Ein Leo Austriacus

Hirtenhund
Ausgabe Nr. 42
  • Hirtenhund
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©Der SONNTAG

Der Hirtenhund bellt über den neu ernannten Erzbischof Josef Grünwidl und hofft, dass er die wichtigen Medienpartner „SONNTAG“ und „radio klassik“ unterstützen wird.

Die Anspannung ist ihm anzumerken. Die Backenknochen bewegen sich unablässig, hinter der Brille blitzen seine wachen Augen. Große Auftritte sind nicht sein Ding. Doch die neue Aufgabe ist auch verlockend. Und so ergreift er, nachdem er endlich Ja gesagt hat, von Beginn an souverän und unaufgeregt die Initiative. Ohne ausgefeiltes theologisches Programm, dafür mit dem Erfahrungsschatz eines bewährten pastoralen Nahkämpfers im Rücken. Die Rede ist von Papst Leo und seinem ersten Auftritt am 8. Mai auf der Loggia des Petersdomes. Aber irgendwie auch von Josef Grünwidl, unserem designierten neuen Erzbischof, dessen Ernennung medial gehyped wurde wie die keines anderen Bischofs in Österreich in den letzten Jahren.

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Josef Grünwidl: ein Mann der Ruhe reinbringt

Nach allem, was man bislang von ihm weiß, wie man ihn als Seelsorger und als Administrator erlebt hat, dürfte er ein Bischof nach dem Geschmack Leos sein bzw. werden: Wohlmeinend freundlich, pragmatisch, zupackend, ohne großes Pathos. Ein echter „Leo Austriacus“. Ein Mann, der Ruhe reinbringt, der Dinge sauber zu Ende bringt, die andere begonnen haben. Diese Dinge, ja Baustellen gibt es auf weltkirchlicher Ebene, aber eben auch in der Erzdiözese Wien. Man denke an die dahinplätschernde pfarrliche Neuordnung, an den hinter „Priorisieren und finanzieren“-PR-Sprech versteckten Sparprozess oder an die Kluft zwischen dem Bekenntnis zur Synodalität und dem 2017 abgeschafften Pastoralrat. 

Doch ich will nicht einstimmen in den Chor der Reformwunschzettel-Schreiberlinge. Ich erfreue mich einfach an einer kleinen Beobachtung: Es gibt nämlich Seelsorger, die kann man sich nirgendwo anders vorstellen als in der Kirche. Weil sie fürs Evangelium brennen, aber manchmal auch, weil man ihnen keinen anderen Job zutrauen würde als eine unaufgeregte Existenz hinterm Altar. Im Interesse aller. Josef Grünwidl hingegen kann man sich überall vorstellen. Als Priester, der brennt, gewiss. Aber auch als Familienvater, als Lehrer oder als CEO. Das ist eine Qualität, die es gar nicht hoch genug zu schätzen gilt. Denn wer bei den Menschen sein will, muss sich auch in deren Leben versetzen können. Josef, so sagen Wegbegleiter und Freunde, kann. 

Der römische Löwe hat viele irritiert, als er seine „Regierungserklärung“ in Form eines Interviews nicht den eigenen Medien, sondern dem amerikanischen Portal „Crux“ gab. Wenn ich einen Wunsch hätte: Lieber Leo Austriacus, bitte besinne dich deiner eigenen Medien – des „SONNTAG“ und „radio klassik“ – sie sind wichtige Partner für dich und unsere Kirche in dieser bewegten Zeit. So wie ich dir ein treu-kritischer Hirtenhund sein will.

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