Innozenz III. und sein Traum

Bedeutende Päpste – Folge 3
Ausgabe Nr. 12
  • History
Autor:
Papst Innozenz III. schlafend
„Der“ Traum: Der schlafende Innozenz III. sieht im Traum, dass die Lateran-Basilika, die Mutterkirche aller Kirchen, einzustürzen droht und dass ein kleiner Ordensmann mit seinen Schultern die Kirche stützt, damit sie nicht zusammenfällt. In dem Ordensmann erkennt der Papst Franz von Assisi, der ihn aufgesucht hat (Giotto, um 1295/1300, Oberkirche in Assisi). ©Rabatti-Domingie/akg-images/picturedesk.com

Papst Innozenz III. gilt als der bedeutendste und mächtigste Papst des Mittelalters. Ausgestattet mit einer unvergleichlichen Machtfülle, zeigt der Papst im Umgang mit Franz von Assisi dennoch Weitblick für die Zeichen der Zeit.

Als einer der besten Kirchenrechtsexperten seiner Zeit war Papst Innozenz III. (1161 bis 1216) zugleich auch ein mutiger Kirchen-Reformer mit Weitblick. Er verfolgte aber die Ketzer, rief zu Kreuzzügen auf und förderte zugleich auch die Bettelorden wie Dominikaner und Franziskaner. Und er berief das wohl bedeutendste Konzil des Mittelalters ein, das Vierte Laterankonzil, das im Jahr 1215 tagte.

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Innozenz III. war einer der mächtigsten Päpste in der Kirchengeschichte. Mit 37 Jahren 1198 zum Papst gewählt, regierte er in beinahe atemberaubendem Tempo bis zu seinem Tod im Jahr 1216. Er wusste um die Bedeutung der Symbole, so fügte er zu Zepter, Schwert und Krone als Zeichen der Macht eine goldene Weltkugel hinzu. Er ließ sich auch nicht als „Vicarius Petri“ bezeichnen, sondern verstand sich als „Vicarius Christi“, als „Stellvertreter Christi“.

Kirchenstaat, Kreuzzüge, Ketzerverfolgung

Ein Ziel von Innozenz III. war die Vergrößerung des Kirchenstaates in Mittelitalien. Und Innozenz III. war auch bald in die Thronstreitigkeiten zwischen Staufern und Welfen verwickelt, er mischte eifrig mit und entschied letztlich den deutschen Thronstreit. Als der Papst 1198 zum Vierten Kreuzzug aufrief, konnte er nicht ahnen, dass dieser nicht in das Heilige Land führte, sondern ohne seine Schuld vom venezianischen Dogen 1204 nach Byzanz umgelenkt wurde. Dort wurde das Kreuzfahrerreich errichtet. 1215 eröffnete Innozenz III. das Vierte Laterankonzil. Dabei rief er u. a. zum Fünften Kreuzzug in das Heilige Land auf. Das bedeutendste Konzil des Mittelalters verabschiedete 71 „Dekrete“, darunter die Bestätigung der Transsubstantiationslehre, wonach Brot und Wein in der Wandlung wirklich zu Leib und Blut Jesu Christi werden. Eine dunkle Seite sind die Verfügungen gegen die Juden und Muslime. Das Vierte Laterankonzil forderte sie etwa auf, sich abweichend zu kleiden, damit christliche und jüdische und muslimische Männer und Frauen „sich nicht irrtümlich miteinander einlassen“. Auch betrieb der Papst die Verfolgung der Katharer und Albigenser und anderer Häretiker. Canon 3 des Vierten Laterankonzils setzte die Ketzerbekämpfung mit der Jerusalem-Fahrt gleich, sie wurde also in den Rang eines Kreuzzuges erhoben.
 

Der Weitblick des Papstes

Und doch gibt es auch den berührenden Moment, als der prunkvoll gekleidete Papst mit dem demütigen Franz von Assisi, barfuß und in zerschlissener Kutte, 1209 in Rom zusammentraf. Franz von Assisi berief sich mit seiner Regel schlicht auf das Evangelium, auf die gelebte radikale Armut. In einem nächtlichen Traum sah der Papst, dass die Lateran-Basilika einzustürzen drohte. Aber ein kleiner Ordensmann stützte die Kirche. Innozenz III. erkannte in diesem Ordensmann den jungen Franz von Assisi. Der Papst bestätigte dann nach intensiven Beratungen mit den Kardinälen den franziskanischen Brüdern mündlich die Ziele sowie die Lebensform der neuen Gemeinschaft.

Innozenz III. starb am 16. Juli 1216 im Alter von 55 Jahren auf der Reise in die Lombardei in der Nähe von Perugia und wurde in der dortigen Kathedrale begraben. Ende des 19. Jahrhunderts wurde sein Leichnam nach Rom überführt und in der Lateran-Basilika beigesetzt. 

Schlagwörter
Autor:
  • Stefan Kronthaler
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