Für den Ernstfall: 26 Migrantenkinder adoptiert

Aussergewöhnliche Initiative
Ausgabe Nr. 6
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Kein Kind und keinen Elternteil will Pastor Vidal Rivas im Stich lassen.
Kein Kind und keinen Elternteil will Pastor Vidal Rivas im Stich lassen. ©st.matthewsparish

Ein Pastor im Bundesstaat Maryland in den USA hat eine ungewöhnliche Initiative gegen Donald Trumps Abschiebepolitik gestartet. Er hat 26 Migrantenkinder adoptiert.

Für einige verzweifelte Eltern ist es der letzte Ausweg: „Wir haben beschlossen, dem Padre das Sorgerecht zu übertragen. Für den Fall, dass wir morgen festgenommen und abgeschoben werden“, sagt eine Migrantin ohne Aufenthaltserlaubnis dem Sender CNN. Die im US-Bundesstaat Maryland lebende Frau hat sich – wie andere Betroffene – hilfesuchend an Pastor Vidal Rivas gewandt.

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Vormund von 26 Migrantenkindern

Der aus El Salvador stammende anglikanische Geistliche unternimmt mit Herzblut und Überzeugung diesen außergewöhnlichen Schritt, um den von Abschiebung bedrohten Familien zu helfen. Inzwischen ist er Vormund von 26 Kindern. Sollten ihre Eltern in den Fokus der Behörden geraten, will er so eine Abschiebung verhindern – eine sehr spezielle Form von Kirchenasyl.
 

Angst bestimmt den Alltag

Hintergrund sind die martialischen Razzien der Einwanderungspolizei ICE, die unter illegal eingereisten Migranten, vor allem aus Lateinamerika, Angst und Schrecken verbreitet. Dass die Beamten selbst vor dem Gebrauch ihrer Schusswaffen nicht zurückschrecken, ist mittlerweile überall bekannt.

Wer keinen Aufenthaltstitel hat, verhält sich deshalb vorsichtiger als sonst – Angst bestimmt den Alltag. Eine salvadorianische Mutter, die ihr Kind vom Pastor adoptieren ließ, arbeitet nach eigenen Angaben nicht mehr. Sie vermeidet es gar, in die Nähe der Schule ihres Sohnes zu kommen. Denn auch in Betrieben, Schulen und Kindergärten finden derzeit Razzien statt. Laut Pastor Rivas trauen sich etliche betroffene Familien nicht einmal, an religiösen Aktivitäten teilzunehmen.

Die Situation vieler Migrantenkinder sei „traurig, bedauerlich und schmerzhaft“, mitunter auch „sehr chaotisch“

Die Situation sei „traurig, bedauerlich und schmerzhaft“, mitunter auch „sehr chaotisch“, sagt er. Um die Kinder im Fall des Falles unterbringen zu können, habe er Räume in der Pfarre vorbereitet. Der Pastor erläuterte vor Reportern, das Sorgerecht werde nur im Fall einer erzwungenen Familientrennung aktiviert – und sei für sechs Monate gültig. In diesem Zeitraum könne er die Minderjährigen betreuen, sie in ein von den Eltern angegebenes Land bringen – oder die Maßnahme verlängern. „Es ist nicht einfach, Vormund zu sein und eine so große Verantwortung zu tragen“, sagte Rivas. Er spüre eine immense Last und habe daher Gott um Hilfe gebeten, um „kein Kind und keinen Elternteil im Stich zu lassen“.

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