Eine Generation
Ihnen gesagt
Diesen Sonntag habe ich eine wunderbare Einladung: Ich werde ein silbernes Priesterjubiläum mitfeiern. Warum ist das für mich ein besonderes Fest? Ich kenne diesen Priester seit 36 Jahren. Damals waren wir beide Jungsemester. An ein Ende unserer Studien war nicht im Entferntesten zu denken. Dass der Theologiestudent auch Priester werden könnte, wusste ich schon damals, der Weg dorthin dauerte noch länger.
Begleiter durch mehrere Lebensstationen
Wir haben einander begleitet durch unsere Lebensstationen. Das Mitfeiern der Primiz, der ersten Messe des Jungpriesters, war aufregend. Noch nie war ich bei so einer Feier dabeigewesen. Ich trug ein neues Leinenkleid und ging während der Messe mit meinem quengelnden Kleinkind aus der Kirche, um nicht weiter zu stören. Das war mir damals ziemlich unangenehm. Die ganze Pfarrgemeinde war auf den Beinen, um ihrem Pfarrkind ein schönes Fest zu bereiten. Wir Gäste durften nichts vom großen Buffet nehmen, bevor der Jungpriester nicht einen Blick darauf geworfen hatte. (Es gab aber wirklich genug, wir wurden alle satt.) Es war die Wertschätzung gegenüber der Lebensentscheidung, die wir alle an diesem Tag mitfeierten, die diesen Anlass so besonders machte.
Eine Generation wächst auf
Danach begann der Alltag eines Seelsorgers, an unseren Lebensgabelungen haben wir einander immer gesehen. Nicht alles ist geglückt, es gab Brüche und Neuanfänge. Kein Wunder, in 25 Jahren passiert viel. Es ist der Zeitrahmen, in dem eine Generation aufwächst und in dem wir zuerst erwachsen und dann älter wurden. Ich freue mich wieder auf einen besonderen Sonntag und gratuliere allen Priesterjubilaren sehr herzlich und bitte um Verständnis, dass ich in diesem Leitartikel nicht auf den Missstand der fehlenden Frauenweihe hinweise.