Wir sind nicht ohnmächtig

Prüller
Ausgabe Nr. 41
  • Die Kirche und ich
Autor:
Michael Prüller
©Stephan Schönlaub

Wer in seiner eigenen Umgebung Frieden stiftet, trägt zum Frieden der ganzen Welt bei. Und: Wer beten kann, ist nie ohnmächtig.

Die Hafenstadt Gaza am Mittelmeer ist eine der ältesten Städte der Welt. Als dort vor 3.000 Jahren die Philister herrschten – und dort laut dem Buch der Richter Samson töteten –, war die Stadt schon 2.000 Jahre alt. Der nach ihr benannte Gaza­streifen, gerade einmal halb so groß wie etwa der Bezirk Oberwart, könnte heute mit seinen langen Stränden eine florierende Tourismuszone sein. Stattdessen ist es eine Enklave des Elends.

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Der Großteil der zwei Millionen Bewohner sind Flüchtlinge aus der Entstehungszeit Israels – das ist nunmehr schon 75 Jahre her – oder deren Nachkommen. Viele leben immer noch in Lagern, in unvorstellbar beengten Verhältnissen (das Lager Al Chati zum Beispiel ist so groß wie 100 Fußballfelder, und auf jedem leben 800 Menschen). 70 Prozent der Bevölkerung sind auf Zuwendungen angewiesen. Nur die Fortpflanzung funktioniert: Die Hälfte der Einwohner ist 14 oder jünger. Beherrscht wird das Ganze von einer folternden und mordenden Terrororganisation. Müsste man ein soziales Pulverfass konstruieren, wäre der Gazastreifen das perfekte Vorbild.

Es gibt wenige Weltgegenden, deren Schicksal so aussichtslos wirkt wie das des Nahen Ostens, das sich im Gazastreifen exemplarisch verdichtet. Seit 75 Jahren immer wieder scheinbare Durchbrüche, nur wieder gefolgt von Rückschlägen. Hass gebiert immer wieder nur weiteren Hass – und wird dort auch noch sorgfältig gepflegt und gehegt. Mittendrin eine winzige, machtlose christliche Minderheit. Was können wir da überhaupt tun? Nur ohnmächtig zuschauen und verzweifeln? Nein. Wer in seiner eigenen Umgebung Frieden stiftet, trägt zum Frieden der ganzen Welt bei. Wer für die Notleidenden spendet, hilft in diesem so unheiligen Heiligen Land. Und: Wer beten kann, ist nie ohnmächtig.

Autor:
  • Michael Prüller
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