Kinderwunsch: Männer gefragt!
Familienplanung
Zwischen Kinderwunsch und Wunschkind: Das Ja zum Kind oder zu Kindern muss noch mehr auch von den jungen Männern kommen. Peter Mender, Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs, ermutigt im Gespräch mit dem SONNTAG die Väter, mehr Verantwortung in der Familie zu übernehmen.
Kinderwunsch: Immer weniger Männer wollen Väter werden
Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn immer weniger Männer heutzutage auch Väter werden wollen?
Peter Mender: Die Kinderzahl pro Frau liegt bei 1,29, und das ist ein historisches Tief. Wir wissen aber auch, dass Paare oft nicht die Anzahl an Kindern bekommen, die sie sich eigentlich wünschen. Wie es bei den Männern aussieht, rückt in der öffentlichen Debatte oft in den Hintergrund. Jugendstudien zeigen aber konstant: Der Wunsch nach einer eigenen Familie ist bei beiden Geschlechtern unverändert hoch, bei den jungen Burschen ist der Wunsch nach Kindern in der späteren Lebensplanung sogar höher als bei den Mädchen. Wir müssen einen Weg finden, um jungen Paaren Mut zum Kind zu machen und sollten dabei auch die Männer intensiver mitbedenken.
„Meist werden die Mädchen gefragt, ob sie sich Kinder wünschen.“
Frauen denken intensiver über Kinderwunsch nach
Hängt der mangelnde Kinderwunsch auch damit zusammen, dass Frauen fürchten, dass sie als Mütter mit der Sorge für das Kind oder die Kinder letztlich alleingelassen sind?
Wir wissen auch sehr gut, dass Frauen intensiver über ihren Kinderwunsch nachdenken und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den Vordergrund stellen. Hier sollten wir bereits in den Schulen ansetzen und verschiedene Rollenbilder thematisieren. Meist werden die Mädchen gefragt, ob sie sich Kinder wünschen, bei jungen Burschen wird zum Beispiel bei der Berufswahl selten die Vereinbarkeit thematisiert. Das muss sich ändern. Wenn Kinder als partnerschaftliche Verantwortung gesehen werden, ist es für Frauen leichter, Ja zum Kind zu sagen. Das sehe ich als eine gesellschaftliche Aufgabe für uns Männer.
Nicht nur eine Angelegenheit der Frauen
Wenn nun manche den Kinderwunsch auf später verschieben: Wird dabei bedacht, dass Fruchtbarkeit nicht unbegrenzt verfügbar ist?
Es ist wenig bekannt, dass auch die männliche Fruchtbarkeit ab 35 Jahren abnimmt, wenn auch langsamer. Wir wissen, dass von den Frauen, die keine Kinder bekommen, rund ein Drittel den Nachwuchs wirklich ausschließt, die anderen zwei Drittel sind positiv eingestellt, sagen aber: noch nicht jetzt. Und irgendwann wird aus dem „noch nicht jetzt“ ein „leider nie“. Hier müssen wir gegensteuern und Paaren Mut zum Kind machen, indem wir vermitteln: Es ist nicht nur eine Angelegenheit der Frauen.
Kinderwunsch als Gratwanderung
Wie kann Elternschaft, das Ja zu Kindern, positiv dargestellt werden?
Das ist eine Gratwanderung. Für mich persönlich ist Vatersein das Bereicherndste, was ich kenne, da bin ich mir als zweifacher Vater sicher. Gleichzeitig schrecken die vielen Berichte über Mental Load – also die mentale Belastung durch das Organisieren des Alltags in einer Familie – und die Herausforderungen, die Kinder mitbringen, junge Menschen oft ab. Ich will den Müttern damit nicht einreden, sie sollten aufhören, über Belastungen zu sprechen. Die Belastungen sind real. Ich will die Väter ermutigen, sich mehr einzubringen: Damit sinkt die individuelle Belastung der Frau. Also mein Appell an die Männer: Übernehmt Verantwortung, denkt mit, habt die Organisation im Blick. Es ist auch euer Kind.
„Was wir brauchen, ist Ehrlichkeit: Ja, Familie ist anspruchsvoll.“
Keine Idealisierung der Familie
Was braucht es für einen geistlichen Klimawandel, der das Ja zum Leben stärkt?
Ich denke, das Ja zum Leben ist in der Kirche sehr präsent, gesellschaftlich fehlt es aber an einer Kultur, die dieses Ja trägt und bestärkt. Was wir brauchen, ist keine Idealisierung von Familie, die mehr Druck erzeugt als Mut macht. Was wir brauchen, ist Ehrlichkeit: Ja, Familie ist anspruchsvoll. Ja, es gibt schwierige Phasen. Und gleichzeitig: Ja, es ist das Abenteuer, das das Leben bereichert. Die Kirche kann hier viel leisten, wenn sie nicht mit erhobenem Zeigefinger spricht; als Gemeinschaft, die trägt, begleitet und Freude vermittelt. Familienfreundliche Pfarren, Gemeinschaften, in denen Kinder willkommen sind und Eltern nicht allein gelassen werden – das ist ein konkreter geistlicher Beitrag, der mehr bewirkt als jede Debatte.