Christlich geprägtes Leben ist immer politisch

Meinung
Ausgabe Nr. 22
  • Meinung
Autor:
Ein christliches Leben ist immer auch politisch, schreibt Ferdinand Kaineder.
Ein christliches Leben ist immer auch politisch, schreibt Ferdinand Kaineder. ©Erzdiözese Wien/Stephan Schönlaub

Ferdinand Kaineder über die aktuelle politische Situation, christliche Werte und wie ein Dossier der Katholischen Aktion neue Wege weisen kann.

Wir beobachten, dass Egoismus und Rücksichtslosigkeit in Demokratien wieder angehimmelt werden. Verschiedene Politikwissenschafterinnen machen uns aufmerksam, dass wir uns in einer Autokratisierungswelle befinden ähnlich wie in den 1930er-Jahren. Der Wandel passiert sehr subtil. Langsam und für viele unsichtbar untergraben einzelne gewählte Amtsinhaber von etablierten Parteien hinter einer Fassade der Legalität demokratische Institutionen. 

Werbung

Christliche Werte und Politik

Da sehen wir uns als Katholische Aktion in Österreich und als offizieller Teil der Kirche besonders herausgefordert. Auch wenn die Kirche selber in ihrer derzeitigen Verfasstheit hierarchisch-klerikale-autokratische Vorgehensweisen möglich macht, sehen wir im neuen Papst Leo XIV. einen Anwalt für unsere Bemühungen und Sichtweisen. Mit Bezug auf das Zweite Vatikanische Konzil rief Leo XIV. zu einer Fortsetzung des Weges der „Synodalität“ auf, zu stärkerer Kollegialität und zur liebevollen Hinwendung zu den Ausgegrenzten. Der Papst selber spricht beispielsweise von den Herausforderungen entlang der stattfindenden „Revolution durch künstliche Intelligenz und ihrer Auswirkungen auf Gerechtigkeit, Arbeit und Menschenwürde“. 

Wachsende Ungleichheit

Besonderes Augenmerk verdienen die aktuellen Bedrohungen in der Tiefenstruktur unserer Gesellschaft, hier fragmentarisch angesprochen. Die wachsenden Ungleichheiten und Abhängigkeiten, die im Duktus eines libertären, fossilen, neoliberalen Kapitalismus daherkommen, machen uns zu schaffen. Eine „digitale Marktreligion“ wurde etabliert, in der die Stärkeren, die Erfolgreichen, die Leistungsträgerinnen und -träger  dauernd in den Vordergrund gestellt werden. Jesus hatte aus unserer Sicht andere Werte und Prioritäten, wenn er den konkreten Menschen in den Mittelpunkt gerückt hat. Ausufernder Lobbyismus schiebt einen Keil zwischen Bürgerinnen und gewählte Mandatarinnen. 

Die gefinkelte politische psychologische Bearbeitung der Stammhirne und der Instinkte sowie die Bewirtschaftung der Schwächen der Menschen wie Neid, Hass, Gier, Spaltung und Angst bringen eine neue Art von destruktiver Gesellschaftsgestaltung hervor. Schauen wir über den Atlantik. 
 

Christliche Werte als Richtschnur

Mit dem Dossier „Demokratie leben und gestalten“ wollen wir als Katholische Aktion eine Wegmarkierung, eine Richtungsangabe mit Selbstverpflichtungscharakter vorlegen und in den politischen Diskurs werfen. Ziel ist ein gutes Leben für und mit allen in einer solidarischen Gesellschaft. Es geht darum, Orte und Freiräume für Diskussion, Dialog und fundierte Meinungsbildung zu schaffen, damit Synergien für das Gemeinwohl gefördert werden. Die öffentliche Debatte braucht unsere Vorschläge und Beispiele für Gerechtigkeit, Fairness und Frieden. 
 

Der Kommentar drückt die persönliche Meinung des Autors aus!

Schlagwörter
Autor:
  • Ferdinand Kaineder.
Werbung

Neueste Beiträge

| Leben
Welttag der Richterinnen

Am 10. März ist der Internationale Tag der Richterinnen. Der Gedenktag rückt jene Frauen in den Fokus, die in den Gerichtssälen weltweit Recht sprechen, Macht kontrollieren und Unrecht benennen. Wer Richterinnen stärkt, stärkt den Rechtsstaat. Eine von ihnen ist Caroline List, seit 2017 Präsidentin des Landesgerichtes für Strafsachen und unabhängige Opferschutzanwältin der katholischen Kirche.

| Heiligenschein
Gevierteilt in den Lowlands

Wöchentliche Heilige, vorgestellt von Bernadette Spitzer.

| Papst
Nahost: Was Christen noch tun können

Nach dem Militärschlag gegen den Iran riefen Papst Leo XIV. und Erzbischof Josef Grünwidl eindringlich zum Gebet für den Frieden im Nahen und Mittleren Osten auf.