2026: Zwischen Event-Fülle und Budget-Not
HirtenhundHaben Sie sich gebührend ins neue Jahr geschossen? Oder am Graben über eine Handbreit Scherben ins neue Jahr getanzt? Ich habe mich in meinem Körbchen noch von der geballten Ladung an bischöflichen Moral- und Appellpredigten (Solidarität, Frieden, weniger, langsamer, Einkehr …) erholt und mir dann mal den kirchlichen Kalender für 2026 angeschaut. Das Jahr wird ja einiges bieten:
2026 bringt das Ende des Heiligen Jahres
Zunächst das offizielle Ende des Heiligen Jahres. Ein Schelm, wer sich angesichts des heißesten Jahres der Messgeschichte nicht fragt, wie viel die rund 30 Millionen (Flugzeug-)Pilger in Rom zum nachhaltigen Temperaturanstieg beigetragen haben. Dann folgt am 24. Jänner die Weihe unseres neuen „EB“, Josef Grünwidl, den, wie ich lese, völlig zurecht alle mögen, von dem sich aber laut letzter „Standard“-Umfrage zugleich kaum jemand wirkliche positive Effekte auf das persönliche oder gemeindliche Glaubensleben erwartet. Im Mai darf dann unsere Festivalseelsorge rund um den Eurovision Song Contest auf dem Wiener Rathausplatz ihr Wesen treiben und in Krisenfällen zur Seite stehen. Etwa wenn es heißt: „Austria zero points“ – oder (noch schlimmer): „Germany twelve points“. Gut, dass „Conchita“ als bewährte(r) Ministrant(in) weiß, was zu tun ist.
Das schenkt uns 2026
In den Diözesen wird derweil heiter weiter herumstrukturreformiert und das Weniger (Budget, Gläubige, Priester) mit seelsorglicher Watte ummantelt. Apropos Budgetnot: Man muss kein Prophet sein, um angesichts avisierter Einsparungen von 1,3 Mrd. Euro allein in Wien die Schließung so manch kirchlich betriebener und staatlich zumindest kofinanzierter Einrichtung kommen zu sehen. Das Ende der öffentlichen Finanzierung des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) der Caritas im 5. Bezirk dürfte wohl erst der Anfang sein. Gewarnt wird zudem vor einem Kahlschlag im Bereich der Suchtberatung, der Obdachlosenbetreuung und anderer Dienstleistungen für all jene, die eh schon am Rande des Abgrundes stehen.
Budget-Not im Jahr 2026
Da ich ein praktisch veranlagtes Hündchen bin, habe ich einen Vorschlag für die Stadt Wien: Die Erhöhung der Hundeabgabe von 72,67 Euro auf 120 Euro pro Jahr bedeutet bei 58.800 registrierten Hunden in Wien Mehreinnahmen von 2,77 Millionen Euro. Da mir keine Pläne zum Ausbau der „Sackerl-fürs-Gackerl“-Stationen bekannt sind, schlage ich vor, das Geld in die Linderung der karitativen sozialen Finanznot zu investieren. Denn jeder Euro im Sozialbereich ist ein Euro für die Zukunft der Stadt und der Menschen. Gibst du mir die Pfote drauf, Michel?