das Pantheon ist eh interessanter.“ … Tatsächlich geht es genau ums Pantheon. Das antike Monument mit dem großen Loch in der Decke war ursprünglich ein allen Göttern Roms geweihter Tempel, bevor es im 7. Jahrhundert zur christlichen Kirche wurde, die nun kostet. Die Sache ist ein Aufreger. Denn sollte der Besuch von Kirchen nicht per se kostenlos sein? Orte zweckfreier Existenz? Andersorte in einer durchökonomisierten Welt? Schön wär’s. Denn auch diese Orte müssen erhalten und gepflegt werden. Und das kostet Geld, das „die Kirche“ entgegen anderslautenden Gerüchten eben nicht immer in der Portokasse hat.

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Auch in Österreich ist die Sache mit dem Eintritt nichts Neues. Im Stephansdom muss man 6 Euro für eine Besichtigung auf den Tisch legen. Für 20 Euro gibt es das „All inclusive Ticket“. Der Salzburger Dom verlangt einen „Erhaltungsbeitrag“ von 5 Euro. Eine „Erlebnis-Führung“ für 6,50 Euro gibt’s im Linzer Mariendom. Damit sind wir letztlich angekommen, wo wir nie sein wollten: zwischen Disneyland für Gruftis und Museumsbesuch für die Gebildeten unter unseren Verächtern. Nicht mehr lange, und unsere Dome und Kirchen werden Teil des Besuchsprogramms in der Langen Nacht der Museen. Das können wir nicht wollen. Denn mit unserer Musealisierung müssten wir uns plötzlich messen lassen. Und ob ein Dombesuch mit einem Besuch im Technischen Museum oder in der Albertina mithalten kann, scheint mir vom Erlebnisfaktor her zweifelhaft.

Man kann sich natürlich aus der Affäre ziehen und sich als Beter tarnen. Das stellt aber offenbar immer mehr Menschen vor prozedurale Probleme. Wie geht das nochmal mit dem Kreuzzeichen? Muss ich mich dazu auf den Boden werfen? Und so zahlen sie lieber, als sich die Beter-Blöße zu geben. Vielleicht wäre das die Chance für ein Missionsprojekt: „Jetzt in Aktion! Kircheneintritt und dreimonatige Mitgliedschaft zum Testabo-Preis von nur 5 Euro!“ Das muss doch ziehen bei den himmlischen Heerscharen der Netflixenden … Und uns lenkt es erfolgreich davon ab, die entscheidende Frage zu stellen, was wir sein wollen: museale Mumie oder Lebensquelle. Zurück zum Pantheon. Da kämen bei neun Millionen Besuchern pro Jahr rund 45 Millionen Euro rein. Dafür sollte sich ein wenig Erhaltung schon ausgehen – und vielleicht sogar eine Reparatur des Loches im Dach …

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