Leo XIV. und die katholische Tour de France
Papstreise
Mehr als sieben Jahre nach dem Brand von 2019 und rund zwei Jahre nach der Wiedereröffnung im Dezember 2024 hat Leo XIV. am 25. September die wiederaufgebaute Kathedrale Notre-Dame als einen Ort gewürdigt, an dem sich Himmel und Erde begegnen. Seine Ansprache vor dem französischen Klerus nutzte der Papst auch für klare und zugleich versöhnliche Worte zum Thema Liturgie. In der berühmten Kathedrale sagte er: „Stellt also die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri und mit der Kirche über eure persönlichen Befindlichkeiten, um die Einheit des Volkes Gottes zu pflegen.“ Knapp 80.000 junge Franzosen hatten dann am Abend gemeinsam mit dem Papst im französischen Nationalstadion gebetet. In seiner Ansprache ermutigte der Papst die Teilnehmenden, stets nach dem Guten zu streben: „Man muss sich für das Gute entscheiden“, erklärte er.
800.000 bei der Messe mit Leo XIV. in Paris
Rund 800.000 Menschen haben mit Leo XIV. am 26. September eine Freiluftmesse auf der Pariser Place de la Concorde gefeiert. Auf der Suche nach Sinn müsse man anerkennen, dass die Menschen auf Erden nichts jemals voll und ganz zufriedenstellen könne. „Wenn wir glauben, unsere Aufgabe sei endlich erfüllt und unsere Anstrengungen hätten sich gelohnt, taucht sehr oft die innere Leere wieder auf“, sagte der Papst. Doch nur Gott könne diese innere Leere füllen. Dann richtete er sich auch an die erwachsenen Taufbewerber und Neugetauften, deren Zahl in Frankreich seit einigen Jahren kontinuierlich steigt. Sie sollten in ihrem Umfeld die Kultur der Liebe verbreiten.
Rosenkranz für den Frieden
Im französischen Wallfahrtsort Lourdes, in dem die Muttergottes dem Hirtenmädchen Bernadette Soubirous im Jahr 1858 insgesamt 18 Mal erschienen war, rief Leo XIV. die Christen weltweit im Oktober zu einem Rosenkranzgebet für den Frieden auf: „Mit der besonderen Absicht, dass die Kriege ein Ende finden und Frieden zwischen den verfeindeten Völkern einkehrt.“ Der päpstliche Aufruf folgte auf eine große Freiluftmesse in dem Marienwallfahrtsort mit rund 150.000 Pilgern. Leo XIV. hatte in Lourdes am 27. September auch mit sieben Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche gesprochen. Und er sprach sich leidenschaftlich gegen medizinisch assistierten Suizid von unheilbar Kranken und Menschen mit Behinderung aus. „Der Versuchung, unter dem Vorwand falschen Mitleides das Leben zu beenden, muss im Namen der unveräußerlichen Würde des Menschen entschieden widerstanden werden“, sagte der Papst: „Es ist unmöglich, das Herbeiführen des Todes als normal anzusehen. Was legal ist, ist nicht zwangsläufig auch sittlich erlaubt.“
Der Papst über Beziehungen, die verrohen
Bei einem interreligiösen Treffen am 28. September in Metz in Lothringen forderte der Papst von Religionen einen gemeinsamen Einsatz für Menschenwürde und Frieden. „Nichts, was die Menschenwürde entstellt, kann sich auf wahre göttliche Eingebung berufen“, unterstrich Leo XIV. Der Papst hatte in Metz auch eindringlich für ein geeintes Europa geworben und scharfe Kritik an aktuellen sicherheits- und migrationspolitischen Entwicklungen geübt. An dem Ort, an dem der EU-Gründervater Robert Schuman einst lebte, beklagte Leo XIV. eine zunehmende Verrohung: „Heutzutage werden die Beziehungen zwischen Menschen und zwischen Staaten immer barbarischer.“ Völkerrecht und Multilateralismus bildeten das beste Gegenmittel gegen jeden Herrschaftswillen, der die Ursache jedes Konflikts ist.