„Beim Stillen kann ich sehr gut beten“
Glaubenszeugnis
Laure und Théo Gambon sind seit vier Jahren verheiratet und leiten ‚Sauerstoff für die Liebe‘, das Angebot für Ehepaare und Familien der Gemeinschaft Emmanuel.
Programm für Ehepaare
Frau Gambon, bei ‚Sauerstoff für die Liebe‘ ist in diesem Jahr der ‚kleine Weg‘ der heiligen Thérèse von Lisieux das Thema, das sich durch alle Treffen zieht. Warum gerade eine junge Ordensfrau aus dem vorletzten Jahrhundert für ein Programm für Ehepaare?
Laure Gambon: Mein Mann hat im Sommer die Autobiographie der heiligen Thérèse gelesen und fand sie total spannend. Die Kernaussage darin ist: Jeder ist zur Heiligkeit gerufen, und man kann dazu den ‚kleinen Weg‘ gehen. Wir merken in unserer Ehe: Wir können in unserem Alltag keine außergewöhnlichen Dinge leisten, sondern die kleinen. So wie die heilige Thérèse, die auch von sich sagte, sie kann nur die ‚kleinen‘ Dinge tun.
Treffen mit den Ehepaaren
Wie sehen die Treffen für die Ehepaare konkret aus?
Wir treffen uns monatlich, immer an einem Samstagvormittag. Das ist ein Zeitpunkt, der für viele Familien gut machbar ist. Uns ist es sehr wichtig, dass die Eltern bei den Treffen wirklich Zeit füreinander haben. Das ist im Familienalltag ja nicht immer so einfach. Zuerst hören wir einen Impuls eines Ehepaares, in diesem Jahr zum Beispiel über Mental Load oder über die Finanzen in der Familie – immer in Verbindung mit dem, was die heilige Thérèse sagt. Danach gibt es einen Austausch im Ehepaar. Dafür organisieren wir Babysitter. So können die Eltern ungestört sprechen.
Sie und ihr Mann haben ein zweijähriges Kind und ein drei Monate altes Baby. Bleibt Ihnen im Alltag Zeit füreinander?
Bevor wir unsere Kinder bekommen haben, haben wir studiert und später gemütlich zwei Jahre lang gearbeitet. Mit den Kindern blieb auf einmal viel weniger selbstbestimmte Zeit. Das ist wohl die größte Veränderung, wenn man Kinder bekommt. Man muss sich die Zeit gut einteilen, damit es ein Gleichgewicht gibt: Kinder, Partner, Zeit für sich und für Freunde. Mein Mann und ich haben da anfangs viel gerungen.
Seitdem unser zweites Kind da ist, ist unser Leben noch chaotischer geworden. Trotzdem versuchen wir, uns einmal in der Woche einen Abend für uns zu nehmen. Meistens bestellen wir uns eine Pizza. Wir stellen ein Kreuz auf und beten kurz – und dann beantworten wir jedes Mal die gleichen vier Fragen: Was hat mir diese Woche sehr gut gefallen? Wo habe ich gesehen, dass du dich bemüht hast? Wo habe ich mich bemüht? Was ist mir schwergefallen? Ganz wichtig ist für uns, dass wir uns bei diesen Gesprächen keine Vorwürfe machen.
Wir merken, dass wir uns viel häufiger streiten und Ungesagtes unter der Oberfläche zu brodeln beginnt, wenn wir diese Abende ausfallen lassen.
Wie hat sich Ihr persönliches Gebetsleben verändert, seit Sie Mutter geworden sind?
Es ist anders geworden. Für mich gibt es zurzeit keine stille Gebetszeit, ich bete viel neben den Kindern. Ein kurzes Stundengebet zum Beispiel, oder ich lese das Tagesevangelium. Beim Stillen kann ich auch sehr gut beten, keine vorgegebenen Gebete, sondern einfach ein Dialog mit Gott.
Gesprächsabende für Ehepaare
Sind Sie und Ihr Mann in gläubigen Familien aufgewachsen? Haben Sie an Ihren Eltern gesehen, wie der Glaube in der Familie gelebt werden kann?
Mein Mann und ich kommen aus unterschiedlichen Familien: Théo ist zwar getauft, seine Eltern haben den Glauben aber nicht praktiziert. Ich hingegen habe viel aus meiner Familie mitbekommen. Meine Eltern haben zum Beispiel auch diese Gesprächsabende miteinander gemacht. Das hat mich sehr geprägt.
Laure Gambon
Alter: 27
Lebensmotto: Gott allein genügt.
Gott ist für mich: Freund.
Sonntag bedeutet für mich: Familie, Ruhezeit, Zeit mit Gott.