Schutz für die Allerkleinsten

Prüller
Ausgabe Nr. 48
  • Die Kirche und ich
Autor:
Michael Prüller
©Stephan Schönlaub

Michael Prüller über die Abtreibungsdebatte, die immer wieder in den Schlagzeilen ist.

Am Dienstag waren es genau 50 Jahre, seit das Parlament mit der „Fristenlösung“ die Abtreibung straffrei gestellt hat, wenn sie in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft erfolgt. Während damals die Frage „Strafen oder nicht?“ im Vordergrund stand, hat sich längst auch in den kirchlichen Stellungnahmen der Schwerpunkt in Richtung Mutmachen  zum Kind bzw. Helfen verschoben.
Manchen ist das zu wenig, und ich verstehe das: Wenn man den Embryo nicht als Zellhaufen sieht, sondern als Mensch, gibt es keinen vernünftigen Grund, warum der Staat ausgerechnet diesem schwächsten aller Menschen seine schützende Hand versagt. Es ist und bleibt eine verheerende Aussage über den Wert des Menschen an sich.

Werbung

Ich verstehe aber auch, wenn der Fokus kirchlicher Bemühungen nicht auf das Wiederherstellen eines vollständigen strafrechtlichen Schutzes für das Kind gerichtet ist. Es hat keinen Sinn, dem Volk – das ja letztlich hinter einer solchen Maßnahme stehen müsste – „Strafen, strafen!“ einzuhämmern, wenn es mehrheitlich gegen eine Strafe ist. Dadurch ändert sich nichts. Helfen hingegen ändert viel, und das nicht nur im Einzelfall.

Denn würde eine Mehrheit große Ehrfurcht haben vor dem Wunder jedes Menschenkindes, auch des allerkleinsten, wäre die Gesetzesfrage keine große Anstrengung  mehr. Diese Ehrfurcht zu wecken, zu hegen und zu stärken, ist in jeder Hinsicht eine große, wichtige Aufgabe. Das geht weniger über Appelle als durch unseren Umgang als Christen mit dem anderen, vor allem dem Schwachen, also etwa mit der Obdachlosen, dem Sterbenden, dem Flüchtling, der Einsamen. Sind sie uns nahe – und wir ihnen? Ist unser Tun ein mitreißendes Zeugnis für die Ehrfurcht vor dem Menschenleben?

Autor:
  • Michael Prüller
Werbung

Neueste Beiträge

Advertorial
Ausbildung am Konservatorium für Kirchenmusik
Diözesankonservatorium

In den drei Ausbildungszweigen "Kirchenmusik", "Lied-Messe-Oratorium" sowie "Neues Geistliches Lied“ werden Schülerinnen und Schüler auf die vielfältigen Aufgaben, als Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker vorbereitet.

| Leben
5. Mai: Tag des Lokaljournalismus

Was passiert eigentlich in unseren Pfarrgemeinden? Wer berichtet über Kirchenfeste sowie neue Projekte und gibt Einblicke in Kultur und Glauben? Genau hier zeigt sich, wie wichtig Lokaljournalismus für das kirchliche Leben ist. Doch was ist „Lokaljournalismus“ überhaupt?

| Weltkirche
Friede als Auftrag

Die Herausforderungen des neuen Prager Erzbischof Přibyl sind unter anderem, Versöhnung zu schaffen und Reformstaus anzugehen: Mit Stanislav Přibyl übernimmt ein erfahrener Seelsorger und Kirchenfunktionär die Erzdiözese Prag. Der Redemptorist bringt den Friedensgedanken nicht nur als Motto, sondern als konkreten Auftrag mit.