„Christliches Leben als Ungetaufter?“

Der Brückenbauer
Ausgabe Nr. 43
  • Brückenbauer
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Die Taufe ist ein Geschenk Gottes. Jeder entscheidet persönlich, wie er damit umgeht.
Die Taufe ist ein Geschenk Gottes. Jeder entscheidet persönlich, wie er damit umgeht. ©Stephan Schönlaub

„Kann man als Ungetaufter ein christliches Leben führen?“ Weihbischof Stephan Turnovszky antwortet unseren Lesern.

Frage an den Brückenbauer: „Kann man als Ungetaufter ein christliches Leben führen?“

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Kann man ein "christliches leben" als Ungetaufter führen?

Was ist das genau, ein „christliches Leben“, und welchen Stellenwert hat darin die Taufe?

Die Pointe des christlichen Lebens besteht nicht darin, ein guter Mensch zu sein, sondern darin, ein guter und liebevoller Mensch sein zu wollen, jedoch sein eigenes Unvermögen zu entdecken und einzugestehen und dann sein Vertrauen auf Gott zu setzen, der das Unmögliche möglich machen kann. (Genau in dieser unterschiedlichen Sichtweise bestand der Streitpunkt Jesu mit den Pharisäern, die auf ihre eigene Leistung setzten.) Diese Heilstat wirkt Gott, der Vater, durch den Retter Jesus Christus im Heiligen Geist. Deshalb gehört zum christlichen Leben wesentlich die Beziehung zu Jesus Christus.

Auch ungetauft ein guter Mensch

Unbestritten kann man als Getaufter unchristlich leben. Unbestritten kann man weiters als Nichtchrist ein guter Mensch sein, ja sogar in den Himmel kommen: Das 2. Vatikanische Konzil hat festgehalten, dass man als Angehöriger einer anderen Religion das ewige Heil erreichen kann (Lumen Gentium 16). Aber kann man sagen, dass ein gerechter Andersgläubiger ein „christliches Leben“ geführt hat? Nein und ja. 

Taufe schafft eine Grundverbindung

Nein: Weil es eigenartig wäre, einen gerechten Andersgläubigen als Christen zu titulieren und so gewissermaßen christlich zu beanspruchen.

Ja: Weil er vermutlich das gelebt hat, was für Christen der Kern ihres Glaubens ist: nicht nur durch eigenes Bemühen um Gerechtigkeit gerettet werden, sondern durch das Vertrauen auf die liebevolle und unverdiente Zuwendung Gottes. So hätte er ohne Taufe ein christliches Leben geführt. Pater Karl Rahner SJ prägte für solche Menschen den Begriff „Anonyme Christen“. (Wobei Rahner wichtig ist: Es gibt kein Heil ohne Christus, aber man kann an Christus teilhaben, ohne ihn ausdrücklich zu kennen.)

Für das explizit christliche Leben gilt jedoch die Taufe als Zugangstor: Die Taufe schafft eine Grundverbindung mit Jesus Christus, auf der das christliche Leben als Beziehung mit Ihm aufbaut. Wer Christus für sich entdeckt hat, wird um die Taufe bitten.

Haben Sie ein Anliegen? Schreiben Sie eine E-Mail an brueckenbauer@dersonntag.at.

Autor:
  • Stephan Turnovszky
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