„Landesverteidigung geht uns alle an“

Industrieviertelakademie
Ausgabe Nr. 12
  • Wien und Niederösterreich
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Industrieviertelakademie: Nachdenken über das komplexe Thema „Frieden“.
Industrieviertelakademie: Nachdenken über das komplexe Thema „Frieden“. ©Stefan Kronthaler

„Wie geht Frieden – im Kleinen wie im Großen?“: Unter diesem Motto stand die Industrieviertelakademie am 12. März im Wiener Neustädter Bildungszentrum Sankt Bernhard.

Die Bandbreite der Impulsgeberinnen und Impulsgeber an diesem von der Katholischen Aktion des Südvikariats veranstalteten Abend war sehr groß: von der evangelischen Pfarrerin bis zum Oberstleutnant des österreichischen Bundesheeres, von der Polizistin bis zum Angehörigen der Österreichischen Buddhistischen Gesellschaft.

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Spiritualität des Friedens

„Frieden hat in der biblischen Tradition mit Freiheit und Verantwortung zu tun. Und er beginnt bei mir selbst“, betonte die evangelische Pfarrerin Karoline Rumpler (Wiener Neustadt) in ihrem Impuls. Der biblisch verheißene Frieden, Shalom, müsse „nicht automatisch mit Harmonie in Verbindung gebracht werden, sondern was gebrochen ist, das muss ganz werden“, sagte Rumpler. Das Streben nach Glück ziele darauf ab, „Leiden, Krankheiten und Armut zu vermeiden“, unterstrich Volker Hessel von der Österreichischen Buddhistischen Gesellschaft. Auch wenn sich der Einzelne „als Mittelpunkt des Universums“ betrachten mag, „so hat doch jeder das, was er hat, immer von anderen“. Daher laute einer der Grundsätze der buddhistischen Ethik, „anderen Wesen keinen Schaden zuzufügen“.

Was tun gegen häusliche Gewalt?

An die schon fast tägliche Gewalt in der Privatsphäre in Österreich erinnerte Bezirksinspektorin Martina Haas von der Polizei Wiener Neustadt. Ein Teil der Polizeiarbeit seien die „vielen Präventionsangebote, für Schulen wie auch für Erwachsene“. Gut angenommene Projekte wie „Gemeinsam sicher“ oder „Sicher im öffentlichen Raum“ würden das Sicherheitsgefühl der Menschen stärken. Dagmar Fenninger-Bucher (Hochschule für angewandte Wissenschaften Burgenland) erinnerte in ihrem Statement an die fast 15.000 Betretungs- und Annäherungsverbote in Österreich sowie die 29 Femizide, die 2024 in sozialen Naheverhältnissen passierten. Frauen seien allzu oft von sexueller Gewalt betroffen. In Österreich gab es zuletzt „mehr Morde an Frauen als an Männern“.

Umfassende Landesverteidigung

Ungewöhnlich und doch wieder verständlich wurde der Themenbereich Landesverteidigung dargeboten – vom katholischen Theologen Georg Radlmair gemeinsam mit Oberstleutnant Josef Greiner von der Militärakademie Wiener Neustadt. Radlmair, ein ehemaliger Zivildiener, verwies auf das alttestamentliche Buch Kohelet (Kapitel 3, Vers 8), wonach es „eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden“ gebe. Wohl den Wenigsten war an diesem Abend bewusst, dass die „Umfassende Landesverteidigung“ seit 1975 in der Bundesverfassung verankert ist. Die „Umfassende Landesverteidigung“ umfasse vier Teilbereiche: geistige, zivile, wirtschaftliche und militärische Landesverteidigung. Zur „geistigen“ zähle, so Radlmair, auch die Demokratiebildung, zur zivilen der Zivildienst und zur wirtschaftlichen Landesverteidigung etwa die Versorgung mit Gas und Treibstoff. Angesichts des Krieges in der Ukraine, der schon vor dem 24. Februar 2022 mit dem Angriff auf Kiew begonnen habe, fragte Oberstleutnant Greiner: „Wann ist ein Krieg ein Krieg und wann ein Frieden ein Frieden?“ „Österreich bekennt sich zur umfassenden Landesverteidigung. Wir sind jetzt mitten in der Landesverteidigung“, betonte der ranghohe Militär. „Landesverteidigung geht uns alle an, wir sind dazu verpflichtet“, ergänzte Radlmair.

Gewaltfreie Kommunikation

Beim Thema Frieden dürfe man nicht nur an große Konflikte denken, denn die Arbeit für den Frieden beginne schon im Kleinen, unterstrich Barbara Pototschnig, Trainerin für gewaltfreie Kommunikation. Sie betonte, dass Konflikte auch entstehen, wenn Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Und sehr konkret gesagt: „Acht Minuten Ärger kosten die Energie von acht Stunden!“ Gewaltfreie Kommunikation fördere Empathie – das Einfühlungsvermögen und das Verstehen. Es brauche daher viel Sensibilität im Umgang mit den anderen.

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Autor:
  • Stefan Kronthaler
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