Lassen Sie mich arbeiten

Margarethe Ottillinger
Exklusiv nur Online
Autor:
Geschafft: Margarethe Ottillinger hatte den Bau einer Kirche versprochen. Die Wotrubakirche in Wien-Mauer ist ein Meisterwerk des Brutalismus. ©Nela Valentina Pichl

„Von Anfang an wollte ich etwas studieren, das mich in die Welt bringt“, dachte sich die junge Margarethe Ottillinger und machte sich daran, das zu erreichen.

Zusammengefasst: Die energische Frau schaffte alles, was sie sich vorgenommen hatte. Geboren 1919 in eine kleinbürgerliche Familie bei Wien, setzte sie den Besuch im Gymnasium durch, studierte Wirtschaft und legte eine Karriere hin, die auch heute nicht so ganz selbstverständlich ist. Mit 28 Jahren wurde sie Sektionsleiterin im Planungsministerium und hat den österreichischen Marshallplan zum Wiederaufbau der Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg vorbereitet. Wegen falscher Spionageanschuldigungen kam sie sieben Jahre in einen russischen GULAG. Nach ihrer Rückkehr ging sie in die damalige ÖMV und war dort 25 Jahre Vorstandsdirektorin. Beliebt war sie zwar nicht immer bei allen, aber überzeugen konnte sie viele. Einzigartig ist wohl ihr Projekt zum Bau der berühmten Wotrubakirche in Wien als Versprechen für ihr Überleben der sowjetischen Gefangenschaft. Anita Zieher, die bereits mehrere Frauenikonen porträtiert hat, gibt in der rund einstündigen Vorstellung eine überzeugende Macherin. Es bleibt zu hoffen, dass das Portraittheater noch weitere Frauen vor der Vergessenheit bewahrt und dass noch viele Besucherinnen und Besucher Margarethe Ottillinger bei künftigen Vorstellungen treffen werden. Besonders Schulklassen wäre der Besuch anzuraten. Die heute teilweise völlig falsch interpretierten historischen Verhältnisse rückt diese Inszenierung in ein realistisches Licht. Es gab Zeiten, in denen eine Akademikerin eine Frau Diplomkaufmann war und dabei ohne Genderstern auf gleicher Augenhöhe mit allen war.

Werbung
Autor:
  • Sophie Lauringer
Werbung

Neueste Beiträge

| Meinung
Meinung

Die Fachtagung „Mythos Kopftuch! Religiöse Bedeutungen und gesellschaftliche Konfliktlinien“ von IITS und CEMIST eröffnete einen institutionellen Raum, in dem Akteurinnen und Akteure aus Theologie, Politik, Pädagogik, Medien und der Islamischen Glaubensgemeinschaft zusammenkamen, um ein hoch polarisiertes Thema jenseits enger Deutungsräume zu verhandeln.

| Chronik
Sehenswert

Was war los in Wien und Niederösterreich?

| Spiritualität
Glaubenszeugnis

Kein Religionsunterricht an der Mittelschule: Matthias J. Pernerstorfer, 50, aus Essling entschied, neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler Religionslehrer zu werden.