Ein „Manna-Regen“ in Retz

Kirchen-Entdeckungsreise – Teil 6
Ausgabe Nr. 26
  • Wien und Niederösterreich
Autor:
Kirche aus (lebendigen) Steinen: Pfarrkirche Sankt Stephan in Retz;
Kirche aus (lebendigen) Steinen: Pfarrkirche Sankt Stephan in Retz; ©Pfarre Retz/Reinhard Gerstorfer
Pfarrer Clemens Beirer und einer seiner „Lieblingsorte“: der Taufbrunnen.
Pfarrer Clemens Beirer und einer seiner „Lieblingsorte“: der Taufbrunnen. ©Stefan Kronthaler
„Brot vom Himmel“: Der „Manna-Regen“ im Altarraum in Retz.
„Brot vom Himmel“: Der „Manna-Regen“ im Altarraum in Retz. ©Stefan Kronthaler

Der SONNTAG stellt jeden Monat eine Kirche vor. Im nordwestlichsten Teil unserer Erzdiözese liegt die Pfarrkirche Retz, ein traditionsreiches Gotteshaus mit einer wechselvollen Geschichte.

Nach 1041 wurde vom Bistum Passau die „Mutterpfarre“ Sankt Agatha in Hausleiten gegründet. Dann wurde dieses riesige Pfarrgebiet in „Urpfarren“ unterteilt, darunter Pulkau-Sankt Michael und später die Sankt-Stephanspfarre Retz. Vor 825 Jahren, am 27. Dezember 1200, wurde im Zwettler Stiftungsbuch („Bärenhaut“) erstmals der Name eines Pfarrers von Retz überliefert. Pfarre und Pfarrkirche erlebten in der Folgezeit eine wechselvolle Geschichte: In den Hussitenkriegen wurden Pfarre und Pfarrkirche 1425 zerstört, während der Invasion der Schweden brannte die Pfarrkirche 1645 ab. Im Barock erhielt die Pfarrkirche, mit verbliebenen romanischen Fundamenten und Teilstücken frühgotischer Mauern, die heutige Gestalt. Fast 400 Jahre betreuten Augustiner Chorherren aus Sankt Pölten die Pfarre Retz, ehe sie 1784 eine „Weltpriesterpfarre“ der Erzdiözese Wien wurde. 

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Der Taufstein und der Tauftag in Retz

„Unser relativ schmales, aber langes Kirchenschiff zieht die Menschen, wenn sie die Kirche betreten, nach vorne zum Altarraum“, sagt Pfarrer Clemens Beirer zum SONNTAG: „Den Kreuzweg entlang, der ja auch ein Symbol für unseren Lebensweg ist.“ Als ich den Pfarrer nach seinem „Lieblingsplatz in der Kirche“ frage, führt er mich zum muschelförmigen Taufbecken, das 1728 gestaltet wurde. „Seit ich Pfarrer in Retz bin, seit 2012, wird hier getauft“, erklärt er: „Die Taufe ist die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft. Wir Christen empfangen durch die Taufe den Heiligen Geist und werden dadurch Christus ähnlich. Der Glaube an Jesus, den Christus, und die Gemeinschaft der Glaubenden gehören zusammen. Wir sind Kinder Gottes und das ist sehr viel.“ Beirer plädiert auch dafür, den eigenen Tauftag bewusst zu feiern. Wer ihn nicht kennt: Der Tauftag ist im Taufschein eingetragen. Gegenüber dem Taufaltar, auf der anderen Seite, findet sich eine barocke Sandstein-Pieta. Barocke Bilder prägen die Kirche. Auf dem Hochaltarbild ist der heilige Stephanus, der Kirchenpatron, zu sehen. 1852 hat Leopold Kupelwieser dieses herrliche Bild gemalt. Beim Marien-Altar ist die „Aufnahme Mariens in den Himmel“ von Paul Troger zu sehen. Weiters findet sich eine Darstellung des heiligen Augustinus, geschaffen von Martin Altomonte, „datiert“ auf 1739. Ungewöhnlich ist der alttestamentliche „Manna-Regen“ im Altarraum. Dieser Specksteinschnitt aus der Spätgotik erinnert daran, wie das Volk Israel während der Wüstenwanderung das „Brot vom Himmel“, das Manna, erhalten hat – beschrieben im Buch Exodus, Kapitel 16.
 

Kirchenoper „Salome“ in der Kirche in Retz

Als ich am 20. Juni mit Pfarrer Beirer die Kirche besichtige, sind manche Bilder verhüllt und die technische Ausrüstung für eine multimediale Inszenierung ist überall gegenwärtig in der Kirche. „Das hat einen einfachen Grund“, klärt mich der Pfarrer auf: „Im Juli wird in der Pfarrkirche die Kirchenoper ,Salome‘ von Antonio Maria Bononcini im Rahmen des ,Festival Retz‘ präsentiert.“ Die Pfarrkirche Retz ist eine „offene Kirche“: „Sieben Tage in der Woche, von 8:00 bis 18:00 Uhr.“ Mit einer kleinen Einschränkung während der Festivalzeit im Juli. Aber selbst hier sind die Retzerinnen und Retzer eingeladen, tagsüber zur Anbetung in die Kirche zu kommen.

Autor:
  • Stefan Kronthaler
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