21. Oktober: Laura de Montoya
Die Stimme der Indigenen
Sie ist Kolumbiens erste Heilige und Vorbild – "Role Model" nennt man das auf neudeutsch - für südamerikanische Mädchen und Frauen: Laura de Montoya. Eine mutige, unerschrockene Frau, die in ihrem Glauben unbeirrbar ihren Weg ging – gegen die Diskriminierung der indigenen Bevölkerung. Sie selbst war keine.
Von der Lehrerin zur Missionarin
Sie stammte aus einer Arztfamilie, geboren 1874. Allerdings verlor sie den Vater mit zwei Jahren und lebte fortan in Armut. Dennoch schloss sie mit 18 Jahren ihre Ausbildung zur Lehrerin ab und begann zu arbeiten. In dieser Zeit verspürte sie den Ruf zum Ordensleben. Eigentlich wollte sie bei den Karmelitinnen eintreten, also in eine Art von Kloster eintreten, das man nie verlässt. Doch dann wurde das Bedürfnis immer stärker, zu den Ureinwohnern Kolumbiens zu gehen. Eine erste Reise unternahm Laura mit 34 Jahren. Danach war ihr klar: Sie wollte bei ihnen leben. Nach weiteren Reisen zog sie schließlich mit 39 Jahren, 1914, zu den Indios in der Provinz Araguaia, den Ärmsten des Landes. Sie wollte sich in deren Kultur einfügen und auf diese Weise deren Diskriminierung beenden. Die Indios galten unter der Bevölkerung nämlich als Wilde. Entsprechend groß waren die Vorbehalte in der christlichen Gemeinde. Laura jedoch gründete die Kongregation der Missionare der Unbefleckten Jungfrau Maria und der Heiligen Katharina von Siena, heute Lauritas genannt.
Einsatz für die Rechte der Ureinwohner
Neben ihrer Missionstätigkeit half sie den Ureinwohnern und verteidigte sie gegen Behörden und Pächter, die sich ihr Land unter den Nagel reißen wollten. Es existieren tausende Briefe dazu, auch an kirchliche Behörden, an Priester, Ordensfrauen und Laien. Außerdem schrieb Laura, die auch Mystikerin war, mehr als 30 Bücher. Das wurde auch staatlich anerkannt, denn1939 erhielt sie den höchsten Orden des Landes.
Das Erbe von Laura de Montoya
Lauras Kongregation führte ungewollt ein Wanderleben, weil immer wieder ihre Lebensart abgelehnt wurde. Frauen selbstbewusst als Missionarinnen – das war manchen zu viel Emanzipation. Laura de Montoya starb am 21. Oktober 1929 in Medellin und wurde 2013 als erste Kolumbianerin heiliggesprochen. Ihr Gedenktag ist seither in Kolumbien ein Feiertag.
Das Buch zum Podcast
Heilige, das sind beeindruckende Persönlichkeiten auf allen Kontinenten, in allen Jahrhunderten: Herrscher und Sklaven, Brave und Aufmüpfige, Geistliche und Laien. Diese bunte Schar porträtiert Autorin Bernadette Spitzer in kurzweilig-informativen Geschichten, wobei sie die Besonderheit der jeweiligen Persönlichkeit treffend hervorkehrt. Sie übersetzt die teils sperrigen Quellen in eine heutige Sprache und spart dabei nicht mit einem Augenzwinkern. Die tägliche Auswahl dieser „Vorbilder“ reicht von in der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, bis hin zu solchen, die erst vor kurzem heilig- oder seliggesprochen wurden. Aufgefrischt durch moderne Illustrationen und bemerkenswerte Zitate wird das Buch zur täglichen Inspirationsquelle.
Bernadette Spitzer
Von Bischofsstab bis Besenstiel. Mit 365 Heiligen durchs Jahr.
Wiener Dom-Verlag.
ISBN: 978-3-85351-294-4
Erhältlich im Webshop des Wiener Dom-Verlags.