„Ich habe nicht aufgegeben“
Glaubenszeugnis
Die Kandidatenzeit im ‚Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem‘ dauert ein Jahr und dient als Vorbereitungs- und Prüfungsphase, bevor man schließlich in den Orden aufgenommen wird. In diesem Jahr wird die sogenannte Investitur von 18. bis 20. September in Klagenfurt gefeiert.
Ritterorden zum Heiligen Grab
Herr Ascher, wie sind Sie mit den Grabesrittern in Kontakt gekommen?
Christoph Ascher: Ich bin schon lange Mitglied in mehreren katholischen Studentenverbindungen. Über einige meiner Bundesbrüder lernte ich die Grabesritter näher kennen und habe gemerkt: Das könnte mein Glaubensleben vertiefen. Ein Jahr lang war ich sozusagen ‚Zaungast‘ und wurde dann schließlich als Kandidat vorgeschlagen.
Aufnahme in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem
Wie war die Aufnahme für Sie?
Es war ein ehrwürdiger Moment – mit den anderen Kandidatinnen und Kandidaten in der Stiftskirche in Klosterneuburg.
Der Weg zum Ritterorden
Es war also Sehnsucht, im Glauben tiefer zu gehen, die Sie zum Ritterorden gebracht hat?
Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der der Glaube immer schon gelebt wurde. Später, in der Gymnasialzeit, hat er sich etwas verflüchtigt. Bis ich durch die Mittelschulverbindung wieder zurückgefunden haben. In den Studentenverbindungen ist die ‚Religio‘ ja ein wichtiges Prinzip, sie ist aber nur eines von mehreren. Mir war das irgendwann zu wenig. Jetzt, mit Ende 50, möchte ich einen Schritt weitergehen. Was mir an den Grabesrittern gefällt: Es gibt Einkehrtage und Vorträge sowie seelsorgerliche Begleitung durch unseren Prior Matthias Beck (Anmerkung: Der emeritierte Ethiker ist auch Pfarrer in Wien 5). Für mich ist das eine weitere Entwicklungsstufe im Glauben.
„Ich habe nicht mit Gott gehadert.“
Mit Gott in Verbindung bleiben
Wie bleiben Sie im Alltag mit Gott in Verbindung?
Matthias Beck hat mir die Tagesgebet-App ans Herz gelegt. Ich nutze sie, um mich zeitlich für kurze Momente aus dem Alltag rauszunehmen. Ich höre auch sehr gern Vorträge oder Predigten auf YouTube. Etwa auf dem Arbeitsweg, da habe ich jeweils 45 Minuten. Mir ist dieser intellektuelle Zugang im Glauben wichtig. Ich möchte mich da immer wieder selbst herausfordern und mich mit Neuem auseinandersetzen.
Sehkraft verloren
Zu etwas anderem: Sie haben mit Anfang dreißig erfahren, dass Sie an einer schweren Augenerkrankung leiden. Heute leben Sie mit zwei Prozent Sehfähigkeit.
Meine Eltern waren beide Träger dieser Erkrankung, wussten es aber nicht und haben sie an mich weitergegeben. Ich habe erst im Erwachsenenalter davon erfahren. Damals hatte ich noch 95 Prozent meiner Sehkraft. Für mich war es natürlich dramatisch zu wissen, dass sich das stark verschlimmern würde. Heute verfüge ich noch über zwei Prozent Sehfähigkeit, offiziell gilt das als ‚blind‘.
Nicht mit Gott gehadert
Haben Sie damals mit Gott gehadert?
Ich werde das oft gefragt, muss aber sagen: Ich habe nicht mit Gott gehadert. Ich habe nicht aufgegeben. Ich kenne einige Leute, die sich aufgegeben haben und aus dem Berufsleben ausgestiegen sind. Aber vieles ist möglich, auch mit der Krankheit.
Arbeiten mit Sehbehinderung
Sie arbeiten als Jurist: Wie muss man sich das mit Ihrer starken Sehbehinderung vorstellen?
Es gibt heute eine Reihe an technischen Hilfsmitteln, zum Beispiel eine Vorlesekamera. Mit einem Dreifachklick kann ich außerdem alles am Bildschirm extrem vergrößern. Zum Glück habe ich mir das Zehn-Finger-System beigebracht. Ich arbeite so eigentlich uneingeschränkt. Es hat sich sehr viel getan in den letzten zehn Jahren. Früher zum Beispiel musste meine Frau Honorarnoten vom Wahlarzt bei der Krankenkasse einreichen. Jetzt kann ich das auch selbst tun.
Christoph Ascher
Alter: 56
Lebensmotto: Nicht aufgeben.
Gott ist für mich: ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens.
Sonntag bedeutet für mich: Gottesdienst.