Viva la Fasching!

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 7
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Kirchenhund bellt diese Woche über den Fasching!

Haben Sie schon Ihr Kostüm für den Fasching? Wie ich lese, steht heuer ein Mix aus nostalgischem Wildwest-Stil, K-Pop-Kostümen, Fabelwesen und viel Glitzer ganz oben in der Hitparade der größten Haute-Couture-Sünden. Aber auch „religiöse Kostüme“ finden angeblich wieder reichlich Absatz. Mehr als 80 Modelle bietet etwa ein großer Versandhandel aktuell an. Von klassischen Ordensgewändern aus vermutlich 110 Prozent Polyester über das „Sexy Priesterkostüm schwarz-gold“ bis hin zu Papstroben zu 64,99 Euro ist alles dabei. Aber Achtung: „Die Bibeln sind nicht im Lieferumfang inbegriffen“ … 

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Ein Faible für den Fasching

Ich gebe zu, ich habe ein Faible für den Fasching. Nicht wegen solcher Angebote und auch nicht, um sodann als Katze oder Nacktmull verkleidet um den Steffl zu ziehen, sondern weil ich der respektlosen Albernheit viel abgewinnen kann. Denn in genau dieser respektlosen Albernheit steckt ein ur-demokratischer Impuls, der auch was mit Kirche zu tun hat. Klingt vielleicht etwas wild und gewagt – daher ein kleiner Exkurs: 

Fasching und mittelalterliche Narrenfeste

Der Fasching steht in der Tradition der mittelalterlichen Narrenfeste. Bei diesen Festen übernahmen, wie ich lese, „kleine“ Kleriker Rang und Privilegien der Bischöfe. Ein Kinderbischof wurde gekürt und sogar eine Art „Papst“ bestimmt, während die Bevölkerung ihnen vom Straßenrand aus zujubelte. Die Ordnung wurde auf den Kopf gestellt und dem einfachen Volk in einem klar abgesteckten Zeitfenster Selbstbestimmung, ja Freiheit gewährt, um Unmut und revolutionäre Ambitionen zu kanalisieren. So birgt der Fasching ein widerständiges, revolutionäres Moment, denn er erinnert daran, dass die Ordnung der Welt nicht in Stein gemeißelt ist und die Dinge auch ganz anders sein könnten. Darin ist der Fasching dem Glauben nicht unähnlich. Denn was ist unser Bekenntnis – „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde …“ – anderes als das verrückte Bekenntnis zu einer Welt, die ganz anders ist, als sie erscheint? 

Fasching und Christentum

So derb die Faschings- und Karnevalstraditionen mancherorts also auch sein mögen – wenn man Augen und Ohren öffnet, stolpert man immer wieder über Bezüge zum Christentum. Spätestens wenn mit dem Aschermittwoch der Rollbalken runtergeht und die Fastenzeit beginnt: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, sang der deutsche Liedermacher Jupp Schmitz bereits 1953. Doch die Hoffnung auf die Auferstehung (und die nächste Faschingssaison) lebt, wie er in einem anderen Hit bekennt: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel … / Das sieht selbst der Petrus ein / Er sagt: ‚Ich lass’ gern euch rein’ / Ihr wart auf Erden schon die reinsten Engelein“. 

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