Mitten im Schrecken wirkt die Gnade
Prüller
Einer der wunderbarsten Kirchenliederdichter ist Paul Gerhardt. Das Werk des lutherischen und längst auch von den Katholiken dankbar geschätzten Theologen und Poeten rahmt gleichsam das Heilsgeschehen im Kirchenjahr ein: Was wären die Kartage ohne sein „O Haupt voll Blut und Wunden“? Und mein liebstes Weihnachtslied ist nicht das viel jüngere „Stille Nacht“, sondern Gerhardts „Ich steh an deiner Krippe hier“. Heuer jährt sich der Todestag Paul Gerhardts zum 350. Mal. Das heißt: Seine von einer innigen Christusbeziehung getragenen Texte hat er in der schwierigen und entbehrungsreichen Zeit am Ende des Dreißigjährigen Krieges geschrieben. Gerhardts sächsischer Geburtsort wird von den Schweden zerstört. In seinem von Kriegsflüchtlingen überfüllten Studienort Wittenberg grassiert die Pest. Sein Wirkungsort Berlin ist auf die Hälfte der Vorkriegsbevölkerung geschrumpft. Von seinen vier Kindern sterben drei zu seinen Lebzeiten. Paul Gerhardts tiefempfundenes Gottvertrauen in schweren Zeiten ist umso wertvoller für uns heute.
Die Krippe hat eine große Bedeutung zu Weihnachten
In „Ich steh an deiner Krippe hier“ besingt er den Anfang unseres Menschseins – den Gott setzt und auf den wir nur antworten können: „Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren. Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden.“ Und des Christen Antwort lautet in der 14. Strophe, die leider nicht im Gotteslob steht, so: „Eins aber, hoff ich, wirst du mir, mein Heiland, nicht versagen: dass ich dich möge für und für, bei und an mir tragen. So lass mich doch dein Kripplein sein; komm, komm und lege bei mir ein dich und deine Freuden.“ Christus und seine Gnaden so in die Welt zu tragen – ist das nicht ein guter Jahresvorsatz im Paul-Gerhardt-Jahr 2026?