„Ich habe nicht aufgegeben“

Glaubenszeugnis
Ausgabe Nr. 37
  • Spiritualität
Autor:
Die Zugehörigkeit zum Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist  für Christoph Ascher eine weitere Entwicklungsstufe im Glauben. Er ist aber auch überzeugter Couleurstudent.
Die Zugehörigkeit zum Orden vom Heiligen Grab zu Jerusalem ist für Christoph Ascher eine weitere Entwicklungsstufe im Glauben. Er ist aber auch überzeugter Couleurstudent. ©Privat

Christoph Ascher, 56, hat aufgrund einer Augenerkrankung fast seine gesamte Sehkraft verloren. Das hält ihn weder davon ab, als Jurist zu arbeiten, noch davon seinen Glauben zu vertiefen. Zuletzt im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, kurz Grabesritter.

Die Kandidatenzeit im ‚Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem‘ dauert ein Jahr und dient als Vorbereitungs- und Prüfungsphase, bevor man schließlich in den Orden aufgenommen wird. In diesem Jahr wird die sogenannte Investitur von 18. bis 20. September in Klagenfurt gefeiert.

Werbung

Ritterorden zum Heiligen Grab

Herr Ascher, wie sind Sie mit den Grabesrittern in Kontakt gekommen?

Christoph Ascher: Ich bin schon lange Mitglied in mehreren katholischen Studentenverbindungen. Über einige meiner Bundesbrüder lernte ich die Grabesritter näher kennen und habe gemerkt: Das könnte mein Glaubensleben vertiefen. Ein Jahr lang war ich sozusagen ‚Zaungast‘ und wurde dann schließlich als Kandidat vorgeschlagen. 

Aufnahme in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Wie war die Aufnahme für Sie?

Es war ein ehrwürdiger Moment – mit den anderen Kandidatinnen und Kandidaten in der Stiftskirche in Klosterneuburg.

Der Weg zum Ritterorden

Es war also Sehnsucht, im Glauben tiefer zu gehen, die Sie zum Ritterorden gebracht hat?

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der der Glaube immer schon gelebt wurde. Später, in der Gymnasialzeit, hat er sich etwas verflüchtigt. Bis ich durch die Mittelschulverbindung wieder zurückgefunden haben. In den Studentenverbindungen ist die ‚Religio‘ ja ein wichtiges Prinzip, sie ist aber nur eines von mehreren. Mir war das irgendwann zu wenig. Jetzt, mit Ende 50, möchte ich einen Schritt weitergehen. Was mir an den Grabesrittern gefällt: Es gibt Einkehrtage und Vorträge sowie seelsorgerliche Begleitung durch unseren Prior Matthias Beck (Anmerkung: Der emeritierte Ethiker ist auch Pfarrer in Wien 5). Für mich ist das eine weitere Entwicklungsstufe im Glauben. 

„Ich habe nicht mit Gott gehadert.“  

Mit Gott in Verbindung bleiben

Wie bleiben Sie im Alltag mit Gott in Verbindung?

Matthias Beck hat mir die Tagesgebet-App ans Herz gelegt. Ich nutze sie, um mich zeitlich für kurze Momente aus dem Alltag rauszunehmen. Ich höre auch sehr gern Vorträge oder Predigten auf YouTube. Etwa auf dem Arbeitsweg, da habe ich jeweils 45 Minuten. Mir ist dieser intellektuelle Zugang im Glauben wichtig. Ich möchte mich da immer wieder selbst herausfordern und mich mit Neuem auseinandersetzen.

Sehkraft verloren

Zu etwas anderem: Sie haben mit Anfang dreißig erfahren, dass Sie an einer schweren Augenerkrankung leiden. Heute leben Sie mit zwei Prozent Sehfähigkeit.

Meine Eltern waren beide Träger dieser Erkrankung, wussten es aber nicht und haben sie an mich weitergegeben. Ich habe erst im Erwachsenenalter davon erfahren. Damals hatte ich noch 95 Prozent meiner Sehkraft. Für mich war es natürlich dramatisch zu wissen, dass sich das stark verschlimmern würde. Heute verfüge ich noch über zwei Prozent Sehfähigkeit, offiziell gilt das als ‚blind‘.

Nicht mit Gott gehadert

Haben Sie damals mit Gott gehadert?

Ich werde das oft gefragt, muss aber sagen: Ich habe nicht mit Gott gehadert. Ich habe nicht aufgegeben. Ich kenne einige Leute, die sich aufgegeben haben und aus dem Berufsleben ausgestiegen sind. Aber vieles ist möglich, auch mit der Krankheit. 

Arbeiten mit Sehbehinderung

Sie arbeiten als Jurist: Wie muss man sich das mit Ihrer starken Sehbehinderung vorstellen?

Es gibt heute eine Reihe an technischen Hilfsmitteln, zum Beispiel eine Vorlesekamera. Mit einem Dreifachklick kann ich außerdem alles am Bildschirm extrem vergrößern. Zum Glück habe ich mir das Zehn-Finger-System beigebracht. Ich arbeite so eigentlich uneingeschränkt. Es hat sich sehr viel getan in den letzten zehn Jahren. Früher zum Beispiel musste meine Frau Honorarnoten vom Wahlarzt bei der Krankenkasse einreichen. Jetzt kann ich das auch selbst tun.

Schlagwörter
Autor:
  • Sandra Lobnig
Werbung

Neueste Beiträge

| Wien und Niederösterreich
Sendungsfeier

Erzbischof Josef Grünwidl hat am 20. Oktober sieben Frauen und einen Mann im Stephansdom als Pastoralassistentinnen und als Pastoralassistent in den diözesanen Dienst gesendet.

| Politik
70 Jahre Dialog

Seit 70 Jahren bringt der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit Kirchen und Judentum an einen Tisch. Beim Festakt im Wiener Rathaus würdigten Politik, Bischöfe und Rabbiner diesen Dialog.

| Meinung
Ihnen gesagt

Chefredakteurin Sophie Lauringer schreibt über das Vertrauen in die katholische Kirche.