Kleines ABC der Grabsymbole
Allerheiligen und Allerseelen
Totenschädel, gebrochene Kerzen, Sanduhren: Auf Friedhöfen erzählen Grabmäler nicht nur vom Tod, sondern auch davon, was Menschen sich vom Leben danach erhoffen. Gerade im November lohnt sich der Blick auf die steinernen Zeichen. Viele stammen aus der antiken Bildwelt oder der christlichen Tradition und verraten, wie sich Vergänglichkeit, Trauer und Auferstehungshoffnung in der Friedhofskunst spiegeln. Wer die Symbole auf den Grabmälern zu lesen weiß, entdeckt zwischen morbider Ästhetik und christlicher Auferstehungshoffnung eine Kunstgeschichte der Vergänglichkeit.
Grabsymbole von A bis F
Anker: Symbol für Christus als festem Grund des Glaubens. In seiner Dreiheit ein Symbol für Glaube, Liebe und Hoffnung.
Buchsbaum: Nach jedem Rückschnitt treibt der winterharte Buchsbaum neu aus. Das macht ihn zu einem Symbol von Auferstehung (Christentum) und Unsterblichkeit (Antike).
Christentum: wird symbolisiert vor allem durch das Kreuz, das an das Leiden und den Tod Jesu erinnert, aber auch an seine Auferstehung
Denkmal: Grabdenkmäler und Grabsteine wollen den Glauben des Verstorbenen oder sein Leben in Erinnerung rufen; meist ohne dafür viele Worte zu machen.
Efeu: das immergrüne Symbol der Ewigkeit - bis nach dem Zweiten Weltkrieg als reine Friedhofspflanze in Gärten verpönt.
Engel: Mittler zwischen Himmel und Erde, Bote Gottes/der Götter, Tröster, Beschützer und Helfer der armen Seelen; säkularisiert auch als Todesengel, in Rückgriff auf den antiken Todesgenius.
Eule: wie der Kauz ein "Totenvogel", im Volksmund auch "Leichenhuhn" genannt; zugleich Symbol der Weisheit, was das Wissen um die eigene Endlichkeit einschließt.
Fackel, gesenkte: Zeichen für das verlöschende Leben. Der Todesgenius, der sich trauernd auf die Fackel stützt, ist ein verbreitetes Antikenzitat.
Grabsymbole von G bis L
Genius: Genien waren bei den Römern ursprünglich Ahnengeister, die über ihre Nachkommen wachen. Später wurden sie der persönliche Schutzgeist eines Mannes und Ausdruck seines Schicksals oder seiner Bestimmung. Mit dem Tod des Mannes erlosch der Genius.
Herz: Oft auf den Gräbern von Ehefrauen zu finden, steht es für die Liebe über den Tod hinaus; häufig auch als Herz Jesu oder Mariens.
Jesus: Wer anders als der auferstandene Jesus sollte das stärkste christliche Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod sein?
Kerze: Trägerin des Lichts und des Lebens; gebrochen als Symbol der Vergänglichkeit. Im Volksglauben auch Mittel zur Abwehr von Geistern und Dämonen.
Kranz: Seine geschlossene Form ohne Anfang und Ende steht als Sinnbild der Unendlichkeit; in der Antike Zeichen des Sieges.
Leichentuch: Auch auch Grabtuch oder Totenhemd genannt, steht vor allem für den Übergang vom Leben zum Tod, aber auch für Reinheit und für die Gleichheit aller Menschen im Angesicht des Todes.
Grabsymbole von M bis S
Mohnkapseln: symbolisieren die Verwandtschaft von Schlaf und Tod
Nelke: Sinnbild des Leidens, las man in ihrer Gestalt doch die Nägel der Kreuzigung; im Volksmund auch "Grabnagel" genannt.
Omega: Der letzte Buchstabe des griechischen Alphabets steht für das Ende (des Lebens), aber auch für das Vollendete oder für das ultimative Tor, durch das alle gehen müssen.
Putto: pausbäckiger Kinderengel, im Friedhofs-Kontext oft Symbol der Vergänglichkeit, das mit Stundenglas und Totenschädel über die unerbittliche Kürze des Lebens meditiert.
Quo vadis: Die lateinische Frage "Wohin gehst du?" erinnert an eine legendäre Begegnung des Petrus mit Jesus. Symbolisch steht sie für die Konfrontation mit der eigenen Verantwortung - und die Bereitschaft, vor der entscheidenden Aufgabe nicht zu fliehen.
Rose: steht für die Schönheit und die Liebe (Maria), für das Leiden (Dornen, Christus) und - geknickt - für die Vergänglichkeit der Dinge
Schmetterling: als Antikenzitat Zeichen der Metamorphose, der Verwandlung von altem/vergangenen Leben in das neue; steht auch für den Austritt der Seele aus dem Körper.
Sense/Sichel: eines der frühesten Attribute für den Tod, der als Schnitter den Menschen mäht und so seine Ernte einbringt.
Spiegel: Sinnbild für Selbsterkenntnis, Mahnung an die Vergänglichkeit und Symbol von Eitelkeit (vanitas) und Flüchtigkeit - hält er doch das Bild, das er wiedergibt, nie fest.
Spindel: Symbol der Schicksalsgöttinnen, die den Lebensfaden spinnen; auch Sinnbild für die Frau.
Stundenglas: Die Sanduhr misst die verrinnende Zeit und gemahnt so an die Kürze des Lebens.
Grabsymbole von T bis Z
Tod/Totenschädel: Im christlichen Mittelalter und der Barockzeit erinnerte der Schädel als Mahnung daran, das irdische Leben in Demut zu führen: "Bedenke, dass du sterben musst" (lat. "Memento mori").
Unvergänglichkeit: Ohne Anfang und ohne Ende ist der Ring das reinste Symbol für die Unendlichkeit und für ewiges Leben.
Vanitas-Motive wie Sanduhren, Totenschädel oder faules Obst symbolisieren die Vergänglichkeit des Lebens und Unvermeidlichkeit des Todes; ebenso die Nichtigkeit von Macht, Schönheit oder Besitz. Der Begriff leitet sich vom biblischen Buch Kohelet ("Es ist alles eitel") ab und stammt aus dem Lateinischen (vanitas = Eitelkeit, Nichtigkeit) (s. auch Spiegel).
Weizen: Weizenähren erinnern an ein Wort Jesu: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Aus dem Leib, der begraben wird, wächst eine neue Ähre mit dem ewigen Leben. Gebrochene Ähren symbolisieren aber auch, dass ein Leben ein Ende gefunden hat.
X: Ein X-förmiges Symbol auf einem Grabstein oder Friedhof steht für das griechische Chi () als Christus-Monogramm und für die Hoffnung auf die Auferstehung.
Ysop: Laut dem Johannes-Evangelium wurde dem durstigen Christus bei der Kreuzigung kurz vor seinem Tod ein mit Essig getränkter Schwamm auf einem Ysop-Zweig gereicht.
Zapfen: Als Umdeutung aus dem ägyptischen Isis-Kult übernahmen die Christen die Pinie als Symbol für Leben und Unsterblichkeit.