Nur der Blick nach vorne rettet

Ausgabe Nr. 42
  • Die Kirche und ich
Autor:
Michael Prüller
©Stephan Schönlaub

Wer hasst, dem geht es nicht um Gerechtigkeit. Und er zerstört nicht nur seine Feinde, sondern auch sich selber.

Vielleicht haben Sie es in den vergangenen Tagen auch erlebt: Man drückt sein Entsetzen über das Hamas-Massaker an jüdischen Zivilisten aus – und bekommt zu hören, Israel habe das selber zu verantworten, wer hat denn den Palästinensern das Land weggenommen und unterdrückt sie seitdem? Ich habe darauf drei einfache christliche Antworten – und für keine muss man die Geschichte des Nahen Ostens studiert haben.

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Die erste ist: Gezielt Zivilisten umzubringen – Großeltern, Eltern, Kinder – ist nie gerechtfertigt. Nichts, was vorher vorgefallen ist, rechtfertigt solche Gräuel. Vielleicht hilft es, die Gewaltorgie zu verstehen. Aber verstehen und rechtfertigen ist zweierlei.

Die zweite: Wer hasst, dem geht es nicht um Gerechtigkeit. Und er zerstört nicht nur seine Feinde, sondern auch sich selber. Die Holocaust-Überlebende Eva Kor hat ihren Peinigern verziehen und das so begründet: „Ein Opfer hat das Recht, frei zu sein – und man kann nicht frei sein von dem, was einem angetan wurde, wenn man diese tägliche Last aus Schmerz und Wut nicht abschüttelt.”

Und damit sind wir bei der dritten Antwort. 2014 hat ein palästinensisches Kind in Bethlehem dem Papst gesagt: „Seit 66 Jahren leiden unsere Eltern unter der Besatzung. Wir haben unsere Augen unter der Besatzung geöffnet, und wir haben die Nakba (die Vertreibung 1948) in den Augen unserer Großeltern gesehen, als sie aus dieser Welt geschieden sind. Wir möchten der Welt sagen: Schluss mit den Leiden und den Demütigungen!“ Der Papst hat geantwortet – und hat damit das Hauptproblem auf allen Seiten benannt: „Lasst niemals zu, dass die Vergangenheit euer Leben bestimmt. Blickt immer nach vorn.“ 

Autor:
  • Michael Prüller
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