„Unsere Kinder gehören uns nicht“
Glaubenszeugnis
G abriele Mannersdorfer hat ihren Pfarrer Hannes Saurugg im Pfarrverband Korneuburg Nord immer schon unterstützt. Seit vergangenem Jahr macht sie das auch offiziell als Pfarrsekretärin.
Kinder taufen lassen
Frau Mannersdorfer, als Pfarrsekretärin hat man organisatorische Aufgaben, ist aber auch ganz viel mit den Menschen in Kontakt, die in die Pfarre kommen. Was mögen Sie daran am meisten?
Gabriele Mannersdorfer: Da kommen zum Beispiel junge Eltern, die ihr Kind taufen lassen möchten. Oft sind die Geschwister dabei. Die sind sehr neugierig und ich zeige ihnen alles. Meine Arbeit hat auch eine seelsorgliche Komponente, wenn Menschen kommen, die einen Todesfall in der Familie haben. Dann höre ich zu, zeige Anteilnahme, spende Trost. Oder Pfarrmitglieder, die eine Messe für ihre verstorbenen Eltern lesen lassen möchten. Oft erzählen sie von ihnen, davon, wie es früher war. Wenn ich Zeit habe, ergeben sich so viele Gespräche. Gleichzeitig muss ich schauen, dass ich meine andere Arbeit erledige. Ich merke auf jeden Fall, dass die Menschen es zu schätzen wissen, wenn man für sie da ist.
Auch als Kind gerne in die heilige Messe
Sind Sie in der Pfarre aufgewachsen?
Ich bin nicht in eine gläubige Familie hineingeboren, ich wurde auch nicht getauft als Baby. Ob es Zufall war oder eine göttliche Fügung: Ich war drei Jahre alt, als meine Halbschwester getauft wurde. Da meinte meine Oma: Dann nehmen wir die Gabi auch gleich mit. Wenig später musste ich meine Familie verlassen und bin in ein Heim gekommen. Meine Mutter hat mich zur Adoption freigegeben. Ich wurde adoptiert und hatte Glück, dass meine Adoptiveltern sehr gläubig waren. So bin ich nach Harmannsdorf gekommen. Meine Adoptiveltern haben die Muttergottes sehr verehrt, so war ich schon als Kind und Jugendliche in Fatima und Lourdes und bin, anders als andere, sehr gern in der Messe gegangen. Ich bin sehr dankbar, dass sich mein Lebensweg so geändert hat.
Zeit mit den Kindern verbringen
Vor vier Jahren haben Sie einen großen Schicksalsschlag erlitten: Ihr Sohn ist tödlich verunglückt.
Ich habe oft den Satz gesagt: Ich weiß nicht, wie Menschen ohne Glauben so etwas verkraften können. Ich glaube fest daran, dass mein Sohn im Himmel ist und wir uns wiedersehen werden. Natürlich war und ist es sehr schwer. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke. Ich bin auch jeden Tag am Friedhof. Wenige Stunden, nachdem er gestorben ist, kam mir der Gedanke aus dem Buch Hiob: „Der HERR hat’s gegeben, der HERR hat’s genommen“; „der Name des HERRN sei gelobt!“ – das konnte ich dann erst später sagen. Mir ist bewusst geworden: Unsere Kinder gehören uns nicht, wir dürfen Zeit mit ihnen verbringen. Und wenn die schon früher zu Ende geht, ist es so.
„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an meinen Sohn denke.“
Sie haben nicht mit Gott gehadert?
Ein Priester hat mich einmal gefragt: Bist du nicht richtig zornig gewesen und hast mit Gott geschimpft? Das habe ich nicht. Noch am selben Tag, an dem mein Sohn verunglückt ist, bin ich am Abend in die Messe gegangen. Ich habe zwar nur geweint, aber ich war dort. Das hat mich getröstet.
Wie bleiben Sie in Ihrem Alltag mit Gott in Verbindung?
Ich bin viel in der Natur unterwegs. Und immer, wenn ich da an einem Marterl vorbeigehe, spreche ich ein kurzes Gebet. Gott begegnet mir auch in den Menschen, die mir begegnen und mich freundlich anlächeln. Und: Sooft es bei uns eine Heilige Messe gibt, bin ich dort. Vor einiger Zeit habe ich den theologischen Kurs gemacht und dann gleich den zur Wortgottesfeier-Leiterin. Ich bin Lektorin, spende die Krankenkommunion, bin auch in der Firmvorbereitung. Ja, ich mache sehr viel in der Pfarre.
Gabriele Mannersdorfer
Alter: 60
Lebensmotto: Wir sind gemeinsam unterwegs als Pilger auf dieser Erde
Gott ist für mich: der Schöpfer, mein Freund und Wegbegleiter.
Sonntag bedeutet für mich: Heilige Messe, Familie, Zeit für mich haben, Kraft tanken.