Müde Füße, erfülltes Herz
Glaubenszeugnis
Der Malteser-Hospitaldienst ist das Hilfswerk des Souveränen Malteser Ritterordens. In Österreich hat der Hospitaldienst 2.200 ehrenamtliche Mitglieder.
Der Malteser-Hospitaldienst als Herzensanliegen
Frau Czernin, wie sind Sie zum Malteser- Hospitaldienst gekommen?
Gini Czernin: Mich für andere einzusetzen war mir schon in jungen Jahren ein Herzensanliegen. Schon in meiner Jugend arbeitete ich in der Obdachlosenhilfe der Caritas mit. Mit dem Canisibus verteilten wir Essen und Kleidung und brachten auch medizinische Hilfe zu den obdachlosen Menschen. Viele meiner Freunde waren damals bereits beim Malteser Hospitaldienst. Jahre später in einer schwierigen Lebensphase, sagte eine Freundin zu mir: „Komm doch zu den Maltesern!“ Also habe ich mich entschieden, die Ausbildung im Hospitaldienst zu machen. Ab dem ersten Tag war ich sehr aktiv und habe rasch Verantwortung übernommen.
Aufgaben beim Malteser-Hospitaldienst
Welche Aufgaben im Malteser-Hospitaldienst haben Sie übernommen?
Ich hatte im Laufe der Jahre viele Funktionen. Seit zweieinhalb Jahren bin ich Vizekommandantin, davor war ich Präventionsbeauftragte und habe die Ombudsstelle geleitet. Darüber hinaus begleite ich seit vielen Jahren Menschen mit besonderen Bedürfnissen bei unseren Reisen und Pilgerfahrten. Denn neben dem Rettungsdienst und unserer Tätigkeit in der Katastrophenhilfe sowie unseren Besuchs- und Sozialdiensten zeichnet den Malteser Hospitaldienst vor allem eines aus: unsere Reisen und Pilgerfahrten mit den uns anvertrauten Menschen. Sie ermöglichen auch Menschen mit Erkrankungen oder Behinderungen, Ziele zu erreichen, die sie ohne Hilfe nicht mehr besuchen können. Das reicht von Ausflügen – etwa nach Venedig – bis zu unserer großen Wallfahrt nach Rom, die alle fünf Jahre mit rund 400 bis 500 TeilnehmerInnen stattfindet und die im Oktober 2026 wieder auf dem Programm steht. Ein weiterer Höhepunkt ist unsere jährliche Wallfahrt nach Lourdes mit rund 200 Pilgern.
„Diese Tage in Lourdes geben unglaublich viel Hoffnung.“
Wallfahrt nach Lourdes
Sind Sie in Lourdes dabei?
Ich versuche, jedes Jahr mit zu fahren, denn es ist ein ganz besonderes Erlebnis. Zur Wallfahrt Anfang Mai kommen Malteser aus der ganzen Welt nach Lourdes. Der ganze Ort ist voll mit Malteser-Uniformen! Die Lichterprozession ist immer sehr berührend. Ebenso gehören die Messe an der Grotte und der Besuch der Piscines zu den Höhepunkten der Reise. Diese Tage in Lourdes geben unglaublich viel Hoffnung. Ich erinnere mich etwa an einen Mann, der das erste Mal mit uns mitgefahren war. Er war durch einen Schlaganfall aus seinem Leben gerissen worden, saß im Rollstuhl und hatte Depressionen. Seine tiefe Traurigkeit war ihm ins Gesicht geschrieben, doch mit jedem Tag wurde sein Lächeln häufiger und eine neue Leichtigkeit spürbar. Diese Entwicklung erleben wir oft. Für uns Malteser sind das tief berührende Momente. Die Tage in Lourdes sind sehr intensiv. Wir kommen mit müden Füßen, aber erfüllten Herzen nach Hause.
Der Malteser-Hospitaldienst und der Malteser-Orden
Sie sind nicht nur Mitglied des Malteser-Hospitaldienstes, sondern auch Dame im Malteser-Orden. Was bedeutet Ihnen das?
Es hat mich sehr berührt, als man mich gefragt hat, ob ich Ordensdame werden möchte, und ich habe gespürt: Ja, das passt zu meinem Weg. Wir versprechen, uns gegen das so genannte achtfache Elend einzusetzen: gegen Krankheit, Hunger, Schuld, Unglaube, Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit, Verlassenheit, Heimatlosigkeit. Ich habe die Erfahrung gemacht: Gott nimmt mir nicht jede Herausforderung und nicht jedes Leid ab. Aber er schenkt mir die Stärke, alles zu tragen, und das Vertrauen, dass es gut ist, wie es ist. Der Schritt in den Orden war für mich eine bewusste Entscheidung, meinen Glauben noch bewusster in meinem Tun zu leben und Menschen in schwierigen Lebenssituationen wieder Freude und Leichtigkeit zu schenken.
Gini Czernin
Lebensmotto: Menschen in schwierigen Situationen trotzdem zum Lachen zu bringen.
Gott ist für mich: Vertrauen und Kraft.
Sonntag bedeutet für mich: Der Tag des Herrn.